Berufsverband-Sexarbeit.de

Berufsverband-Sexarbeit.de

Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

2. Juni: Hurentag

Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

Mehr erfahren

Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

Mehr erfahren

Aktionswoche 2026

Aktionswoche 2026

2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

Mehr erfahren

Stadtratshearing in München zum Thema “Lockerung des Sperrbezirks”

Stadtratshearing in München zum Thema “Lockerung des Sperrbezirks”

Stadtratshearing in München zum Thema “Lockerung des Sperrbezirks”
Aus dem Ein­la­dungs­text zur Ver­an­stal­tung am 30.11.2023 im Rat­haus Mün­chen: Das Hea­ring dient dazu das The­ma Pro­sti­tu­ti­on in all sei­nen Facet­ten wie­der in den Fokus des gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Blick­fel­des zu rücken und aus­führ­lich über die Situa­ti­on in Mün­chen zu infor­mie­ren. Dies alles soll die Grund­la­ge bil­den, gemein­sam wei­te­re Opti­mie­rungs­mög­lich­kei­ten zum Schutz von in der Pro­sti­tu­ti­on Täti­gen zu iden­ti­fi­zie­ren, um deren Umset­zung durch den Stadt­rat ent­spre­chend zu unter­stüt­zen. Dane­ben gilt es eine mög­li­che Locke­rung der Sperr­be­zirk­ver­ord­nung zu Guns­ten der Bewohner*innen von Alten- und Pfle­ge­hei­men sowie von Ein­rich­tun­gen für Men­schen mit Behin­de­rung zu bewerk­stel­li­gen. Die Ver­ord­nung muss dabei sowohl den heu­ti­gen geän­der­ten poli­ti­schen Sicht­wei­sen wie auch der stark ver­än­der­ten Stadt­ent­wick­lung ange­passt wer­den. Laut Pro­to­koll des run­den Tisches Pro­sti­tu­ti­on in Mün­chen vom 07.07.2023: „Die Stadt ist bis an die äußers­ten Gren­zen der Ermäch­ti­gungs­norm gegan­gen. Eine zukünf­ti­ge Erwei­te­rung der Sperr­be­zir­ke ist nur gegen die Frei­ga­be bis­her gesperr­ter Gebie­te zuläs­sig“.

TAGESORDNUNG:

The­men­block 1 Voll­zug des Pro­st­SchG in Mün­chen — Adi­na Schwarz (Lei­te­rin der Men­schen­han­dels­be­ra­tungs­stel­le Jad­wi­ga) — Maria, Betrof­fe­ne von Men­schen­han­del — Micha­el Fröh­lich (Bera­tungs­stel­le Mimi­kry) — Givan­na Gil­ges (Gesell­schaft für Sex­ar­beit und Pro­sti­tu­ti­ons­for­schung) — Johan­na Weber (Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen) The­men­block 2 Sperr­be­zirk — Kri­mi­nal­di­rek­tor Falk von Uss­lar (Poli­zei Mün­chen) — Sieg­fried Ben­ker (ehem. Geschäfts­füh­rer Mün­chen­stift GmbH) — Ste­pha­nie Klee (BSD) — Robert Reuss (Bera­tungs­stel­le Mari­kas) — Rodi­ca Knab (Sovo­di)

Themenblock I: Vollzug des ProstSchG in München

Red­ne­rin: Johan­na Weber, Sex­ar­bei­te­rin und poli­ti­sche Spre­che­rin des Berufs­ver­ban­des für Sex­ar­bei­ten­de, BesD

ÜBERNACHTUNGEN

Zunächst möch­te ich ein Lob aus­spre­chen. Es hilft uns Sex­ar­bei­ten­den sehr, dass in Mün­chen Über­nach­tun­gen in den Pro­sti­tu­ti­ons­stät­ten zuge­las­sen wer­den, und wir somit die Hotel­kos­ten spa­ren. Ich sel­ber habe gera­de 3 Tage hier in Mün­chen gear­bei­tet und auch im Stu­dio über­nach­tet.

ANMELDUNGEN

Die Anmel­dun­gen und gesund­heit­li­chen Bera­tun­gen laut Pro­st­SchG 1) soll­ten kos­ten­los sein. Bei­spiel Ber­lin, Ham­burg und ande­re Bun­des­län­der. Es gibt Fäl­le, dass Sex­ar­bei­ten­de sich nicht anmel­den, wegen der Kos­ten.

KONTROLLEN

Wir haben das Gefühl, dass stän­dig irgend­ei­ne Kon­trol­le vor­bei­kommt. Für uns ist nicht zu unter­schei­den ob Sit­te 2) oder KVR 3). Die Betrei­ben­den nöti­gen uns, dass wir für die Kon­trol­len immer die Zim­mer­tür auf­ma­chen — auch wäh­rend der Ses­si­on sprin­gen wir dann nackt im Straps­hal­ter an die Zim­mer­tür. Die Betrei­ben­den wol­len ver­ständ­li­cher­wei­se jeg­li­chen Ärger mit der Sit­te oder KVR ver­mei­den, um eine mög­lichst gerin­ge Anzahl an Kon­trol­len im Hau­se zu haben. Dies nicht, weil sie etwas zu ver­heim­li­chen haben, son­dern weil häu­fi­ge Kon­trol­len eine erheb­li­che Stö­rung des Arbeits­all­ta­ges sind. Gera­de die Kund­schaft nimmt das als sehr nega­tiv wahr. Und war­um las­sen wir Sex­ar­bei­ten­den uns das gefal­len? Die Angst vor dem Ver­lust des Arbeits­plat­zes schwingt immer mit. Denn in Mün­chen ver­dient man sehr gut, und es gibt nicht vie­le alter­na­ti­ve Arbeits­plät­ze, wohin wir wech­seln könn­ten. War­um?

SPERRBEZIRKE

Die weni­gen bestehen­den Bor­del­le und Stu­di­os haben fast Mono­pol­stel­lung. Es wür­de der Bran­che sehr gut tun, wenn mehr ver­schie­de­ne Arbeits­plät­ze gäbe und beson­ders klei­ne Woh­nungs­bor­del­le oder Mas­sa­ge­sa­lons. Die Sex­ar­bei­ten­den, die Haus- und Hotel­be­su­che machen, sind fast gezwun­gen ille­gal tätig zu wer­den, denn die Kun­den woh­nen über­wie­gend im Sperr­be­zirk und die Hotel­gäs­te sind oft in den 5*-Hotels in der Innen­stadt. Fast alle Escorts-Ser­vices ver­mit­teln in den Sperr­be­zirk hin­ein — zum Teil ohne die Frau­en dar­über zu infor­mie­ren.

ERREICHBARKEIT IM DUNKELFELD

So wie die Kon­troll­si­tua­ti­on jetzt ist, neh­men wir die Poli­zei und KVR als eher läs­tig wahr. Jede ist froh wenn sie wie­der weg sind. Ich wün­sche mir eine Poli­zei als Freund und Hel­fer. Als eine Instanz, der man ver­traut und an die man sich wen­det, wenn man Pro­ble­me hat. In Ham­burg z.B. hängt in sehr vie­len Bor­del­len an der Pinn­wand die Visi­ten­kar­te der Sit­te mit dem Namen des Zustän­di­gen. Eini­ge Kol­le­gin­nen tra­gen die Visi­ten­kar­te sogar im Porte­mon­naie. In Mün­chen wur­de mir bei den unzäh­li­gen Kon­trol­len, die ich in 12 Jah­ren schon erlebt habe, noch nie eine Visi­ten­kar­te ange­bo­ten. Und wie erreicht man die Kolleg*innen außer­halb der Bor­del­le? Die arbei­ten übli­cher­wei­se im Sperr­be­zirk und haben natür­lich kein Inter­es­se an Kon­trol­len. Die Ent­schei­dung, dass sie kei­ne Schein­frei­er ein­set­zen wol­len, hal­te ich für sehr sinn­voll. Sonst ist das Ver­trau­en kom­plett hin­über und das Ver­steck­spie­len geht erst rich­tig los. Der sinn­volls­te Weg, die­se Kolleg*inne zu errei­chen ist auf­su­chen­de Bera­tung der Bera­tungs­stel­len. Da darf auch kei­nen Fall gespart wer­den.
1) Pro­st­SchG ist die Abkür­zung für das Pro­sti­tu­ier­ten Schutz Gesetz -> https://www.gesetze-im-internet.de/prostschg/ 2) Sit­te ist die umgs­angs­sprach­li­che Abkür­zung für das Sit­ten­de­zer­nat der Poli­zei in Mün­chen 2) KVR ist die Abkür­zung für das Kreis­ver­wal­tungs­re­fe­rat, wel­ches für die Umset­zung des Pro­sti­tu­ier­ten Schutz Geset­zes in Mün­chen zustän­dig ist