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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Freierbestrafung? Madame Kalis Blick auf das Gespenst der besorgten Bürger

Freierbestrafung? Madame Kalis Blick auf das Gespenst der besorgten Bürger

Madame Kali auf der Seite liegend in Lederoutfit
Per­sön­li­cher Bei­trag von Sex­ar­bei­te­rin und Exper­tin für Geschich­te der Pro­sti­tu­ti­on, Madame Kali: Frei­er­be­stra­fung? Das schwe­di­sche oder nor­di­sche Modell — bes­ser bekannt unter dem Stich­wort Sexkauf­ver­bot Ein Gespenst geht um bei besorg­ten Bür­gern, besorgt auch weil es sich um Sexua­li­tät han­delt die sie sel­ber in sol­chen oder ähn­li­chen For­men für sich nicht mal ansatz­wei­se vor­stel­len kön­nen. Besorgt auch weil man glaubt end­lich des Pudels Kern für alle geschlecht­li­che Ungleich­heit und somit auch die Ver­ant­wort­li­chen dafür end­lich ent­deckt zu haben. Na, da kann man ja end­lich zur Tat schrei­ten und ein­grei­fen und dem Gar­aus ein Ende berei­ten! Mit einem voy­eu­ris­ti­schen Blick, in sei­nen Aus­füh­run­gen einem  por­no­gra­phi­schen Drei-Gro­schen-Schund­ro­man in nichts nach­ste­hend, wer­den Sze­na­ri­en her­auf­be­schwo­ren, die einem Angst und Ban­ge machen und ihre Ent­spre­chung in der Rea­li­tät muss man so erst mal fin­den. Ich will hier nichts beschö­ni­gen. Was man in man­chen Frei­er Foren zu lesen bekommt ver­dirbt einem oft genug den Appe­tit. Wür­den mich eben­so vie­le Kun­den wie Spin­ner, Fakes und Idio­ten kon­tak­tie­ren wäre ich wahr­schein­lich längst reich. Aber dies ist ja nicht ein auf die Pro­sti­tu­ti­on beschränk­tes Phä­no­men. Wer jeman­den aus dem Ein­zel­han­del, Post­zu­stel­ler oder ande­re Jobs in denen man mit Men­schen zu tun hat in sei­nem Freun­des­kreis hat fra­ge sie/ihn mal nach dum­men Kun­den­an­fra­gen, merk­wür­di­gem Ver­hal­ten o.ä. Die Geschich­ten sind wahl­wei­se zum brül­len komisch oder zum weg­lau­fen und fremd schä­men. War­um soll­te dies nun in unse­rer Bran­che der Sex­ar­beit anders sein?
Irgend­was lässt Pro­sti­tu­ti­ons­geg­ner aber laut nach Rache und Ver­gel­tung schrei­en, denn das müs­sen ja alles per­ver­se Schwei­ne sein, anders lässt es sich ja schein­bar nicht erklä­ren, daß es in der Sex­ar­beit eben auch unschö­ne Bedin­gun­gen gibt. Gin­ge es ihnen um die Besei­ti­gung irgend­wel­cher Miss­stän­de wür­den sie hin­se­hen und Betrof­fe­nen zuhö­ren, um zu ver­ste­hen wor­um es geht, wo es Miss­stän­de gibt und wie man sie besei­ti­gen kann.
Aber nein, es ist ja Sex und somit wahl­wei­se jung­fräu­lich hei­lig oder sata­nisch böse. Da es offen­sicht­lich nicht jung­fräu­lich rein ist muss das Gegen­teil ange­nom­men wer­den, und die ein­zi­ge Lösung besteht dar­in alles, was damit zu tun hat, zu ver­dam­men. Alles, bis auf die hei­li­ge Hure, die fort­an dann aber kei­ne mehr sein kann denn sie soll ja jetzt geret­tet wer­den, gera­de­zu geläu­tert, und muss die­se „schlim­men, per­ver­sen Sachen“ ja nicht mehr machen (wir reden immer noch von Sex!) Doch nein, sagen sie, den Pro­sti­tu­ier­ten geht es dabei nicht an den Kra­gen, denn es ist ja bloß eine Frei­er­be­stra­fung. Und der geneig­te Leser vom Niveau der Zei­tung mit den vier Buch­sta­ben fühlt sich im Recht, die Geschich­te hat für ihn einen logi­schen und akzep­ta­blen Aus­gang genom­men. Der Misstand wur­de ange­pran­gert, ver­folgt, gericht­lich belangt und das „arme Opfer „Pro­sti­tu­ier­te“ ist ja straf­frei. Also alles in But­ter? Weit gefehlt, denn was bei die­sem Schlag­zei­len Jar­gon unter den Tisch fällt sind die wah­ren Repres­sa­li­en mit denen Pro­sti­tu­ier­te nun zu tun haben. Denn wer denkt daß man sein Geld legal ver­die­nen kann wenn die Ver­dienst­mög­lich­kei­ten ille­ga­li­siert wor­den sind (näm­lich die poten­ti­el­len Kun­den) hat ein­fach mal nicht zu Ende gedacht. Nun ist die­se Frei­er­be­stra­fung, auch bekannt unter dem Namen schwe­di­sches oder nor­di­sches Modell kei­ne Neue­rung, son­dern in Schwe­den seit 20 Jah­ren Gesetz. Sexarbeiter*innen in die­sen Län­dern berich­ten zuneh­mend von Über­grif­fig­keit (auch sexu­el­le!) und Gewalt­er­fah­run­gen durch Poli­zei­be­am­te. Gera­de bei Sexarbeiter*innen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, basie­rend auf ihrer Ras­se / eth­ni­schen Zuge­hö­rig­keit und Geschlecht erhö­hen sich sol­che Vor­fäl­le. Men­schen­rech­te wer­den gna­den­los aus­ge­he­belt, so reicht allei­ne der Ver­dacht auf Pro­sti­tu­ti­on aus um poli­zei­lich in Pri­vat­woh­nun­gen ein­zu­drin­gen. Durch das Hin­ter­tür­chen des Begrif­fes „Zuhäl­te­rei“ wird nun alles, was in irgend­ei­nem Bezug zu den Sexarbeiter*innen steht ille­ga­li­siert und unter Stra­fe gestellt. Da ist z.B. der Aspekt daß kei­ne Drit­ten finan­zi­ell von dem Lohn von Sex­ar­bei­ter pro­fi­tie­ren dür­fen. Wenn ich also mei­ne (poten­ti­el­le) erwach­se­ne Toch­ter mit einer Finanz­sprit­ze für das Stu­di­um unter­stüt­ze, kann sie der Zuhäl­te­rei belangt wer­den. Ich beauf­tra­ge jeman­den für die Erstel­lung mei­ner Web­site und bezah­le ihn/sie dafür – Zuhäl­te­rei. Ich gön­ne mir bei einem anspruchs­vol­lem Auf­trag einen Chauf­feur und ggfs noch einen Per­so­nen­schutz – Zuhäl­te­rei. Pro­sti­tu­ier­te die sich gegen­sei­tig hel­fen und unter­stüt­zen – Zuhäl­te­rei und zwar bei­de gegen­ein­ader. Das führ­te sogar soweit daß Sexarbeiter*innen ihre pri­va­ten Woh­nun­gen ver­lo­ren haben obwohl sie nie in die­sen gear­bei­tet haben.
Die soge­nann­te Frei­er­be­stra­fung ist also letzt­end­lich nichts wei­ter als ein Pro­sti­tu­ti­ons­ver­bot. Wer meint so irgend­wen schüt­zen zu kön­nen irrt sich gewal­tig! 42% der Sexarbeiter*innen berich­ten von mehr Gewalt­er­fah­run­gen seit der Ein­füh­rung die­ses Geset­zes, 70% von kei­ner Ver­bes­se­rung bzw. sogar Ver­schlech­te­rung der Ver­hält­nis­se der Poli­zei, 63% von einer Ver­schlech­te­rung ihrer Arbeits­ver­hält­nis­se, von den all­ge­mei­nen Umsatz­ein­bu­ßen mal ganz zu schwei­gen!

(Quel­le: Stu­die Mede­ci­ne du Mon­de, s.u. in der Link Lis­te)

Zu kei­ner Zeit und in kei­nem Land hat ein Ver­bot der Pro­sti­tu­ti­on dazu geführt daß es sie nicht mehr gab. Ledig­lich die Arbeits­be­din­gun­gen für die Pro­sti­tu­ier­ten haben sich ver­schlech­tert. Und ging es nicht ein­gangs dar­um etwas FÜR eben die­se zu tun? Mitt­ler­wei­le gibt es eine Rei­he von unab­hän­gi­gen(!) und wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen zu dem The­ma, ich habe hier mal eine Lis­te mit ent­spre­chen­den Links ange­hängt für die­je­ni­gen die sich ger­ne ein eige­nes Bild machen wol­len. Des wei­te­ren haben sich auch die WHO, UNAIDS, UNFPA und Human Rights Watch, Orga­ni­sa­tio­nen gegen Men­schen­han­del, zahl­rei­che Frauenrechtler*innen, Jurist*innen, Forscher*innen und Sex­wor­ker-Ver­ei­ni­gun­gen ein­dring­lich gegen das Sys­tem der Frei­er­be­stra­fung posi­tio­niert.

LINKLISTE zum Thema nordisches Modell, Sexkaufverbot:


Janu­ar 2021: Die NRW-Koali­ti­on spricht sich gegen die Kri­mi­na­li­sie­rung von käuf­li­chen sexu­el­len Dienst­leis­tun­gen aus. Statt Ver­bo­te zu for­dern, die ledig­lich einen Signal­wert haben, in ihrer Effek­ti­vi­tät aber zwei­fel­haft sind, müs­sen die Rech­te von Pro­sti­tu­ier­ten gestärkt und Maß­nah­men ent­wi­ckelt wer­den, um die Arbeits­be­din­gun­gen zu ver­bes­sern. Druck­sa­che 1710851 — https://www.landtag.nrw.de/home/parlament-wahlen/tagesordnungen/WP17/1600/E17-1632.html
Die Wis­sen­schaft­le­rin Dr. Jen­ny Kün­kel hat in ihrem aktu­el­len Blog­bei­trag (Juni 2021) gera­de ver­schie­de­ne Stu­di­en, die die Kon­tra­pro­duk­ti­vi­tät des “nor­di­schen Modells” (was ja gar kein Modell ist) ganz klar auf­zei­gen zusam­men­ge­führt und vor­ge­stellt incl direk­ter Links zu den wis­sen­schaft­li­chen Abei­ten: https://sexcrimecity.wordpress.com/2021/06/02/nordisches-modell-verscharft-die-situation-margin alisierter/
Ihr 2019 erschie­ne­nes Werk “Sex­ar­beit. Femi­nis­ti­sche Per­spek­ti­ven” ist auch sehr lesens­wert. https://www.fembooks.de/Jenny-Kuenkel-Kathrin-Schrader-Sexarbeit-Feministische-Perspektiven
Und hier geht es zu der Stu­die über die Aus­wir­kun­gen des Schwe­di­schen Modells in Frank­reich. Es geht  um einen Ver­gleich zwi­schen der Eva­lua­ti­on des Modells von der fran­zö­si­schen Regie­rung und der Eva­lua­ti­on von Sex­ar­beits­or­ga­ni­sa­tio­nen  und ihren Ver­bün­de­ten mit der wich­ti­gen Beob­ach­tung, dass este­re haupt­säch­lich die Umset­zung des Modells begut­ach­tet wäh­rend letz­te­re die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen des Modells auf das Leben von Sex­ar­bei­ten­den beleuch­tet… https://strass-syndicat.org/wp-content/uploads/2021/03/Synthese_rapports_evaluation_loi_prostit ution_2016.pdf
Das Insti­tut für Men­schen­rech­te: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/prostitution-und-sexkaufverbot
Die SPD Schles­wig Hol­stein bezieht auch ganz klar Stel­lung: https://www.spd-schleswig-holstein.de/2019/11/08/wir-lehnen-das-nordische-modell-ab/
Die Lin­ke hat auch ganz kla­re Vor­stel­lun­gen: https://www.linksfraktion.de/themen/a‑z/detailansicht/prostitution/
Die Dia­ko­nie Deit­sch­land hat ein Posi­ti­ons­pa­pier her­aus­ge­ge­ben in Zusam­men­ar­beit mit: Deut­sche Aids­hil­fe e.V. — Deut­scher Frau­en­rat e.V. — Deut­scher Juris­tin­nen­bund e.V.- Dia­ko­nie Deutsch­land – Evan­ge­li­sches Werk für Dia­ko­nie und Ent­wick­lung e.V. ‑Dort­mun­der Mit­ter­nachts­mis­si­on e.V. – Bera­tungs­stel­le fr Pro­sti­tu­ier­te, Ehe­ma­li­ge und Opfer von Men­schen­han­del — con­tra e.V. Kiel – Fach­stel­le gegen Frau­en­han­del in Schles­wig-Hol­stein https://www.diakonie.de/pressemeldungen/die-fachwelt-warnt-vor-einem-sexkaufverbot/
Amnes­ty Inter­na­tio­nal Stu­die
Nor­way: The human cost of ‘crus­hing’ the mar­ket: Cri­mi­na­liza­ti­on of sex work in Nor­way

Men­schen­han­del heu­te: https://menschenhandelheute.net/2014/07/01/prostitution-und-menschenhandel-1-die-wahrheit-ub er-das-nor­di­sche-und-schwe­di­sche-model­l/amp/
Bun­des­wei­ter Koor­di­nie­rungs­kreis gegen Men­schen­han­del: https://www.kok-gegen-menschenhandel.de/weitere-themen/prostitution/
Das HIV  Maga­zin der deutshen AIDS Hil­fe: https://magazin.hiv/magazin/gesellschaft-kultur/finger-weg-vom-sexkauf-verbot/  
Fach­ta­gung im Herbst 2019 https://www.kaufmich.com/magazin/fachtag-ueber-sexarbeit-sexkaufverbot-und-menschenhandel‑i n‑berlin/
Ärz­te gegen Ille­ga­li­sie­rung https://dstig.de/aktuellespressekalender/142-pm-zur-prostitutionsdebatte.html
Stu­die von Mede­ci­ne du Mon­de, Ärz­te aus Frank­reich https://www.medecinsdumonde.org/en/actualites/publications/2018/04/12/study-impact-law-13-apr il-2016-against-pro­sti­tu­ti­on-sys­tem-france
20 Jah­re schwe­di­sches Modell, Bericht des Sexarbeiter*innen Kon­gress 2019 http://www.sexworkeurope.org/news/news-region/sex-workers-protest-stockholm-and-launch-repo rt-20-years-swe­dish-model-first
Schwe­di­sches Modell, eine Betrof­fe­ne erzählt

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Die ARTE Doku­men­ta­ti­on über Schwe­den “Wo Sex­ar­bei­ter kei­ne Rech­te haben”

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Hier die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der umstrit­te­nen und ver­al­te­ten Far­ley Stu­die, die von Sexarbeitsgegner:innen so ger­ne ins Feld geführt wird: https://www.donacarmen.de/melissa-farley-eine-hochstaplerin-zu-gast-auf-mainzer-abolitionisten‑t reffen/  
Die Kol­le­gin Eva Han­son hat einen tol­len Arti­kel dazu ver­fasst: https://evahanson.de/2020/06/05/kein-sexkaufverbot-in-deutschland-warum-prostitutions-gesetze- uns-alle-ange­hen-teil-1-von­‑4/
Und eine gan­ze Web­site zu dem The­ma von einer ande­ren tol­len Kol­le­gin: https://nonordicmodel.com/
Und last, but not least ein recht wüten­der, aber sehr ehr­li­cher Arti­kel der auch die „Besorg­nis“ so man­chen Bür­gers mal klar unter die Lupe nimmt:
Das Schwei­gen der Aboli­tio­nis­tIn­nen