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Erschütternde Mängel aufgedeckt: Gefälschte Freier-Zitate in Farley-Studie

Erschütternde Mängel aufgedeckt: Gefälschte Freier-Zitate in Farley-Studie

Erschütternde Mängel aufgedeckt: Gefälschte Freier-Zitate in Farley-Studie
Pres­se­mit­tei­lung des Berufs­ver­ban­des ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen vom 20.03.2024 (PDF-Ver­si­on).
Mitt­woch, 20. März 2024. Der Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen (BesD e.V.) und der Ver­ein für die sozia­len und poli­ti­schen Rech­te von Pro­sti­tu­ier­ten „Doña Car­men“ haben die von der US-Wis­sen­schaft­le­rin Melis­sa Far­ley im Novem­ber 2022 auf einer Bun­des­pres­se­kon­fe­renz in Ber­lin vor­ge­stell­te Stu­die „Män­ner in Deutsch­land, die für Sex zah­len“ gründ­lich unter die Lupe genom­men. Nun haben die bei­den Ver­bän­de die nie­der­schmet­tern­den Ergeb­nis­se ihrer Ana­ly­se in einer 53-sei­ti­gen Stel­lung­nah­me ver­öf­fent­licht.

Die Farley-Studie wird regelmäßig als Begründung für ein Sexkaufverbot in Deutschland herangezogen. Insbesondere die darin genannten „Freier-Zitate“ dienen Prostitutionsgegner*innen immer wieder als Beleg für die angeblichen kriminellen Neigungen von Sexkäufern.

In der Ana­ly­se wird jedoch sicht­bar, dass wis­sen­schaft­li­che Stan­dards im Rah­men der Stu­die beharr­lich und sys­te­ma­tisch miss­ach­tet wur­den.  
  • Die geringe Zahl der interviewten Freier

    96 Män­ner, die zudem nur aus zwei süd­deut­schen Städ­ten – Mün­chen und Karls­ru­he – stam­men, las­sen kei­ne Ver­all­ge­mei­ne­rung auf Frei­er in ganz Deutsch­land zu.
  • Die Interviews von Farley und ihren Mitautorinnen wurden weder per Tonaufnahme aufgezeichnet noch anschließend transkribiert.

    „Ich bin erschüt­tert über die Inter­view­me­tho­den“, sagt Johan­na Weber, poli­ti­sche Spre­che­rin des BesD. „Pro­sti­tu­ti­ons­geg­ne­rin­nen befra­gen Frei­er und schrei­ben die Inhal­te dann spä­ter aus dem Gedächt­nis auf.“ 
  • Viele der “Freier-Zitate” stammen aus Studien anderer Länder und wurden deutschen Kunden in den Mund gelegt (Punkt 19 der Analyse).

    Was Leser*innen der Stu­die als mit Anfüh­rungs­zei­chen ver­se­he­ne Ori­gi­nal-Aus­sa­gen der Frei­er anse­hen, erweist sich als von Far­ley und ihren Mit­ar­bei­te­rin­nen selbst ver­fass­te Kon­struk­te.  Bei­spiel aus Far­leys deut­scher Frei­er-Stu­die von 2022: „Sie ist nur ein bio­lo­gi­sches Objekt…das für sei­ne Diens­te Geld nimmt.“ „Es ist wie eine Tas­se Kaf­fee, die man weg­wirft, wenn man sie aus­ge­trun­ken hat.“ Aus Far­leys Bos­to­ner Frei­er-Stu­die von 2011: “She is just a bio­lo­gi­cal object that char­ges for ser­vices.“ “Being with a pro­sti­tu­te is like having a cup of cof­fee, when you’re done, you throw it out”.
  • Die Rolle der Straßenprostitution in Deutschland wird überbewertet.

    Anders als von Far­ley dar­ge­stellt fin­det Pro­sti­tu­ti­on in Deutsch­land kei­nes­wegs vor­ran­gig auf der Stra­ße statt. Zu die­sem Ergeb­nis kam auch eine Aus­wer­tung der Stu­die „Gesund­heit und Sexua­li­tät in Deutsch­land“ im Auf­trag der Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung und des Ham­bur­ger Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Eppen­dorf aus dem Jahr 2022, wonach 78,6 Pro­zent der befrag­ten Män­ner Bezahl­sex im Bor­dell hat­ten. „In den Köp­fen vie­ler Men­schen herrscht die Vor­stel­lung, dass die Pro­sti­tu­ti­on haupt­säch­lich auf dem Stra­ßen­strich statt­fin­det“, sagt Weber. „Dass es sich aber nur um weni­ger als 10 Pro­zent  des Gesamt­mark­tes han­delt, ist den meis­ten nicht klar.“
„Es ist erstaun­lich, wie eine so unse­ri­ös arbei­ten­de For­sche­rin wie Far­ley immer noch vie­len als Exper­tin für Pro­sti­tu­ti­on gel­ten kann“, kri­ti­siert Ger­hard Walen­to­witz von der Bera­tungs­stel­le Doña Car­men in Frank­furt am Main.  Das gel­te vor allem für die The­se Far­leys, dass Sexkäu­fer gene­rell gewalt­be­rei­ter sei­en und zu Straf­ta­ten neig­ten. „Die Vor­stel­lung von Sexkäu­fern als ein­heit­li­che gewalt­a­ffi­ne Grup­pe ist eine poli­tisch moti­vier­te Fik­ti­on. Vie­le wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en tei­len die­se Sicht­wei­se nicht. Sie kom­men zu ande­ren, dif­fe­ren­zier­te­ren Ergeb­nis­sen.”, so Walen­to­witz. Den­noch wird gera­de die­se Stu­die  immer wie­der als Begrün­dung für eine Ver­schär­fung der Gesetz­ge­bung in Deutsch­land ange­führt. Auch die For­de­rung der CDU/CDU nach einem Sexkauf­ver­bot fußt unter ande­rem auf den Aus­sa­gen aus Far­leys Stu­die.

Die komplette Analyse HIER ZUM DOWNLOAD: „Alternative Fakten — Kritischer Kommentar zu Melissa Farleys ‚Männer in Deutschland, die für Sex zahlen‘“ https://www.berufsverband-sexarbeit.de/wp-content/uploads/2024/03/ALTERNATIVE-FAKTEN_Freierstudie_Farley.pdf

UPDATE | Doña Carmen hat den Text ins Englische übersetzen lassen um auch international auf die Fehler in der in vier Sprachen übersetzte Studie von Farley aufmerksam machen zu können:

Alternative Facts — Critical commentary on Melissa Farley’s “Men who pay for sex in Germany”

 

NEU: Über 50 Freier als Ansprechpartner für Presse und Forschung

Der BesD will die große schweigende Menge der Sexarbeitskundschaft in die öffentliche Debatte bringen. Schon jetzt stehen über 50 Personen für Anfragen bereit, die verschiedenste Sparten der Sexarbeit nutzen. Anfragen an: Kolja-André Nolte | | 015 777 555 040


  Über den BesD | www.berufsverband-sexarbeit.de Der Berufs­ver­band für ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen wur­de 2013 von und für Sexarbeiter*innen gegrün­det – mit fast ein­tau­send Mit­glie­dern ist der BesD e. V. der größ­te Sex­wor­ker-Ver­bund Euro­pas. Zie­le sind die Ver­bes­se­rung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen in der Sex­ar­beit sowie die Bekämp­fung von Miss­stän­den. Ansprech­part­ne­rin: Johan­na Weber, poli­ti­sche Spre­che­rin BesD e.V. Mail: — Tel.: 0151 – 1751 9771 Über Doña Car­men | www.donacarmen.de Der Ver­ein setzt sich für die sozia­len und poli­ti­schen Rech­te von Frau­en ein, die in der Pro­sti­tu­ti­on arbei­ten. Die Orga­ni­sa­ti­on hat ihren Sitz im Rot­licht­mi­lieu von Frank­furt am Main (Deutsch­land). Doña Car­men exis­tiert seit 1998 und ist als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein aner­kannt. Ansprech­part­ne­rin: Jua­ni­ta Hen­ning Mail: donacarmen@t‑online.de – Tel.:  069 7675 2880