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2. Juni: Hurentag

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Alternative Fakten: Wie Sexkaufgegner*innen mit Gerüchten Stimmung gegen Prostitution machen

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Pres­se­mit­tei­lung des Berufs­ver­ban­des ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen vom 11.06.2024 (PDF-Ver­si­on). 
Diens­tag, 11. Juni 2024.  Mit der War­nung vor Zwangs­pro­sti­tu­ti­on im Rah­men der Euro­pa­meis­ter­schaft 2024 wird eine der erfolg­reichs­ten Falsch­mel­dun­gen zum The­ma Sex­ar­beit auf­ge­wärmt. Fuß­ball­tou­ris­mus wird mit sexu­el­ler Aus­beu­tung von Frau­en ver­knüpft — obwohl erneut jeg­li­che Nach­wei­se für einen Zusam­men­hang feh­len. Gebets­müh­len­ar­tig spre­chen Sexkaufgegner*innen in den Medi­en immer wie­der von “neun­zig Pro­zent Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten” oder behaup­ten, dass “9 von 10 Frau­en” nicht “frei­wil­lig” der Sex­ar­beit nach­ge­hen. Und das, obwohl weder belast­ba­re Zah­len zur Anzahl der in Deutsch­land der Sex­ar­beit nach­ge­hen­den Per­so­nen exis­tie­ren, noch Dun­kel­feld­stu­di­en zum Straf­tat­be­stand der Zwangs­pro­sti­tu­ti­on. Sex­ar­bei­ten­de und ande­re in der Bran­che täti­ge Men­schen wer­den wie­der­holt von Sexkaufgegner*innen dif­fa­miert und ver­leum­det — wie zuletzt die Ver­ur­tei­lung im Fall Leni Brey­mai­er ver­sus Bor­dell­be­trei­ber John Heer von 28.03.2024 gezeigt hat. Kön­nen Behaup­tun­gen, wenn sie nur oft genug in den Medi­en wie­der­holt wer­den, zu Wahr­hei­ten wer­den? Wenn es um die Pro­sti­tu­ti­ons­de­bat­te in Deutsch­land geht, ist die Ant­wort: lei­der ja.

Ein Gerücht nimmt seinen Lauf: Fußball-EM 2024 wärmt alte Falschmeldungen auf

„Wäh­rend der Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft in Deutsch­land ist mit einer Zunah­me von Zwangs­pro­sti­tu­ti­on zu rech­nen“ – so zitiert die Evan­ge­li­sche Nach­rich­ten­agen­tur IDEA den „Bun­des­ver­band Nor­di­sches Modell“ am 23. April 2024. Am 31. Mai ruft ein Text in der Ber­li­ner Zei­tung dazu auf, im Rah­men der EM “das Schwei­ge­kar­tell zu zer­schla­gen“ und „Frei­er anzu­zei­gen“. Am 8. Juni pos­tet der 1,6 Mil­lio­nen star­ke Insta­gram-Account des ZDF eine Mel­dung, die über 15.000 Likes erhält: Dar­in wird die SPD-Fami­li­en­po­li­ti­ke­rin Leni Brey­mai­er zitiert, die von “noch mehr Zwangs­pro­sti­tu­ti­on” auf­grund der EM sowie “Benut­zung von Frau­en” und dem “Kau­fen von Frau­en in  Deutsch­land” spricht. Eben­falls zitiert wird Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Doro­thee Bär mit der Behaup­tung, dass “Frau­en dafür zu tau­sen­den aus den ärms­ten Län­dern an die Aus­tra­gungs­or­te in Deutsch­land” gebracht wer­den. Auch sie spricht davon, “Frau­en zur Benut­zung aus­zu­wäh­len”.

Die angeblichen 40.000 Opfer der Fußball-WM 2006

2005, im Jahr des WM-Fie­bers, tauch­te die Mel­dung auf: “30.000 bis 40.000 Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten“ soll­ten angeb­lich nach Deutsch­land geschleust wer­den, um dort „den Fans zu Diens­ten zu sein”. Für deut­sche und inter­na­tio­na­le Medi­en war das The­ma ein gefun­de­nes Fres­sen. Selbst in den USA schrieb man über die „Frau­en und Kin­der die nach Deutsch­land gebracht wer­den (…) (für) käuf­li­chen Sex in Mega-Bor­dells, Ver­rich­tungs­bo­xen … sowie gro­ßen Unter­grund-Netz­wer­ken, die in Deutsch­land exis­tie­ren“. Fakt ist: Weder vor noch nach der Welt­meis­ter­schaft 2006 fand eine nen­nens­wer­te Zunah­me von Men­schen­han­del in Deutsch­land statt. Die „40.000 Opfer“ gab es schlicht nicht. Sex­ar­bei­te­rin Undi­ne de Riviè­re erin­nert sich an die WM-Zeit und die Zei­tungs­mel­dun­gen noch all­zu gut: “Ich saß damals mit Kol­le­gin­nen im Bor­dell und wir war­te­ten auf die ange­kün­dig­ten Mas­sen an Sex­tou­ris­ten. Lei­der muss­ten wir am Ende der WM die Bilanz zie­hen, dass der Ansturm völ­lig aus­ge­blie­ben war.” Der Deutsch­land­funk rekon­stru­ier­te 10 Jah­re spä­ter (!) die Ver­brei­tung des Gerüchts. Die Spur führ­te zu einer klei­nen Pres­se­kon­fe­renz und spe­ku­la­ti­ven Aus­sa­gen der frü­he­ren Bre­mer Lan­des­be­auf­trag­ten Ulri­ke Hauf­fe, die von der dpa über­nom­men wur­den. Recher­chiert man Aus­sa­gen Hauf­fes rund um das The­ma Sex­ar­beit, wird klar, dass sie zu jenem Per­so­nen­kreis gehört, in dem der Unter­schied zwi­schen Pro­sti­tu­ti­on und Zwangs­pro­sti­tu­ti­on als rei­ne Spitz­fin­dig­keit gilt. Sie hat­te die Zah­len wie­der­um angeb­lich von einer Arbeits­grup­pe, die die­se angeb­lich vom BKA hat­te, wo das demen­tiert wird. Das ers­te Mal expli­zit von „40.000 Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten“ schrieb dann die radi­kal sex­ar­beits-feind­li­che Zeit­schrift EMMA im Dezem­ber 2005. Aus dem Arti­kel des Deutsch­land­funk:  „Jeder der Betei­lig­ten strickt ein biss­chen am Gerücht mit: Erst heißt es, durch die WM wür­de Pro­sti­tu­ti­on zuneh­men – was durch­aus sein kann. Dann taucht eine vage Zahl auf. Sie wird immer wei­ter­ge­reicht, irgend­wann wird sie kon­kret: 40.000. Dann wer­den aus den frei­wil­li­gen Sex-Arbei­tern Zwangs­pro­sti­tu­ier­te. Man biegt sich die Wirk­lich­keit zurecht, damit sie sich zu einem sinn­vol­len Gesamt­bild zusam­men­setzt.
Ihre Ansprech­per­so­nen: Johan­na Weber, poli­ti­sche Spre­che­rin BesD e.V. 0151 – 1751 9771 Kol­ja-André Nol­te, Pres­se­spre­cher +49 1577 7555040