roterstoeckelschuh.de
Der rote Stöckelschuh ist ein Projekt zur Förderung sexarbeitsfreundlicher Gesundheitsversorgung. Es sensibilisiert und informiert Ärzt*innen für die Behandlung von Patient*innen in der Sexarbeit. Entsprechende Praxen und Einrichtungen werden Sexarbeitenden gezielt vermittelt und dürfen sich durch eine Plakette, die einen roten Stöckelschuh zeigt, kenntlich machen. Diese Arbeit ist so wichtig, wie nötig. Denn leider ist es für Menschen in der Sexarbeit keine Normalität, eine angemessene und würdige medizinische Versorgung zu erhalten. Für einige Bereiche der Gesundheitsversorgung ist es notwendig, sich vor seinen Ärzt*innen als Sexarbeiter*in zu outen. Das führt leider oftmals zu einer der folgenden Reaktionen:
- Die Tätigkeit wird verurteilt und die Patientenperson wird in ihren oder seinen intimsten und verletzlichsten Momenten mit Schuldvorwürfen und Abwertungen konfrontiert. ( z.B.: Der Patientenperson wird die Schuld an der Erkrankung zugesprochen und ihr Schmerz als verdiente Folge eines moralisch verwerflichen Lebendwandels dargestellt )
- Stigmatisierung und Viktimisierung führen dazu, dass behandelnde Ärzt*innen dagegen arbeiten, dass die Patientenperson ihren Job weiter ausüben kann. ( z.B.: Retter-Syndrom sabotiert die Unterstützung zur sicheren Sexarbeit )
- Die Behandlung berücksichtigt aus Uninformiertheit und Unsensibilisiertheit der behandelnden Ärzt*innen nicht die speziellen Bedürfnisse einer Person in der Sexarbeit und ist somit nicht optimal oder ausreichend für ihre gesundheitliche Versorgung. (z.B. Kostenübername aller Impfungen und STI-Tests im Sinne der. Sonderfallregelung)
- Die Patientenperson in der Sexarbeit outet sich aus Angst vor Diskriminierung nicht als Sexarbeiter*in und erhält keine angemessene Behandlung ( z.B.: Sexarbeitenden Patientenpersonen die wirklich weiterführende Hilfe brauchen werden entsprechende Stellen nicht emfohlen )

Mit diesen und weiteren Probleme sehen sich Sexarbeitende leider oft konfrontiert, wenn sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Aber nicht in einer Praxis, die den roten Schuh vorweisen kann. Ist der Rote Stöckelschuh an der Tür, bedeutet das:
- Hier wird freundlich mit Sexarbeiter*innen umgegangen.
- Hier muss niemand Angst vor Ablehnung wegen des Berufs haben.
- Hier kann sich ohne Gefahr als Sexarbeiter*in geoutet werden.
In der Kartei des Roten Stöckelschuhs befinden sich Beratungsstellen, Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen, Gesundheitsdienste und weitere Adressen, an denen es wichtig und hilfreich ist, offen über die Tätigkeit in der Sexarbeit sprechen zu können.
Aus Angst vor Ablehnung und Diskriminierung sprechen einige Sexarbeiter*innen oft nicht mal in ihrem engsten sozialen Umfeld – zum Beispiel mit Freund*innen oder Familienangehörigen – offen über ihre Tätigkeit. Wenn Sexarbeiter*innen beispielsweise Ärzt*innen aufsuchen, ist es für sie schwierig abzuschätzen, wie diese bei einem Outing auf ihre Tätigkeit reagieren. Treffen sie auf abschätzige Blicke? Werden unangemessene Fragen gestellt? Werden sie als Patient*innen ernst genommen? Erhalten sie die Informationen, die sie sich wünschen und die wichtig für sie sind?
Offen sprechen zu können und dabei einen wertschätzenden Umgang und Beratung zu erfahren, sind wichtige Voraussetzungen für eine gute Beratung und/oder Behandlung – das gilt auch und besonders für die hoch stigmatisierte Berufsgruppe der Sexarbeiter*innen. Nur wenn vertrauensvoll und offen gesprochen werden kann, können gesundheitliche und soziale Bedarfe, Risiken und Ressourcen aus fachlicher Perspektive differenziert abgeschätzt und ihnen begegnet werden. So können die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter*innen verbessert und ihre soziale, physische und psychische Gesundheit gefördert werden.
Harm-Reduction, Rechte stärken, Entkriminalisierung
Ziel des Projekts Roter Stöckelschuh ist es, Barrieren in der Versorgungslandschaft für Sexarbeiter*innen abzubauen. Der Rote Stöckelschuh steht für Vertrauen, Respekt und Akzeptanz und soll die berufliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Sexarbeiter*innen fördern. Das Projekt und dessen Mitwirkende eint eine differenzierte, nicht-wertende Sicht auf Sexarbeit und Sexarbeiter*innen. Wir lehnen die Kriminalisierung von Sexarbeit ab und stehen mit unserer Arbeit für einen Ansatz der Harm Reduction sowie einer Stärkung der Rechte und Ressourcen von Sexarbeiter*innen als Präventionsansatz. Wir vertreten folgende Überzeugungen:
- Sexarbeit ist Arbeit. Sexarbeiter*innen sollen als Erwerbstätige bzw. Selbstständige anerkannt werden.
- Sexarbeit ist divers. Die unterschiedlichsten Menschen gehen aus unterschiedlichen Gründen der Sexarbeit nach, unabhängig von Alter, sozialer Klasse, Herkunft, geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung, Körper, Glauben, politischer Überzeugung, Bildungs- oder Familienstand.
- Darüber, ob und wie Sexarbeit stattfindet, entscheiden Sexarbeiter*innen nur selbst. Kein anderer Mensch hat ein Recht auf einen Eingriff in diese körperliche und sexuelle Selbstbestimmung.
- Sexarbeiter*innen verdienen Respekt, Wertschätzung und Professionalität, wenn sie Dienstleistungen Dritter in Anspruch nehmen.
- Sexarbeiter*innen verdienen einen Umgang, der frei ist von Gewalt, Verachtung, Abwertung und Vorurteilen.
- Sexarbeiter*innen dürfen einen besonders sensiblen und transparenten Umgang mit ihren persönlichen Daten erwarten.
- Sexarbeiter*innen wollen nicht auf ihre Arbeit reduziert werden. Sie haben vielfältige und unterschiedlichst begründete Anliegen und Probleme, wie andere Menschen auch.
Adressen, die in der Datenbank des Roten Stöckelschuhs gelistet werden, wurden entweder direkt von Sexarbeiter*innen empfohlen oder erkennen diese Punkte an und unterstützen sie.




