B.. e.. s.. D.. ?!
Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen, kurz BesD e.V., ist die bundesweite Interessenvertretung aller Sexarbeitenden in Deutschland. Gegründet 2013 in Köln von Sexarbeiter*innen für Sexarbeiter*innen. Wir kämpfen für Rechte statt Verbote, Aufklärung statt Stigmatisierung und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in der Sexarbeit.
Wer wir sind
Mit über 1000 Mitgliedern sind wir heute der europaweit größte Zusammenschluss, der ausschließlich von Sexarbeiter*innen organisiert und geführt wird.
Im BesD engagieren sich Kolleg*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Sexarbeit: von Escort, Bordell- und Straßenarbeit über BDSM, Tantra und Sexualassistenz bis hin zu Webcam und Pornoproduktion. Uns verbindet, dass wir unsere Arbeit selbstbestimmt ausüben wollen und die Bedingungen in unserer Branche aktiv mitgestalten.
Unsere Geschichte
Der BesD entstand 2013 in einem politisch aufgeheizten Klima: Kampagnen wie Alice Schwarzers PorNO-Initiative prägten ein Bild von Sexarbeit, in dem kaum zwischen freiwilliger Arbeit, Ausbeutung und Menschenhandel unterschieden wurde.
Der EMMA‑„Appell gegen Prostitution” forderte ein Verbot von Prostitution nach dem „Nordischen Modell“ und bekam große mediale Aufmerksamkeit. Während in Talkshows und Leitmedien über Prostitution diskutiert wurde, kamen Sexarbeiter*innen dabei selbst kaum zu Wort.
Am 13. Oktober 2013 gründete eine kleine Gruppe von Sexarbeiterinnen in Köln den BesD als selbstorganisierte Antwort auf diese Zustände. Gründungsmitglied Johanna Weber brachte es damals auf den Punkt: „Viel zu lange wurde über uns, aber nicht mit uns gesprochen. Es wird Zeit, dass wir uns von Entscheidungen, die uns betreffen, nicht länger ausschließen lassen!“
Was wir wollen
Wir kämpfen vorwiegend ehrenamtlich für politische Rahmenbedingungen, die Sicherheit, Selbstbestimmung und faire Arbeitsrechte in der Sexarbeit gewährleisten. Unser Ziel ist es, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter*innen zu verbessern, Diskriminierung abzubauen und der Kriminalisierung von Menschen in der Sexarbeit entgegenzuwirken. Wir setzen uns dafür ein, dass Sexarbeit rechtlich und gesellschaftlich wie andere Berufe anerkannt wird – mit Rechten, Schutz und echter Mitbestimmung statt Sondergesetzen und Stigmatisierung.
Dazu gehört für uns auch, ein realistisches Bild von Sexarbeit zu zeigen: Wir sprechen über die Vielfalt von Arbeitsorten, Angeboten und Lebensrealitäten und treten platten Klischees, rettungsorientierten Debatten und dem sogenannten „Nordischen Modell“ entschieden entgegen. Missstände wie Ausbeutung, Gewalt und Menschenhandel wollen wir bekämpfen – aber mit wirksamen, praxisnahen Lösungen und besseren Rechten, nicht mit Verboten.
Was wir machen
Wir bringen die Perspektiven von Sexarbeitenden dorthin, wo über Sexarbeit entschieden und gesprochen wird. Unsere Arbeit umfasst unter anderem:
Politische Interessenvertretung:
Wir nehmen an Anhörungen und Fachrunden teil, verfassen Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben und suchen den direkten Austausch mit politischen Entscheidungsträger*innen auf Bundes- und Länderebene.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Wir machen Pressearbeit, geben Interviews, schreiben Gastbeiträge und verschicken Pressemitteilungen; unsere Mitglieder halten Vorträge, organisieren Veranstaltungen und sind aktiv in sozialen Medien, um ein realistisches Bild von Sexarbeit sichtbar zu machen und Vorurteile abzubauen.
Angebote für Sexarbeitende:
Wir organisieren Workshops „sexworker only“, Stammtische und Online-Austauschformate, in denen Wissen geteilt, Erfahrungen besprochen und gegenseitige Unterstützung möglich wird.
Vernetzung und Bündnisse:
Wir arbeiten mit Beratungsstellen, anderen Sexworker-Organisationen und nationalen Netzwerken wie bufas zusammen und sind Teil internationaler Sexworker-Netzwerke wie NSWP, ICRSE und TAMPEP, um Kräfte zu bündeln und gemeinsame Strategien zu entwickeln.
Fachwissen und Handreichungen:
Wir bringen unsere Expertise in Studien, Leitfäden und Handreichungen ein, wirken an Fachtagungen und Fortbildungen mit und und machen deutlich, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten von Sexarbeitenden sind.
Wie wir arbeiten
Von Anfang an war klar: Der BesD sollte ein Verband von und für Sexarbeitende sein – selbstorganisiert und solidarisch.
Diese Grundidee prägt unsere Arbeit bis heute: Wir arbeiten überwiegend ehrenamtlich, der Großteil unserer Projekte, Kampagnen und Angebote wird von engagierten Mitgliedern getragen, unterstützt durch ein kleines Team von Teilzeitangestellten und projektbezogenen Honorarkräften.
Finanziert wird der Verband ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Fördermittel und Spenden – insbesondere regelmäßige Spenden sichern dabei unsere Handlungsfähigkeit.
Wer bei uns mitentscheiden kann
Mitglieder des BesD können ausschließlich aktive oder ehemalige Sexarbeiter*innen werden. Sie bestimmen in der Mitgliederversammlung die Linie des Verbands, wählen den Vorstand und entwickeln in Arbeitsgruppen Projekte und Positionen weiter.
Der BesD ist eine Selbstvertretung von Sexarbeitenden. Betreiberverbände wie der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD) verfolgen teilweise ähnliche Ziele, sind aber unabhängige Akteur*innen.
Menschen, die Bordell- oder Prostitutionsstätten betreiben, können nur dann Mitglied werden, wenn sie selbst als Sexarbeiter*in tätig sind oder in der Vergangenheit waren; ihr Anteil liegt deutlich unter zehn Prozent.
Vorstandsmitglieder werden von der Mitgliederversammlung gewählt und handeln für die Dauer ihres Amts im Auftrag der Mitglieder, um die beschlossenen Verbands-Ziele und Positionen umzusetzen. Darüber hinaus engagieren sich Mitglieder ehrenamtlich in AGs, als Beiräte, in Ortsgruppen oder Projektteams.
Aufgaben können von allen Mitgliedern übernommen werden, die Zeit, Erfahrung und Lust haben, Verantwortung zu tragen. So können sich alle dort einbringen, wo ihre Erfahrungen und Ressourcen am besten passen – von politischer Facharbeit über Medienarbeit bis hin zu Peer-Support und Veranstaltungsorganisation.




