Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Sexworker appellieren an Politik: Hören Sie auf die Wissenschaft, nicht auf Schlagworte!

Sexworker appellieren an Politik: Hören Sie auf die Wissenschaft, nicht auf Schlagworte!

Sexworker appellieren an Politik: Hören Sie auf die Wissenschaft, nicht auf Schlagworte!
Ein offe­ner Brief eines unse­rer Mit­glie­der an die Poli­ti­ke­rin­nen, die der­zeit für das nor­di­sche Modell für Deutsch­land trom­meln — dem Ver­bot des Kaufs von sexu­el­len Dienst­leis­tun­gen zwi­schen dazu ein­wil­li­gen­den Erwach­se­nen.
Sehr geehr­te Frau Bun­des­mi­nis­te­rin War­ken, Sehr geehr­te Frau Bun­des­tags­prä­si­den­tin Klöck­ner, als Mit­glied des Comi­té Pro­sti­tu­ti­on, das die Luxem­bur­ger Regie­rung zu Fra­gen der Sex­ar­beit berät, sowie als Sozi­al­wis­sen­schaft­ler, der seit Jah­ren mit Forscher*innen, Bera­tungs­stel­len und Betrof­fe­nen spricht, bit­te ich Sie ein­dring­lich: Stüt­zen Sie poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen zur Pro­sti­tu­ti­on auf robus­te Evi­denz — nicht auf mora­li­sche Schlag­wor­te. Ihre jüngs­ten Aus­sa­gen zum Sexkauf­ver­bot klin­gen ent­schlos­sen, aber die bes­te ver­füg­ba­re For­schung spricht klar gegen soge­nann­te „End-Demand“-Ansätze und für Ent­kri­mi­na­li­sie­rung als Schutz- und Gesund­heits­stra­te­gie.

📌Evaluierte Realität in Irland und Nordirland

Die offi­zi­el­le Eva­lu­ie­rung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums in Nord­ir­land (2019) fand kei­nen Nach­weis dafür, dass die Kri­mi­na­li­sie­rung der Käu­fer die Nach­fra­ge senkt. Gleich­zei­tig zeig­ten sich Risi­ken: stär­ke­re Stig­ma­ti­sie­rung, Ver­la­ge­rung in unsi­che­re Set­tings, schwie­ri­ge Durch­setz­bar­keit. Kurz gesagt: Die ver­spro­che­ne Wir­kung bleibt aus, die Neben­wir­kun­gen tref­fen die Betrof­fe­nen.  

📌 Kanada: dokumentierte Schäden seit PCEPA (2014)

Peer-review­te Public-Health-For­schung aus Van­cou­ver und natio­na­le Ana­ly­sen zei­gen nach der Kri­mi­na­li­sie­rung der Klient*innen kon­sis­tent: wenn Kund­schaft kri­mi­na­li­siert wird, sinkt die Sicher­heit. Sexarbeiter*innen haben weni­ger Zeit zum Scree­ning, gerin­ge­re Ver­hand­lungs­macht, erschwer­te Kond­om­nut­zung, erle­ben mehr Gewalt und schlech­te­re Zugän­ge zu Schutz und Gesund­heit. Der Jus­tiz­aus­schuss des kana­di­schen Unter­hau­ses emp­fahl 202223 fol­ge­rich­tig eine Kurs­kor­rek­tur, weil PCEPA Sex­ar­bei­te­rin­nen nach­weis­lich scha­det.  

📌 Internationale Fachgremien: Entkriminalisierung schützt

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) und Part­ner­pro­gram­me wie UNAIDS emp­feh­len seit Jah­ren die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung ein­ver­nehm­li­cher Sex­ar­beit. Kri­mi­na­li­sie­rung unter­gräbt Sicher­heit, Gesund­heit und Rech­te; Model­lie­run­gen zei­gen sub­stan­zi­el­le Vor­tei­le für Prä­ven­ti­on und Ver­sor­gung. Amnes­ty Inter­na­tio­nal beschloss 2016 nach glo­ba­ler Evi­denz­prü­fung die­sel­be Linie. Die­se Emp­feh­lun­gen schlie­ßen kon­se­quen­te Maß­nah­men gegen Zwang, Kin­der- und Men­schen­han­del aus­drück­lich ein — aber ohne pau­scha­le Kri­mi­na­li­sie­rung ein­ver­nehm­li­cher Arbeit.  

📌 Sprache und Stigma

Stig­ma­ti­sie­ren­de Rhe­to­rik treibt die Arbeit in ver­steck­te, ris­kan­te­re Umge­bun­gen – genau dort, wo Kon­trol­le, Prä­ven­ti­on und Opfer­schutz am schlech­tes­ten grei­fen. Bit­te set­zen Sie ein ande­res Signal: Rech­te stär­ken, Bar­rie­ren abbau­en, evi­denz­ba­sier­te Maß­nah­men finan­zie­ren. Aus­sa­gen wie „Bor­dell Euro­pas“ ver­fäl­schen das Pro­blem und erschwe­ren Ver­trau­en in Poli­zei und Hilfs­struk­tu­ren.  

📌 Stimmen aus Forschung und Praxis

Ich habe in den letz­ten Mona­ten mit Wissenschaftler*innen und Men­schen gespro­chen, die jeden Tag mit Sex­ar­bei­te­rin­nen arbei­ten. (Quel­le: forum_story „Sex­ar­beit in Luxem­burg“) Ange­la Jones (USA), Soziolog*in, unter­sucht seit Jah­ren empi­risch, wie sich Kri­mi­na­li­sie­rung der Nach­fra­ge aus­wirkt: „Sex­ar­beit wird dadurch nicht siche­rer. Kund*innen zie­hen sich zurück, tref­fen sich schnel­ler, an abge­le­ge­ne­ren Orten — Sex­ar­bei­te­rin­nen ver­lie­ren die Mög­lich­keit, Men­schen ein­zu­schät­zen oder Kon­do­me durch­zu­set­zen.“ Das Risi­ko von Gewalt, Betrug und Erpres­sung steigt. Wíner Ramí­rez Díaz, Sozi­al­ar­bei­ter in Paris, sieht seit Ein­füh­rung des Nor­di­schen Modells in Frank­reich genau das: „Die Arbeit ver­schwin­det aus dem öffent­li­chen Raum, aber nicht aus der Rea­li­tät. Sie wird unsicht­ba­rer — und unsicht­ba­rer heißt ver­letz­li­cher.“ Men­schen ver­lie­ren Sicher­heit, Wohn­raum und Zugang zu Gesund­heits­ver­sor­gung, weil jede Spur ihrer Arbeit kri­mi­na­li­sier­bar bleibt – wenn auch nur indi­rekt. Salo­mé Lan­nier, Juris­tin und frü­he­re Befür­wor­te­rin des Nor­di­schen Modells, kam nach sys­te­ma­ti­scher For­schung zu einem ande­ren Schluss: „Wenn man wirk­lich schützt, stärkt man Rech­te – anstatt Men­schen in Abhän­gig­keit und Armut zu drän­gen.“ Aus­stiegs­pro­gram­me in Frank­reich kom­men teil­wei­se auf rund 300 € im Monat – zu wenig, um auch nur eine Woh­nung zu hal­ten. Ein Aus­weg, der in die Obdach­lo­sig­keit führt, ist kein Schutz.

📌 Die Bilanz: Mehr Schaden als Schutz

Zahl­rei­che Stu­di­en bele­gen: Das Nor­di­sche Modell führt zu mehr Gewalt gegen Frau­en in der Sex­ar­beit, zu weni­ger Kond­om­nut­zung, zu mehr Infek­tio­nen mit HIV und ande­ren STIs und zu mehr Miss­trau­en gegen­über der Poli­zei – sodass Sex­ar­bei­te­rin­nen Gewalt sel­te­ner anzei­gen. Auch die Deut­sche Aids­hil­fe spricht sich daher gegen das Nor­di­sche Modell aus. Ich bit­te Sie ein­dring­lich: Bit­te hören Sie auf die Wis­sen­schaft!
Wenn Sie das nicht tun, wird das fata­le Kon­se­quen­zen für zahl­rei­che Men­schen haben.
  Mit Respekt für die Ziel­set­zung, aber in Sor­ge um die tat­säch­li­chen Fol­gen, Jeff Man­nes

 Quellen


Jeff Man­nes war frü­her selbst in der Bran­che tätig, ist Sozio­lo­ge, Sexu­al­päd­ago­ge und frei­er Autor. Er enga­giert sich für die Rech­te von Sex­ar­bei­ten­den, arbei­tet für die Deut­sche Aids­hil­fe und ist in Ber­lin als selbst­stän­di­ger Stadt­füh­rer u. A. zur Geschich­te der Sexua­li­tät und Sex­ar­beit, sowie zur kin­ky und sex-posi­ti­ven Sze­ne der Stadt aktiv. www.berlinguide.de | Jeff Mannes/ BerlinGuide.de auf Insta­gram