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Gegen die geplante Einführung des Nordischen Modells in Schottland

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Stellungnahme des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen (BESD)

  Janu­ar 2026

Hintergrund

Anfang Febru­ar 2026 stimmt das schot­ti­sche Par­la­ment in ers­ter Lesung (Stage 1) über den Geset­zes­ent­wurf „Pro­sti­tu­ti­on, Offen­ces and Sup­port (Scot­land) Bill“ ab. Ein­ge­bracht wur­de der Ent­wurf von Ash Regan, Abge­ord­ne­te des schot­ti­schen Par­la­ments (Mem­ber of the Scot­tish Par­lia­ment, MSP). Der Gesetz­ent­wurf sieht die Ein­füh­rung des soge­nann­ten „Nor­di­schen Modells“ vor. Die­ses kri­mi­na­li­siert den Kauf sexu­el­ler Dienst­leis­tun­gen und stellt Sex­ar­beit unter einen repres­si­ven Kon­troll­rah­men, wäh­rend die Sex­ar­bei­ten­den selbst for­mal ent­kri­mi­na­li­siert blei­ben sol­len. Als deut­scher Berufs­ver­band, der die Inter­es­sen von Sex­ar­bei­ten­den ver­tritt, sehen wir die­ses Vor­ha­ben mit gro­ßer Sor­ge. Geset­zes­än­de­run­gen die­ser Trag­wei­te haben regel­mä­ßig inter­na­tio­na­le Signal­wir­kung. Poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen in einem euro­päi­schen Land die­nen in ande­ren Staa­ten häu­fig als Refe­renz und Legi­ti­ma­ti­ons­grund­la­ge für ähn­li­che Geset­zes­in­itia­ti­ven. Vor die­sem Hin­ter­grund hal­ten wir eine kla­re fach­li­che Posi­tio­nie­rung für not­wen­dig.

Unsere Position: Klare Ablehnung des nordischen Modells

Der Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen (BESD) lehnt Form der Sexkauf­kri­mi­na­li­sie­rung ent­schie­den ab. Die­se Ableh­nung beruht auf umfang­rei­cher inter­na­tio­na­ler Evi­denz, auf den Erfah­run­gen von Sex­ar­bei­ten­den in Län­dern mit ver­gleich­ba­rer Gesetz­ge­bung sowie auf der jah­re­lan­gen beruf­li­chen Pra­xis unse­rer Mit­glie­der. Das Nor­di­sche Modell ver­schlech­tert nach­weis­lich die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen von Sex­ar­bei­ten­den, erhöht ihre Gefähr­dung und trägt nicht zur Bekämp­fung von Men­schen­han­del oder Aus­beu­tung bei.

Das nordische Modell: Nachweislich gefährlich für Sexarbeitende

Inter­na­tio­na­le Stu­di­en und Stel­lung­nah­men u. a. der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO), von UNAIDS, Amnes­ty Inter­na­tio­nal, Human Rights Watch, NSWP, ICRSE sowie Ver­öf­fent­li­chun­gen in Fach­jour­na­len wie The Lan­cet Public Health und BMJ Glo­bal Health kom­men über­ein­stim­mend zu fol­gen­den Ergeb­nis­sen:
  • Mehr Gewalt: Die Kri­mi­na­li­sie­rung des Sexkaufs ver­drängt Sex­ar­beit in ver­steck­te und iso­lier­te Arbeits­um­fel­der. Dies erhöht das Risi­ko für Über­grif­fe, Nöti­gung und sexua­li­sier­te Gewalt.
  • Weni­ger Anzei­gen: Aus Angst vor straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen für Kund*innen wer­den Gewalt­ta­ten sel­te­ner gemel­det. Täter pro­fi­tie­ren von die­ser struk­tu­rel­len Schutz­lo­sig­keit.
  • Schlech­te­re Gesund­heits­ver­sor­gung: Prä­ven­ti­ons­ar­beit, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und psy­cho­so­zia­le Unter­stüt­zung wer­den erschwert, ins­be­son­de­re im Bereich HIV- und STI-Prä­ven­ti­on.
  • Mehr Abhän­gig­keit: Repres­si­ve Rah­men­be­din­gun­gen för­dern infor­mel­le Abhän­gig­kei­ten und stär­ken damit genau jene Struk­tu­ren, die offi­zi­ell bekämpft wer­den sol­len.
  • Kei­ne beleg­te Wir­kung gegen Men­schen­han­del: Es exis­tiert kei­ne belast­ba­re Evi­denz dafür, dass Sexkauf­ver­bo­te Men­schen­han­del redu­zie­ren. Im Gegen­teil: Kri­mi­na­li­sie­rung erschwert Iden­ti­fi­ka­ti­on, Prä­ven­ti­on und Unter­stüt­zung betrof­fe­ner Per­so­nen.
Die­se Effek­te sind unter ande­rem aus Schwe­den, Nor­we­gen, Frank­reich, Irland und Kana­da gut doku­men­tiert.

Was das für Schottland konkret bedeuten würde

Die Ein­füh­rung des Nor­di­schen Modells wür­de für Schott­land einen grund­le­gen­den Sys­tem­wech­sel dar­stel­len. Die damit ver­bun­de­nen Risi­ken sind erheb­lich:
  • Ver­drän­gung in unsi­che­re Arbeits­be­din­gun­gen, ins­be­son­de­re in länd­li­chen Regio­nen und struk­tur­schwa­chen Gebie­ten.
  • Schwä­chung von Gewalt­prä­ven­ti­on und Bera­tung, da nied­rig­schwel­li­ge Zugän­ge für auf­su­chen­de Sozi­al­ar­beit erschwert wer­den.
  • Zunah­me ver­deck­ter Arbeits­ver­hält­nis­se, wodurch Schutz- und Kon­troll­me­cha­nis­men fak­tisch außer Kraft gesetzt wer­den.
  • Nega­ti­ve Signal­wir­kung für Euro­pa: Als poli­tisch pro­gres­siv wahr­ge­nom­me­ner Akteur wür­de Schott­land euro­pa­weit als Refe­renz für repres­si­ve Gesetz­ge­bung die­nen.

Was wirklich schützt: Entkriminalisierung statt Repression

Die bes­ten Ergeb­nis­se in Bezug auf Sicher­heit, Gesund­heit und sozia­le Sta­bi­li­tät zei­gen Län­der und Regio­nen, die auf voll­stän­di­ge Ent­kri­mi­na­li­sie­rung in Kom­bi­na­ti­on mit arbeits‑, gesund­heits- und sozi­al­po­li­ti­schen Maß­nah­menset­zen. Beson­ders belegt ist dies für:
  • Neu­see­land
  • New South Wales (Aus­tra­li­en)
Dort zei­gen Lang­zeit­stu­di­en:
  • sin­ken­de Gewalt­quo­ten
  • bes­se­re Koope­ra­ti­on mit Behör­den
  • höhe­ren Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung
  • stär­ke­re Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und Schutz­me­cha­nis­men

Unsere Forderung:

Der BESD for­dert die schot­ti­schen Abge­ord­ne­ten nach­drück­lich auf, den vor­lie­gen­den Gesetz­ent­wurf in Stage 1 abzu­leh­nen. Statt repres­si­ver Sym­bol­po­li­tik braucht es einen evi­denz­ba­sier­ten Ansatz, der fol­gen­de Ele­men­te ver­bin­det:
  • voll­stän­di­ge Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Sex­ar­beit
  • Aus­bau von Präventions‑, Bera­tungs- und Gesund­heits­an­ge­bo­ten
  • geziel­te Maß­nah­men gegen Gewalt und Aus­beu­tung – unab­hän­gig vom Kon­text der Sex­ar­beit
  • sozia­le Absi­che­rung und Armuts­be­kämp­fung
Nur ein sol­cher Ansatz ver­bes­sert nach­hal­tig die Sicher­heit, Gesund­heit und Selbst­be­stim­mung von Sex­ar­bei­ten­den.

Fazit

Gesetz­ge­bung darf nicht auf mora­li­schen Zuschrei­bun­gen oder poli­ti­scher Sym­bo­lik beru­hen, son­dern muss sich an wis­sen­schaft­li­cher Evi­denz, men­schen­recht­li­chen Stan­dards und den rea­len Lebens­be­din­gun­gen der Betrof­fe­nen ori­en­tie­ren. Wir appel­lie­ren an die schot­ti­schen Entscheidungsträger*innen, die­se Ver­ant­wor­tung ernst zu neh­men und den vor­lie­gen­den Gesetz­ent­wurf in Stage 1 abzu­leh­nen.

Quellen & Referenzen (Auswahl)

Die fol­gen­de Aus­wahl bil­det die inhalt­li­che Grund­la­ge die­ser Stel­lung­nah­me und ent­spricht der Zitier­pra­xis in bis­he­ri­gen BESD-Posi­ti­ons­pa­pie­ren:
  • Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen (BESD) Grün­de, war­um der BESD das nor­di­sche Modell / Sexkauf­ver­bot ablehnt (2024) https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2024/06/27/gruende-warum-der-besd-das-nordische-modell-sexkaufverbot-ablehnt/
  • Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen (BESD) Lis­te bedeu­ten­der Orga­ni­sa­tio­nen gegen das Sexkauf­ver­bot / Nor­di­sches Modell (2025) https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2025/04/02/liste-bedeutender-organisationen-gegen-das-sexkaufverbot-nordisches-modell/
  • Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen (BESD) Sexkauf­ver­bot, Kri­mi­na­li­sie­rung und Men­schen­han­del – War­um das schwe­di­sche Modell schei­tert https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/sexarbeit/freierbestrafung-kriminalisierung-menschenhandel-schwedisches-modell/
  • World Health Orga­niza­ti­on (WHO) (2012, 2014): Pre­ven­ti­on and tre­at­ment of HIV and other sexu­al­ly trans­mit­ted infec­tions for sex workers in low- and midd­le-inco­me count­ries Zen­tra­le Aus­sa­ge: Ent­kri­mi­na­li­sie­rung ver­bes­sert signi­fi­kant Zugang zu Prä­ven­ti­on, Gesund­heits­ver­sor­gung und Gewalt­prä­ven­ti­on.
  • Amnes­ty Inter­na­tio­nal (2016): Poli­cy on Sta­te Obli­ga­ti­ons to Respect, Pro­tect and Ful­fil the Human Rights of Sex Workers Zen­tra­le Aus­sa­ge: Kri­mi­na­li­sie­rung – auch in Form des Sexkauf­ver­bots – ver­stößt gegen men­schen­recht­li­che Schutz­pflich­ten.
  • UNAIDS (2014, 2021): Gui­dance Note on HIV and Sex Work Zen­tra­le Aus­sa­ge: Sexkauf­ver­bo­te ver­schlech­tern nach­weis­lich Prä­ven­ti­on, Gesund­heits­ver­sor­gung und recht­li­chen Schutz.
  • NSWP – Glo­bal Net­work of Sex Work Pro­jects (2017–2023): Meh­re­re Meta­stu­di­en zu Gewalt, Gesund­heit und Rechts­zu­gang unter repres­si­ven Geset­zes­mo­del­len.
  • The Lan­cet Public Health (2015, 2018): Meta-Ana­ly­sen zur Kor­re­la­ti­on zwi­schen Kri­mi­na­li­sie­rung, Gewalt und HIV-Risi­ko.