Wir sind gegen ein Sexkaufverbot, weil..
Nicht nur wir als Betroffene halten das für eine dumme Idee, Viele namenhafte Organisationen, Vereine, Forschungsgruppen, Stiftungen, und Behörden aus aller Herr*innen Ländern haben sich offiziell gegen die Einführung eines Sexkaufverbotes nach nordischem Modells ausgesprochen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Institutionen, die über Expertise im Bereich Sexarbeit verfügen und sich von verschiedenen Seiten mit dem hochkomplexen Themenfeld beschäftigen.
Stand: 05.03.2026
Gewerkschaft ver.di
„Das Nordische Modell sieht ein Verbot vor, sexuelle Dienstleistungen zu kaufen, und kriminalisiert dadurch ausschließlich die Kundschaft von Sexarbeiter*innen. Diese vermeintlich einfache Lösung würde jedoch die Arbeitsbedingungen der selbstbestimten Sexarbeiter*innen erheblich verschlechtern. Den Sexarbeiter*innen wird nicht nur die Kundschaft genommen, sondern sie verlieren auch ihre sicheren Arbeitsplätze, denn Prostitutionsstätten sind verboten.”
https://frauen.verdi.de/download/verdiBundesfrauenrat_Position_Sexarbeit_2025.pdf
Deutscher Juristinnenbund
„Eine Kriminalisierung des Sexkaufs suggeriert eine einfache und vor allem kostengünstige Lösung für komplexe Problemlagen und versperrt damit den Blick auf tatsächlich notwendige Maßnahmen, um die Situation von Sexarbeiter*innen zu verbessern.”
https://www.djb.de/presse/stellungnahmen
Gewerkschaft der Polizei (GdP) — Frauengruppe (Bund)
„Erfahrungen aus dem Nordischen Modell zeigen auf, dass Prostitution nicht einfach verschwindet. Die Verlagerung der freiwilligen Sexarbeit in das kriminelle Milieu führt zum Abdriften dieses Phänomens ins „Dunkelfeld“ und erschwert die Verfolgung von schwersten Straftaten, zum Nachteil von Menschen, insbesondere Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden. Die vermeintliche Verhinderung von Menschenhandel und Zwangsprostitution kann auch eine Verschiebung der Nachfrage in die Digitalen Netze zur Folge haben“
https://www.gdp.de/stellungnahme-der-frauengruppe-der-gdp-zum-antrag-der-cdu-csu-prostitution
Deutsche Aidshilfe
„Internationale Studien und Erfahrungen in Ländern wie Schweden und Frankreich zeigen: Jede Form der Kriminalisierung von Prostitution schützt die Sexarbeiter_innen nicht, sondern erhöht das Risiko, dass sie Opfer von Gewalt oder anderen Straftaten werden und sich sexuell übertragbare Infektionen zuzuziehen.“
https://www.aidshilfe.de/sexkaufverbot-verhindern-unterstuetzung-statt-nordisches-modell
Deutscher Städtetag
„Sinnvoll und als Ziel wichtig ist, die Prostitution noch weiter ins „Hellfeld“ zu ziehen. Durch die Stärkung der Rechte der Sexarbeitenden und durch den Aufbau von Kommunikationsstrukturen, z. B. durch Runde Tische, kann eine weitergehende Transparenz im Prostitutionsmilieu erreicht werden. So kann zu Schutz und guten Arbeitsbedingungen für die Sexarbeitenden beigetragen werden. Zudem ist der Ausbau von Unterstützungsstrukturen sowie realistischer Aus- und Umstiegsmöglichkeiten nötig und wichtig umzusetzen..“
https://www.bundestag.de//blob/20–13-123a.pdf
bufas e.V. (Bündnis d. Fachberatungsstellen f. Sexarbeiterinnen u. Sexarbeiter)
„(…) es wird häufig dargestellt, dass das Sexkaufverbot keine negativen Konsequenzen für Sexarbeiter*innen habe, oder deren Situation sogar noch verbessere. Dagegen positioniert sich der Bufas entschieden. Auch innerhalb Deutschlands hat man durch restriktive Verordnungen (…) nicht die Prostitution und die Nachfrage vor Ort verhindert, sondern lediglich bewirkt, dass die Arbeitsbedingungen sich verschlechtern und die Vulnerabilität durch Abhängigkeitsverhältnisse und Ausbeutung erhöht werden.“
Deutsches Institut für Menschenrechte
„Dieses sehr sichtbare und daher gut kontrollierbare Segment [der Straßenprostitution] wird weniger. Ob auch das gesamte Ausmaß von Prostitution durch ein Verbot abnimmt oder ob lediglich eine Verdrängung in andere, weniger sichtbare Bereiche der Prostitution stattfindet, ist umstritten. Aus menschenrechtlicher Perspektive entscheidender ist, dass diese Forschung deutlich unerwünschte Folgen einer Verbotslösung zeigt, nämlich ein erhöhtes Risiko sexuell übertragbarer Erkrankungen sowie von Gewalterfahrungen. Menschenhandel nimmt dadurch nicht ab.“
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/prostitution-und-sexkaufverbot
Diakonie Deutschland
„Verbote verhindern weder Prostitution, noch dämmen sie ihre negativen Auswirkungen ein. Wo tatsächlich Zwang und Gewalt eine Rolle spielen, bieten Verbote keinen Schutz. Für die Wirksamkeit des Nordischen Modells gibt es keine sicheren Belege.“
https://www.diakonie.de/pressemeldungen/diakonie-fuer-mehr-unterstuetzung-statt-sexkaufverbot
Gesellschaft für Sexarbeits- und Prostitutionsforschung e. V.
„Als Forschungsgesellschaft mit langjähriger Expertise zu Sexarbeit und Prostitution lehnen wir solche strafrechtlichen und repressiven Maßnahmen ausdrücklich ab. Wissenschaftliche Studien weisen umfangreich nach, dass sie die Ausübung der Sexarbeit einschränken bzw. verdrängen und damit die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeitenden verschlechtern“
https://gspf.info/GSPF-Stellungnahme-Anhoerung-23.-Sept-2024.pdf
Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit
„In Nordirland wurden Daten von der Queen’s University Belfast vor und nach der Einführung eines Sexkaufverbots erhoben und erlauben somit einen Vergleich. Nach Einführung des so genannten Sexkaufverbots waren weder eine Reduktion der Nachfrage noch der Anzahl von Sexarbeitenden zu beobachten; auch ein Einfluss auf die Zahlen von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung war nicht feststellbar.“
https://www.stiftung-gssg.org/wp-content/uploads/2021/03/Statement-DSTIG-Doku-3SAT_210322_GS.pdf
Amnesty International
„Wenn nicht nur ihre Tätigkeit, sondern auch ihr Arbeitsumfeld entkriminalisiert ist, gibt das den oft marginalisierten und abhängigen Menschen im Sexgewerbe mehr Möglichkeiten, unabhängig zu arbeiten, sich zu organisieren und sich selber für ihre Rechte zu wehren.“
United Nations — UN-Menschenrechtsbüro
“(…) es ist höchste Zeit, “dass sich die Menschenrechtsorganisationen mit der Diskriminierung, Marginalisierung und Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen befassen, damit ihre Menschenrechte geschützt werden. Die Arbeitsgruppe schlägt eine vollständige Entkriminalisierung von freiwilliger Sexarbeit Erwachsener aus Menschenrechtsperspektive vor, da sie das größte Potenzial hat, die systembedingte Diskriminierung und Gewalt sowie die Straflosigkeit von Verletzungen der Rechte von Sexarbeitern zu bekämpfen.”
TRANS*SEXWORKS
„Weltweit und natürlich auch in Deutschland engagieren sich Sexarbeiter*innen und Prostituierte gegen die Kriminalisierung ihrer Arbeit. Ein Sexkaufverbot, wie es hier von der CDU/CSU gefordert wird, ist eine Kriminalisierung unserer Arbeit und führt zu einer Verschlechterung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen”
https://www.bundestag.de/resource/blob/1017866/e06197735db87f190cc0d91288bbeb88/20–13-124n.pdf
LSVD – Lesben- und Schwulenverband Deutschland
Sexarbeit ist gesellschaftliche Realität, umfasst ein breites Spektrum sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und kann für LSBTIQ* eine Möglichkeit zur selbstbestimten Arbeit sein. Für queere Sexarbeiter*innen kommen neben diversen Diskriminierungsdimensionen besondere Bedarfe dazu. Der LSVD formuliert Forderungen an Politik und Zivilgesellschaft, um die Diversität innerhalb des Arbeitsfeldes auch inhaltlich in Politik und Unterstützungsstrukturen abzubilden.
https://www.lsvd.de/de/ct/8830-beschluss-sexarbeit-selbstbestimmung-statt-stigma
Ban Ying e. V. — Koordinations- und Beratungsstelle gegen Menschenhandel
“Zielführender ist es, Sexarbeiter*innen selber als Alliierte im Kampf gegen Ausbeutung und Menschenhandel anzuerkennen und sie an der politischen Debatte zu beteiligen. Und denjenigen, die Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung wurden, müssen Entschädigungen und realer Schutz geboten werden – unabhängig davon, ob sie als Zeug*innen in einem Strafverfahren aussagen oder eine gültige Aufenthaltserlaubnis in Deutschland besitzen.”
https://www.ban-ying.de/advocacy/aktuelles-offener-brief
Sozialdienst katholischer Frauen, Deutschland (SkF)
„Der SkF fordert eine Debatte, in der Sexarbeit, Prostitution und Menschenhandel differenziert betrachtet werden. (…) Das Vollzugsdefizit im Bereich des Menschenhandels und sexueller Ausbeutung muss dringend abgebaut werden, ohne Menschen die in der Sexarbeit und Prostitution tätig sind zu kriminalisieren und ins Abseits zu drängen. Zwingend notwendig sind aus Sicht des SkF daher Veränderungen im Bleiberecht für die Opfer von Menschenhandel.”
Dortmunder Mitternachtsmission e. V.
„Eine repressive Gesetzgebung würde das Vertrauensverhältnis der Prostituierten zu den Anlaufstellen zerstören und so den Zugang zum Hilfesystem drastisch erschweren. Statt einer Zerschlagung brauchen wir den Ausbau des etablierten Hilfesystems. Ziel der sozialen Arbeit muss stets sein, Selbstbestimmung und Selbstbehauptung zu stärken.“
https://www.aidshilfe.de/meldung/fachwelt-warnt-sexkaufverbot
Ev. Frauenhilfe in Westfalen e.V
„Ein Sexkaufverbot wird Sexarbeitenden aus marginalisierten Gruppen nicht helfen. Stattdessen sollte die Politik Maßnahmen ergreifen, die subsidiäre Hilfe bieten, wie den Ausbau von Fachberatungsstellen oder den leichteren Zugang zur Gesundheitsversorgung.“
https://www.bundestag.de/resource/blob/120–13-124l.pdf
AWO Sachsen-Anhalt
„Kriminalisierung von Sexarbeit schützt Sexarbeiter*innen nicht vor Zwang und Ausbeutung, vielmehr drängt sie diese weiter ins Verborgene“
Sex, Work, Law and Society Collaborative Research Network
„Im Januar legte die UN-Arbeitsgruppe zur Diskriminierung von Frauen und Mädchen (2024) dem Menschenrechtsrat einen Bericht über die “Beseitigung der Diskriminierung von Sexarbeitern und die Sicherung ihrer Menschenrechte” vor. In ihrem Bericht stellte sie fest, dass die Kriminalisierung von Kunden “problematische Auswirkungen auf die Menschenrechte hat“
https://www.bundestag.de/blob/20–13-124u.pdf
pro familia Bundesverband
„pro familia betont die Komplexität der Rahmenbedingungen in der Sexarbeit und lehnt einfache Lösungen oder Modelle, wie das sogenannte „Nordische Modell“, ab.“
Diakonie Hamburg
„Ein Sexkaufverbot würde ihnen nicht helfen, sondern ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen drastisch verschlechtern.“
https://www.diakonie-hamburg.de/de/presse/pressemitteilungen/Diakonie-Hamburg-gegen-Sexkaufverbot/
Hydra e.V. (Berlin)
„Studien zeigen, dass das Vergütungsverbot vor allem eines bringt: Eine massive Verschlechterung der Lebenssituation von Sexarbeitenden.“
Europarat – Kommissar*in für Menschenrechte
“A human rights based approach also means that consensual sexual relations between adults for remuneration should not be criminalised.”
Übersetzung: „Ein menschenrechtsbasierter Ansatz bedeutet auch, dass einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen gegen Entgelt nicht kriminalisiert werden sollten.“
https://www.coe.int/en/web/commissioner/-/protecting-the-human-rights-of-sex-workers
World Health Organization (WHO)
“Modelling studies indicate that decriminalizing sex work could lead to a 46% reduction in new HIV infections in sex workers over 10 years,”
Übersetzung: „Modellierungsstudien zeigen, dass Entkriminalisierung von Sexarbeit zu einer 46%igen Reduktion neuer HIV-Infektionen bei Sexarbeitenden über 10 Jahre führen könnte,“
https://www.who.int/teams/global-hiv-hepatitis-and-stis-programmes/populations/sex-workers
Human Rights Watch
“But the Nordic model actually has a devastating impact on people who sell sex to earn a living.”
Übersetzung: „Aber das Nordische Modell hat tatsächlich verheerende Auswirkungen auf Menschen, die Sex verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“
https://www.hrw.org/news/2019/08/07/why-sex-work-should-be-decriminalized
European Coalition on Sex Workers’ Rights and Inclusion (ILGA-Europe)
“The criminalisation of any aspect of sex work further compromises vulnerable groups, increases risks of violence, and will not combat human trafficking and forced labor.”
Übersetzung: „Die Kriminalisierung irgendeines Aspekts von Sexarbeit verschlechtert die Lage vulnerabler Gruppen weiter, erhöht Gewalt-Risiken und bekämpft weder Menschenhandel noch Zwangsarbeit.“




