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Absurde Welt: Schwedische Sexwork-NGO darf kein Konto eröffnen

Absurde Welt: Schwedische Sexwork-NGO darf kein Konto eröffnen

Absurde Welt: Schwedische Sexwork-NGO darf kein Konto eröffnen

In ganz Schwe­den heißt es seit zwan­zig Jah­ren: „Sexkauf ver­bo­ten!“. In ganz Schwe­den? Nein! Eine von unbeug­sa­men Sexarbeiter*innen getra­ge­ne Sex­wor­ker-Orga­ni­sa­ti­on mit dem klin­gen­den Namen Fuck­för­bun­det (zu Deutsch etwa: Fick-Ver­ein) hört nicht auf, gegen die Dop­pel­mo­ral Wider­stand zu leis­ten …

Dass die­ser Wider­stand den schwe­di­schen Kolleg*innen alles ande­re als leicht gemacht wird, zeigt erneut ein kürz­lich bekannt gewor­de­ner Skan­dal: Zwei gro­ße schwe­di­sche Ban­ken wie­sen einen Kon­to­er­öff­nungs­an­trag des ehren­amt­li­chen Inter­es­sens­ver­ban­des mit faden­schei­ni­gen Erklä­run­gen ab. Fuck­för­bun­det ver­lor durch die wahr­haft absur­de Lage eine bereits bewil­lig­te För­de­rung, die auf­grund des feh­len­den Kon­tos nie aus­ge­zahlt wer­den konn­te. Der Ver­ein kämpft mit Finan­zie­rungs­pro­ble­men in einem Staat, der es Sexarbeiter*innen beson­ders schwer macht, für ihre Rech­te ein­zu­tre­ten.

Fabi­en­ne Frey­madl, Vor­stands­mit­glied des BesD und selbst akti­ve Sex­ar­bei­te­rin, hat das Gespräch mit der schwe­di­schen NGO gesucht. Das fol­gen­de Inter­view mit Emma von Lin­né, Mit­glied des Len­kungs­aus­schuss bei Fuck­för­bun­det, wur­de per Mail geführt und aus dem Eng­li­schen über­setzt. 

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Q: Wer oder was ist Fuck­för­bun­det? Wofür steht ihr? 

A: Wir sind ein Peer-to-Peer Netz­werk, das schwe­di­sche Sexarbeiter*innen im Inland und Aus­land unter­stützt. Als Orga­ni­sa­ti­on arbei­ten wir dar­an, die öffent­li­che Mei­nung zu Sex­ar­beit sowie den in der Sex­ar­beit täti­gen Men­schen zu ändern und eine Geset­zes­än­de­rung durch­zu­set­zen.

Q: Kannst du das aktu­el­le poli­ti­sche Kli­ma beschrei­ben, in dem ihr der­zeit arbei­tet? 

A: Schwe­den ist der Geburts­ort des „nor­di­schen” bezie­hungs­wei­se „schwe­di­schen Modells“. Schon vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes 1999, hat die Regie­rung die­ses für gut befun­den und die Ein­füh­rung auch für ande­re Län­der emp­foh­len. 2010 erfolg­te eine man­gel­haf­te Eva­lua­ti­on, die das Modell als gut befand und alle nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Geset­zes posi­tiv bewer­te­te. 

Wir arbei­ten in einem Kli­ma, in dem der Eva­lua­ti­ons­be­richt von Méde­cins du Mon­de (Anmer­kung: inter­na­tio­nal täti­ge huma­ni­tä­re NGO mit Sitz in Frank­reich) zu den Kon­se­quen­zen des schwe­di­schen Modells in Frank­reich igno­riert wird. Wir arbei­ten in einem Kli­ma, in dem Ver­bün­de­te, die offen zu uns ste­hen, ihre Arbeits­plät­ze ver­lie­ren. Wir arbei­ten in einem Kli­ma, in dem wir nicht ein­mal ein Bank­kon­to eröff­nen kön­nen. 

Q: Bekommt ihr Unter­stüt­zung von der schwe­di­schen Regie­rung oder einer ande­ren schwe­di­schen Orga­ni­sa­ti­on? 

A: Wir gel­ten als Min­der­heit, die sich gegen das schwe­di­sche Modell aus­spricht und die es nicht wert ist, von der Regie­rung ange­hört zu wer­den. Die­sel­be Regie­rung hat erklärt, dass jed­we­de „Pro­sti­tu­ti­on“ eine Form der Gewalt von Män­nern gegen Frau­en ist. Eini­ge weni­ge Orga­ni­sa­tio­nen unter­stüt­zen unse­re Stand­punk­te, aber die bekann­tes­ten sind gegen uns.

Q: Ihr hat­tet vor kur­zem Pro­ble­me bei der Eröff­nung eines Bank­kon­tos. Kannst du beschrei­ben, was pas­siert ist?

A: Bis­her haben wir bei zwei gro­ßen schwe­di­schen Ban­ken ein Kon­to bean­tragt. Eine drit­te Bank hat uns dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wir ihnen erst gar kei­nen Antrag schi­cken sol­len – denn die­ser wür­de abge­lehnt wer­den. Die ers­te Bank lehn­te uns mit der Begrün­dung ab, dass „unse­re Sta­tu­ten gegen ihre ethi­schen Richt­li­ni­en ver­sto­ßen“. Die ande­re Bank erklär­te, dass es ein Pro­blem ist, dass unse­re Mit­glie­der anonym sind – obwohl wir im offi­zi­el­len Unter­neh­mens­re­gis­ter der Behör­den sind.

Sie sahen außer­dem ein Pro­blem dar­in, dass wir in der Lage sein woll­ten, Spen­den von wohl­wol­len­den Besucher*innen unse­rer Web­site, sowie von Mit­glie­dern zu erhal­ten, da letz­te­re eben anonym sind. Sie hör­ten nicht zu, als wir erklär­ten, dass Mit­glie­der, die Geld spen­den wol­len, es mit ihren rich­ti­gen Namen über die Web­site tun müs­sen – genau so, wie alle ande­ren.

Q: Was unter­nehmt ihr jetzt? 

A: Wir haben mit einer Anwalts­kanz­lei mit Fokus auf Migra­ti­on und LGBT gespro­chen, die uns hel­fen wol­len und unse­re Sta­tu­ten, sowie den Eröff­nungs­an­trag bei der nächs­ten Bank mit uns durch­ge­hen wer­den. Eine däni­sche Orga­ni­sa­ti­on wird uns als Mitt­le­rin bei anste­hen­den För­de­run­gen unter­stüt­zen, bis wir unser eige­nes Kon­to bekom­men.

Q: Inwie­fern scha­det die Ableh­nung eines Bank­kon­tos dem Ver­ein? 

A: Uns wur­de vor über einem Jahr eine För­de­rung bewil­ligt, aber wir konn­ten die­se nicht aus­zah­len las­sen. Von den Ban­ken, bei denen wir uns bewor­ben hat­ten, wur­den wir abge­lehnt – und zu die­sem Zeit­punkt hat­ten wir auch kei­ne ent­spre­chen­de Bezie­hung zu ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen, die als Mitt­ler ein­sprin­gen hät­ten kön­nen. Der Ver­lust der För­de­rung bedeu­tet, dass wir uns Akti­vis­mus und Pro­jek­te nicht wie geplant leis­ten kön­nen. Unse­re Mit­glie­der sind uns finan­zi­ell zur Hil­fe gekom­men – ihnen wur­de ver­spro­chen, dass sie ihr Geld zurück­be­kom­men, sobald wir ein Kon­to haben.

Die Zeit ist ver­stri­chen, wir konn­ten kei­ne Lösung fin­den und die För­de­rung lief aus. Orga­ni­sa­tio­nen, die das schwe­di­sche Modell unter­stüt­zen, erhal­ten eine Men­ge För­de­run­gen und kön­nen sich leis­ten, laut zu sein. Wir wer­den still gehal­ten – ohne För­de­run­gen kön­nen wir uns nicht leis­ten, so laut zu sein, wie wir es sein müss­ten.

Q: Was für eine Art von Unter­stüt­zung oder Hil­fe braucht ihr? 

A: Wir brau­chen inter­na­tio­na­le Medi­en, die über die Situa­ti­on in Schwe­den berich­ten und das schwe­di­sche Modell kri­ti­sie­ren. Schwe­di­sche Medi­en unter­stüt­zen das Modell über­wie­gend. Wir brau­chen Orga­ni­sa­tio­nen, die die schwe­di­schen Regie­rung, die Behör­de für Gleich­be­rech­ti­gung und ande­re schwe­di­sche Orga­ni­sa­tio­nen dazu drän­gen, das schwe­di­sche Modell zu re-eva­lu­ie­ren.

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In Reak­ti­on auf den Kon­takt mit den schwe­di­schen Kolleg*innen hat der BesD eine offe­ne Anfra­ge an die schwe­di­sche Bot­schaft geschickt – mit unbe­que­men Fra­gen. Hier geht es zum kor­re­spon­die­ren­den News-Bei­trag.