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2. Juni: Hurentag

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Ampel-Aus und Aus für die Sexarbeit? Kommt das nordische Modell?

Ampel-Aus und Aus für die Sexarbeit? Kommt das nordische Modell?

Ampel-Aus und Aus für die Sexarbeit? Kommt das nordische Modell?
Kom­men­tar von Johan­na Weber, poli­ti­scher Spre­che­rin des BesD Neu­wah­len ste­hen vor der Tür. Rund um die Sex­ar­beits­bran­che macht sich die Angst breit, dass mit einer CDU-Mehr­heit auch das nor­di­sche Modell in den zukünf­ti­gen Bun­des­tag ein­zieht. Die Uni­on ver­wen­det das Wort „Sexkauf­ver­bot“ und hat dies in ihrem Grund­satz­pro­gramm ver­an­kert 1). Übri­gens ist sie die ein­zi­ge Par­tei, die dies tut. Die Frau­en-Uni­on 2) und allen vor­an CSU-Frau Bär 3) brin­gen das The­ma uner­müd­lich in die Poli­tik und die Medi­en. Es ent­steht der Ein­druck, dass Frau Bärs ers­te Amts­hand­lung im neu­en Bun­des­tag die Ein­füh­rung des Sexkauf­ver­bo­tes sein wird. Und dann geht alles schnell. Nein, so ein­fach ist es glück­li­cher­wei­se nicht! Als poli­ti­sche Spre­che­rin des Berufs­ver­ban­des für Sex­ar­bei­ten­de (BesD) gehört es auch zu mei­nen Auf­ga­ben, poli­ti­sche Zusam­men­hän­ge zu erklä­ren. Zunächst muss man wis­sen, dass die Fer­tig­stel­lung eines kom­plett neu­en Geset­zes oft Jah­re dau­ert. Selbst wenn sich schnell eine Mehr­heit für das CDU-Unter­fan­gen fin­den wür­de, muss das noch durch diver­se Aus­schuss­sit­zun­gen und Anhö­run­gen. Dann muss sehr wahr­schein­lich der Bun­des­rat zustim­men. Das sind also die Bun­des­län­der, die viel­leicht kei­ne Lust haben, die ange­dach­ten „Aus­stiegs­pro­jek­te“ für Hun­dert­tau­sen­de von Sex­ar­bei­ten­den zu bezah­len, wäh­rend die erquick­li­chen Steu­er­ein­nah­men aus der Pro­sti­tu­ti­on gleich­zei­tig weg­fal­len. Aber freu­en wir uns nicht zu früh, denn die Bun­des­län­der stim­men sehr oft zu – egal, wie schlecht das Gesetz ist. Nun zurück zum zukünf­ti­gen Bun­des­tag. Wenn wir davon aus­ge­hen, dass die CDU/CSU die Mehr­heit der Stim­men erhält, heißt das noch lan­ge nicht, dass sie alles bestim­men kön­nen. Sie benö­ti­gen Koali­ti­ons­part­ner, um eine Mehr­heit der Stim­men im Bun­des­tag zu erhal­ten. Die SPD ist schon gesetzt. Aber wer­den die­se bei­den Par­tei­en zusam­men genug Stimm­an­tei­le haben? Wer­den sie noch einen drit­ten Part­ner brau­chen? Wer könn­te das sein? Egal, wer es sein wird, wie ste­hen denn die ande­ren Par­tei­en zum The­ma nor­di­sches Modell? Rei­hen­fol­ge ist alpha­be­tisch:
  • AfD: Dage­gen
  • BSW: Dafür !!!
  • FDP: Dage­gen
  • Grü­ne: Dage­gen
  • Lin­ke: Dage­gen
Das Züng­lein an der Waa­ge ist die SPD. Es gibt im Moment kei­ne offi­zi­el­le Posi­ti­on der SPD zum The­ma nor­di­sches Modell. Da sich die Genoss*innen nicht einig wer­den kön­nen, steht und fällt das mit den SPD-Per­so­nen, die im nächs­ten Bun­des­tag sit­zen wer­den. Die aktu­ell Zustän­di­gen für unser The­ma, die sich auch klar gegen das nor­di­sche Modell aus­spre­chen, kom­men viel­leicht nicht wie­der in den Bun­des­tag. Ich bedaue­re das sehr. Somit ist es kom­plett unge­wiss, bei wem unser The­men­be­reich lan­det. Da die SPD sich jedoch nicht einig ist, hof­fe ich, dass sie sich in den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen nicht unter Druck set­zen las­sen und uns Sex­ar­bei­ten­de im Stich las­sen. Ich hof­fe, dass sie die Bestra­fung der Frei­er ableh­nen und auf ande­re Lösungs­an­sät­ze set­zen: mehr Geld für Umstiegs­pro­jek­te und Bera­tungs­stel­len, Abwar­ten der Eva­lua­ti­on und dann mal sehen… Sex­ar­beit wird nur eines der Rand­the­men im Bereich Frau­en und Gleich­stel­lung sein. Und genau des­halb hof­fe ich, dass die SPD das nicht ver­passt. Ich bin aber guter Din­ge. „Ja, aber was ist, wenn CSU-Frau Bär Fami­li­en­mi­nis­te­rin wird?“ Die­se Fra­ge höre ich oft. Der Gedan­ke dahin­ter ist, dass eine Frau Bär als Fami­li­en­mi­nis­te­rin ver­meint­lich schal­ten und wal­ten kann in ihrem Res­sort. Und zack, schon ist das Sexkauf­ver­bot da. Nein, glück­li­cher­wei­se geht das so nicht. Ja, es stimmt, wenn ein Minis­te­ri­um CDU-geführt ist, set­zen sich dort eher CDU-Ten­den­zen durch. Aller­dings kön­nen auch Minister*innen nicht ein­fach durch­mar­schie­ren mit ihren Wunsch­ge­set­zen. Außer­dem sehe ich Frau Bär noch lan­ge nicht im Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um sit­zen. Das ist kein Minis­te­ri­um, das die CDU inter­es­siert. Es wür­de mich sehr wun­dern, wenn die Uni­on sich dafür mel­det. Die SPD hin­ge­gen möch­te unbe­dingt das Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um haben, denn dort gibt es noch eini­ge Her­zens­pro­jek­te, die sie zu Ende brin­gen oder anfan­gen wol­len. Und wel­chen Ein­fluss hat die Eva­lua­ti­on des Pro­st­SchG? 4) Das Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­setz wird schon seit dem 1. Juli 2022 aus­ge­wer­tet. Die Ergeb­nis­se wer­den bis zum 1. Juli 2025 dem Deut­schen Bun­des­tag vor­ge­legt. Es han­delt sich um die größ­te jemals statt­ge­fun­de­ne wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung zum The­ma Sex­ar­beit in Euro­pa. Jedoch geht es dabei „nur“ um die Unter­su­chung des Geset­zes und die Fol­gen. Doch das bil­det eigent­lich die kom­plet­te Bran­che ab. Genau des­halb sind die Ergeb­nis­se sehr wich­tig, um gute Rege­lun­gen und Geset­ze zu beschlie­ßen. Die CDU wird die Ergeb­nis­se anzwei­feln und igno­rie­ren. Ich ver­mu­te, dass dies nicht voll­stän­dig gelin­gen wird. Und was sagen die Wähler*innen zum The­ma Pro­sti­tu­ti­on?
Fra­ge: Wel­ches Modell der Pro­sti­tu­ti­ons­re­gu­lie­rung bevor­zugt die Bevöl­ke­rung in Deutsch­land? 5) Hier­zu führ­ten die For­schen­den Döring und Moh­se­ni von der Uni Ilmen­au eine bun­des­wei­te Online-Befra­gung durch.
Ergeb­nis: Über 80% der Befrag­ten leh­nen ein Sexkaufverbot/nordisches Modell ab. Die Mehr­heit wünscht sich das soge­nann­te „Lega­li­sie­rungs­mo­dell“, wel­ches aktu­ell auch in Deutsch­land gilt. Dabei gilt Pro­sti­tu­ti­on als akzep­ta­bel. Sie soll aber zum Schutz der Pro­sti­tu­ier­ten und der Gesell­schaft nur unter Ein­hal­tung geson­der­ter Regeln und Kon­trol­len legal sein. Pro­sti­tu­ti­on wird abge­grenzt von Aus­beu­tung, Zwang, Gewalt und Men­schen­han­del, die gene­rell straf­bar sind. Mein Fazit:
Das nor­di­sche Modell ist noch lan­ge nicht vom Tisch, aber wir haben gute Chan­cen, dass es nicht umge­setzt wird. Des­halb müs­sen wir uns als Sex­ar­beits­bran­che aktiv enga­gie­ren. Wir brau­chen dazu einen star­ken Berufs­ver­band 6), der Lob­by­ar­beit leis­tet, und ich ermu­ti­ge alle Sex­ar­bei­ten­den, Mit­glied zu wer­den. Denn umso mehr Mit­glie­der wir sind, umso erns­ter wer­den wir genom­men. Und alle ande­ren bit­te ich um finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für unse­re Arbeit. ——————————— Quel­len: zu 1) Grund­satz­pro­gramm der CDU Deutsch­lands, 2024
Sei­te 20 -> „Sexu­el­le Aus­beu­tung, Men­schen­han­del und Pro­sti­tu­ti­on sind mit der Wür­de von Men­schen nicht ver­ein­bar. Des­halb unter­stüt­zen wir ein Sexkauf­ver­bot und Hil­fen beim Aus­stieg aus der Pro­sti­tu­ti­on.“ zu 2) Frau­en­uni­on zum The­ma
-> https://www.frauenunion.de/artikel/sexkaufverbot zu 3) Infor­ma­tio­nen zur Frau Bär (CSU) und Pro­sti­tu­ti­on
-> https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/csu-baer-sexkauf-verbot-100.html zu 4) Eva­lua­ti­on des Pro­st­SchG
a) Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um dazu -> https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/evaluation-des-prostituiertenschutzgesetzes-beginnt-199312
b) Kri­mi­no­lo­gi­sches For­schungs­in­sti­tut Nie­der­sach­sen (KFN) dazu -> https://kfn.de/forschungsprojekte/evaluation-des-prostituiertenschutzgesetzes-prostschg/?fbclid=IwAR1z6yLYfHDoGQ07GNgHdLPk7JBeeKhANcHYieVTNYOCm80loJW1TxjYrIc zu 5) Umfra­ge: Wel­che Pro­sti­tu­ti­ons­re­gu­lie­rung bevor­zugt die Bevöl­ke­rung in Deutsch­land?
-> https://www.berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2024/09/27/umfrage-zu-sexarbeit-in-deutschland-grosse-mehrheit-lehnt-kriminalisierung-ab/ zu 6) Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen
Mit­glied wer­den -> https://www.berufsverband-sexarbeit.de/index.php/verband/besd-mitglied-werden/
Spen­den -> https://www.berufsverband-sexarbeit.de/index.php/besd-unterstuetzen/