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An die Redaktion von SPIEGEL TV — Über das schwierige Verhältnis zwischen Journalisten und Huren.

An die Redaktion von SPIEGEL TV — Über das schwierige Verhältnis zwischen Journalisten und Huren.

An die Redaktion von SPIEGEL TV — Über das schwierige Verhältnis zwischen Journalisten und Huren.
Sehr geehr­ter Herr Haug, sehr geehr­te Damen und Her­ren, vor weni­gen Wochen erreich­te mich eine Anfra­ge aus Ihrer Redak­ti­on, ob ich bereit wäre, in einer TV-Pro­duk­ti­on mit­zu­wir­ken. Mein Name ist Han­na Lako­my, ali­as Salo­mé Bal­thus, ich bin Pro­sti­tu­ier­te. Ich möch­te Ihnen hier erklä­ren, wie es dazu kam, dass ich die­se Anfra­ge, die mich erst posi­tiv inter­es­siert hat­te, nun letzt­end­lich doch abge­lehnt habe. Ich habe das Bedürf­nis, das zu erklä­ren. Ich möch­te nicht für unzu­ver­läs­sig oder fremd­ge­steu­ert gehal­ten wer­den, dies wäre mir fatal! Zudem schät­ze ich die Arbeit von SPIEGEL TV im All­ge­mei­nen und hal­te Ihre Insti­tu­ti­on für unbe­streit­bar seri­ös. Zu Wort kom­men sol­len alle Spar­ten und Preis­klas­sen mei­ner Kol­le­gIn­nen in Gewer­be der käuf­li­chen Lust, aber eben­so unse­re poli­ti­schen Geg­ner, die Aboli­tio­nis­tin­nen, selbst­er­nann­te Huren-Ret­ter, Aus­stei­ge­rin­nen aus dem Bereich der ille­ga­len Pro­sti­tu­ti­on, die ihre ungu­ten Erfah­run­gen ver­all­ge­mei­nern, wäh­rend sie uns das­sel­be mit unse­ren posi­ti­ven Erfah­run­gen vor­wer­fen. Auf gesell­schaft­li­che Wider­sprü­che, Hin­ter­grün­de soll­te ein­ge­gan­gen wer­den, und, wie ich mein­te, dar­ge­stellt wer­den, wel­che Lücke zwi­schen Vor­stel­lung und Wirk­lich­keit der Pro­sti­tu­ti­ons­my­then besteht, wie falsch die (von der Emma auf­ge­brach­ten) Zah­len sind, und die Behaup­tung, 99% der Pro­sti­tu­ier­ten sei­en Zwangs­pro­sti­tu­ier­te. Ich war erst sehr dafür, mich zu zei­gen, mich dar­auf ein­zu­las­sen, einen Tag lang von einem Kame­ra­team beglei­tet zu wer­den, es so zu insze­nie­ren, als wür­de ich mich an dem Tag auf einen Kun­den vor­be­rei­ten, die­sen auch tref­fen. Ich hat­te bereits für die Dreh­ar­bei­ten eine Hotel­suite als Dreh­ort gemie­tet, und mei­ner Sty­lis­tin Bescheid gege­ben. Ich hat­te mir Mühe gege­ben, die Wün­sche Ihrer Mit­ar­bei­ter nach mög­lichst viel Nähe, Authen­ti­zi­tät und inti­men Offen­ba­run­gen zu erfül­len. Doch dann muss­te ich die Not­brem­se zie­hen: Grund war zunächst der Titel: Die Pro­duk­ti­on soll den Titel tra­gen „Der gro­ße Rot­licht-Report“. Rot­licht-Report — das Rot­licht, das ist doch nur ein Teil der Welt der Pro­sti­tu­ti­on, und zwar gera­de nicht mei­ner. Was hät­te ich dazu denn zu sagen? Dann die Tat­sa­che, dass es nicht gewollt sei, durch die Doku­men­ta­ti­on „Pro­sti­tu­ti­on zu ver­herr­li­chen“ — aus Grün­den des Jugend­schut­zes, bei einer Sen­dung zur Prime Time. Jugend­li­chen darf also eine lega­le Tätig­keit in der Sex­ar­beit nicht als etwas prä­sen­tiert wer­den, dass eine beruf­li­che Per­spek­ti­ve dar­stel­len könn­te. Es müss­ten sich die posi­ti­ven und nega­ti­ven Aspek­te die Waa­ge hal­ten, um ein neu­tra­les, ambi­va­len­tes Bild zu zeich­nen. — Gin­ge es um ein ande­res The­ma als das der Pro­sti­tu­ti­on, etwa die Com­pu­ter­in­dus­trie, Ehe­gat­ten­split­ting, den Poli­tik­be­trieb, etc. — ich wür­de die­se Neu­tra­li­tät begrü­ßen, sie für auf­klä­re­risch hal­ten. Doch im Fal­le eines Beru­fes, der his­to­risch und auch aktu­ell mas­si­ver Stig­ma­ti­sie­rung aus­ge­setzt ist, und des­sen Ver­tre­te­rin­nen mit den aller schärfs­ten Kon­se­quen­zen für ihr Leben zu rech­nen haben, wenn sie so mutig sind, sich zu outen, ist die­se Neu­tra­li­tät eben kei­ne ech­te Neu­tra­li­tät. Son­dern ein Zuge­ständ­nis an die öffent­lich bestehen­de Mei­nung, mit­hin fei­ge und wohl­feil. Stel­len Sie sich eine Doku­men­ta­ti­on über Homo­se­xua­li­tät in den 70er Jah­ren vor, die sich zur Auf­ga­be macht, „Homo­se­xua­li­tät nicht zu ver­herr­li­chen“. Oder eine Sen­dung im Sau­di-Ara­bi­schen Staats­fern­se­hen über Femi­nis­mus, die ver­mei­den will, „Femi­nis­mus zu ver­herr­li­chen“. Jeweils immer gern mit Hin­weis auf den Schutz der Jugend, die in den gesell­schaft­lich gewoll­ten mora­li­schen Wer­ten auf­ge­zo­gen wer­den soll. Ich habe mir sagen las­sen, der SPIEGEL war frü­her mal kon­tro­vers, poli­tisch enga­giert, gegen die Mei­nungs-Macht der übri­gen Leit­me­di­en. Die Annah­me, Medi­en soll­ten „wert­neu­tral“ sein und „nur die Wirk­lich­keit abbil­den“, hal­te ich für eben­so falsch wie dumm. Es gibt kei­ne Neu­tra­li­tät. Wer sie für sich bean­sprucht, führt etwas im Schil­de, zu dem er sich nicht bekennt­nis­of­fen ver­hal­ten will, sei es aus Feig­heit, sei es, um Men­schen wie mir Fal­len zu stel­len, weil man man von ihnen etwas will, näm­lich ihr Bild. Ich bin nicht bereit, mein Gesicht, mei­ne Stim­me und mei­ne Gestalt her­zu­ge­ben für jeman­den, der nicht für mei­ne bedroh­ten Rech­te ein­tritt. Ich will nicht mit­wir­ken an einer breit ange­leg­ten Groß-Ent­hül­lungs-Show, die hin­ter dem Schutz jour­na­lis­ti­scher Neu­tra­li­tät und Distanz nicht mehr tut, als voy­eu­ris­ti­sche Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen, und zugleich mei­nen Fein­den erneut die Mög­lich­keit gibt, mir und mei­nes­glei­chen zu scha­den. Ich möch­te Film­sze­nen mit mei­nem Kör­per nicht in einen Kon­text stel­len, in dem sie kri­tisch bewer­tet und zuletzt im Sin­ne der öffent­li­chen Mei­nung gerich­tet wer­den. Ich habe auch mei­nen Kol­le­gin­nen davon abge­ra­ten. Denn die­ses „neu­tra­le“ For­mat zieht uns aus, lie­fert uns der öffent­li­chen Mei­nung aus, stellt unse­ren Beruf in den Kon­text von Elend und Ver­bre­chen, als wären sie unver­meid­ba­rer Teil unse­res Gewer­bes. Man lie­fert uns dem Mei­nung der Mas­se aus, wäh­rend die Redak­ti­on sich fein her­aus­hält, und nicht dar­an denkt, uns zu schüt­zen, erzie­he­risch zu wir­ken in unse­rem Sin­ne. Das alles soll der Urteil des Publi­kums eines Pri­vat­sen­ders wie Kabel 1 über­las­sen blei­ben, wobei ich nicht mal weiß, was nach dem Schnitt von dem, was mir per­sön­lich wich­tig ist, noch zur Beur­tei­lung übrig bleibt. Auf mei­ne Beden­ken wur­de zunächst ein­ge­gan­gen, man wol­le gera­de mich unbe­dingt dabei haben, als „ein­ord­nen­de Instanz“. Also hat­te ich zur Güte ange­bo­ten, statt eines Begleit-Drehs ein State­ment für die Kame­ra abzu­ge­ben, erkenn­bar mit mei­nem Gesicht und mei­ner Stim­me. Dies wur­de abge­lehnt, man sei nicht an einem Inter­view inter­es­siert, son­dern an „Action” — was mich in mei­nen Befürch­tun­gen noch­mals bestä­tig­te. Ich kann mich nur über das The­ma Pro­sti­tu­ti­on, über mich und mein Leben äußern, wenn eine Hal­tung dahin­ter steht, ein Enga­ge­ment für die Pro­sti­tu­ti­on und somit für die libe­ra­le Gesell­schaft. Dass die libe­ra­le Gesell­schaft in Euro­pa bedroht ist, wer­den Sie als poli­tisch den­ken­der Mensch sicher bemerkt haben. Soll­te sich SPIEGEL-TV dazu ent­schlie­ßen, eine enga­gier­te Sen­dung Pro-Pro­sti­tu­ti­on und zur Unter­stüt­zung von selbst­be­stimm­ten, muti­gen Sex­ar­bei­te­rin­nen zu machen, ste­he ich gern zur Ver­fü­gung. Mit den bes­ten Grü­ßen Salo­mé Bal­thus