Definition
Sexualbegleitung und Sexualassistenz sind zwei Facetten im bunten Strauß erotischer und sexueller Dienstleistungen, die unter dem Begriff Sexarbeit zusammengefasst werden.
Die Begriffe werden – trotz der skizzierten Unterscheidung — häufig synonym verwendet.
Kund*innen
Sexualbegleitung ist eine Dienstleistung, die ursprünglich Menschen mit Behinderung im Blick hatte, die ihre Bedürfnisse nach Nähe, Intimität und Sexualität nicht selbstständig verwirklichen können. Tatsächlich ist es so, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen Sexualbegleitung in Anspruch nehmen:
Menschen, die..
- ..für alltägliche Handlungen auf Assistenz angewiesen sind
- ..aufgrund von Alter, körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen keine Partner*innen finden
- ..aufgrund ihrer Einschränkungen nicht in der Lage sind, Solo-Sex auszuüben
- ..neugierig sind und etwas Neues lernen wollen
- ..ihre Schüchternheit überwinden möchten
- ..einen Leidensdruck haben
- ..einen Fetisch haben, für den sie sich schämen
- ..berühren und berührt werden wollen
- ..nach einer traumatischen Erfahrung ihren Körper und ihre Lust wieder entdecken wollen
- ..noch nie Sex hatten oder kaum Erfahrung haben
Sie alle wollen als sexuelle Wesen ernst genommen werden, trotz bzw. mit Behinderung, mit Einschränkung, im Alter. Sie wollen im Arm gehalten werden. Sie wollen gesehen, gehört, akzeptiert werden. Und sie wollen – wie andere Menschen auch – Sex haben: Vanilla Sex, Sex wie im Porno, Slow Sex, BDSM oder eine Mischung daraus.
Anbieter*innen
Sexualbegleitung wird in der Praxis häufiger von heterosexuellen Männern angefragt. Sexualbegleitende sind daher zum Großteil Frauen. Aber es gibt in diesem Dienstleistungssegment auch Männer, die vor allem für Frauen – aber nicht nur – eine Begleitung bei sexuellen oder erotischen Wünschen anbieten.
Sexualbegleiter*innen finden aus unterschiedlichen Berufen ihren Weg in die Sexualbegleitung. Zum Teil haben sie bereits Erfahrung in der Sexarbeit gesammelt. Oder sie kommen aus der Pflege. Manche sind zertifizierte Tantramasseur*innen oder Physiotherapeut*innen.
Viele Sexarbeitende wachsen in dieses Segment hinein, z.B. wenn ihre Kund*innen älter werden und nicht mehr in der Lage sind, ins Bordell oder die Modellwohnung zu kommen. Einmal im Altenwohnheim zu Besuch kann sich daraus ein wachsender Anteil des Geschäfts generieren.
Man wird in diesem Dienstleistungssegment nicht reich. Die Akquise ist aufwändiger als in anderen Sparten der Sexarbeit, aber die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit ist besonders hoch. Und wenn man Klient*innen in Einrichtungen oder zuhause besucht, fallen Kosten wie Raummiete weg. Zudem ist der Anteil von Stammkund*innen erfahrungsgemäß groß.
Ähnlich wie in anderen Sparten der Sexarbeit bieten nicht alle Sexualbegleiter*innen alles an. Manche Sexualbegleiter*innen haben sich auf spezifische Kundengruppen spezialisiert und gehen z.B. nur in Altenwohnheime. Andere sind generell offen für alles, was kommt, und klären im Erstgespräch, ob sie sich auf die Anfrage einlassen wollen.
Auch die Preisgestaltung ist Sache der Anbieter*innen. Die Kosten pro Stunde bewegen sich zwischen 100€ und 200€. Bei längeren Anfahrten werden in der Regel Fahrtkosten fällig. Mindestdauer-Buchungen können auch Gegenstand der Vertragsbedingungen sein. Vorgespräche werden normalerweise nicht in Rechnung gestellt.
Hilfreiche Eigenschaften
Sexualbegleitung und Sexualassistenz sind keine geschützten Berufsbezeichnungen, d.h. man kann ihn einfach in sein Angebot integrieren, wenn man sich dazu berufen fühlt. Nichtsdestotrotz gibt es einige hilfreiche Eigenschaften, die Menschen, die in diesem Dienstleistungssegment tätig sein wollen, mitbringen sollten.
Sie sollten in der Lage sein, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und ihrem Gegenüber einen sicheren Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie sich in ihrem eigenen Tempo ihren Themen nähern können. Einfühlungsvermögen ist wichtig, aber man sollte sich nicht als Retter*in oder Gutmensch fühlen.
Ähnlich wie in den anderen Sparten der Sexarbeit sind u.a. folgende Punkte von zentraler Bedeutung:
- Klare Darstellung des eigenen Dienstleistungsangebots
- Klare Kommunikation der eigenen Grenzen
- Fragloses Respektieren der Grenzen der Kund*innen
- Akzeptierende und wertschätzende Haltung
Weiterbildung
Wer gerne Sexualbegleitung anbieten, sich aber noch über rechtliche Grundlagen, Krankheitsbilder, Marketing etc. informieren möchte, hat verschiedene Optionen.
- Kassandra e.V. bietet seit 2010 eine Fortbildung „Qualifizierte Sexualassistenz/ ‑begleitung“ an, die in Zusammenarbeit mit profamilia für Sexarbeitende konzipiert wurde. Seit 2026 findet diese Fortbildung zweimal jährlich statt. Pro Kurs gibt es 10–12 Plätze für Interessierte. Kosten 2026: 719€
- Thomas Aeffner (BesD) und Pia Hoffman bieten eine sehr individuelle Ausbildung für Sexualbegleiter*innen in Duisburg an.
- Sowohl Pamina und Thameo (Berlin) als auch Renate Bandha und Florian Bär (Rhein-Ruhr) – alle vier Mitglieder des BesD – sind gerade dabei, Ausbildungskonzepte zu entwickeln, die es Menschen aus unterschiedlichen Berufen ermöglichen soll, sich als Sexualbegleiter*in/ ‑assistent*in zu professionalisieren.
Im BesD gibt es eine Telegram-Gruppe für Sexualassistent*innen, über die man sich austauschen kann. Sie bietet die Möglichkeit, sich mit Kolleg*innen auszutauschen, Fälle zu diskutieren und sich Unterstützung zu organisieren, wenn man mal mit einer Situation überfordert ist. Interessierte können sich bei Nicole () melden.
Außerdem gibt es einen Online-Stammtisch für Sexualbegleitende via Zoom, der jeden zweiten Dienstag im Monat stattfindet. Interessierte können sich an Konstantin () wenden.
Engagement
Der BesD setzt sich seit Jahren für die Anerkennung von Sexualassistenz als Teil des diversen Berufsfeldes der Sexarbeit ein. Der Verband unterstützt zu diesem Zwecke Projekte wie Inklusiv Intim der Stiftung GSSG, zur Förderung sexueller Selbstbestimmung sowie dem Abbau von Vorurteilen gegenüber Dienstleistenden und jenen, die eine solche Dienstleistung in Anspruch nehmen.
In Kooperation mit rotlicht.de gelang es der BesD-AG Sexualassistenz Anfang des Jahres eine neue Website an den Start zu bringen. Auf sexualassistenz.de können zukünftig Menschen mit Behinderung, im Alter oder mit anderem Unterstützungsbedarf professionelle Begleitung für selbstbestimmte Intimität in ganz Deutschland finden, sowie Sexarbeitende mit der entsprechenden Qualifizierung, ohne Stigma und ohne Whorearchie, ihre Leistungen anbieten.
Ein großer Schritt für die Anerkennung von Sexarbeit in diesem besonderen Bereich war die erstmalige offizielle Teilhabe von Sexarbeitende mit einem eigenen Stand sowie Sprechstunden auf der REHACARE‑Messe 2025 in Düsseldorf. Organisiert und betreut wurde der Stand von Nicole Schulze in Zusammenarbeit mit Harriet Langanke von der GSSG, einer langjährigen und engen Kooperationspartnerin.
Kundenkommunikation
Häufig brauchen Menschen, die auf Sexualbegleitung angewiesen sind, Unterstützung bei der Suche nach Dienstleister*innen. Das übernehmen meist Einrichtungen (z.B. Altenwohnheime) oder Angehörige (z.B. Eltern, Kinder). Sie tun sich bisweilen schwer, entsprechende Angebote zu finden, da es bundesweit schätzungsweise nur 80–100 Sexarbeitende gibt, die Sexualbegleitung anbieten.
Um die Suche zu erleichtern und Angebot und Nachfrage besser zu vermitteln, gibt es seit Dezember 2025 die interaktive Seite sexualassistenz.de, ein Angebot von rotlicht.de in Kooperation mit dem BesD. Auf dieser Seite lassen sich nach Region gefiltert Sexualbegleiter*innen finden.
Die Nutzung ist für Kund*innen komplett kostenfrei. Die Registrierung als Anbieter*in kostet 79€/Jahr oder 59€/Jahr für BesD-Mitglieder.
Aus den Medien..
ZDF 37Grad Sexualbegleitung
Reportage, 17:10 / Pamina & Thameo
Breaking Boundaries
Dokumentation, 11:38 / Thomas & Hannah









