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Die Geschichte der Hurenbewegung

Die Geschichte der Hurenbewegung

Die Geschichte der Hurenbewegung
Zum dies­jäh­ri­gen inter­na­tio­na­len Huren­tag möch­te ich euch einen Teil der Geschich­te der Huren­be­we­gung vor­stel­len. Die­se ist lei­der in der Öffent­lich­keit wenig bekannt, nicht nur wegen dem Huren­stig­ma son­dern auch wegen der ver­klemm­ten Hal­tung der Gesell­schaft zum The­ma Sexua­li­tät ins­ge­samt. In vie­len Län­dern gibt es noch heu­te gar kei­ne (gedul­de­te) Orga­ni­sa­tio­nen von Sex­ar­bei­ten­den, meist aus unschö­nen Grün­den, wie denen, dass Sex­ar­beit kom­plett oder teil­wei­se unter Stra­fe gestellt wird. So kämpft zum Bei­spiel die schwe­di­sche Ver­ei­ni­gung Red Umbrel­la Swe­den auch heu­te immer wie­der mit Restrik­tio­nen. Unter dem Deck­män­tel­chen, dass ja „gegen Zuhäl­ter“ vor­ge­gan­gen wür­de, wird hier eine wich­ti­ge sozia­le Arbeit fast unmög­lich gemacht. Unser Berufs­ver­band star­tet zu die­sem Huren­tag die Social Media Akti­on #Redet­Mit­Statt­Ueber­Uns — wir for­dern eine Mit­spra­che bei der Eva­lua­ti­on des Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­setz sowie der Umset­zung des Geset­zes auf den Lan­des­ebe­nen, denn wir sind die­je­ni­gen, die von die­sen Rege­lun­gen direkt betrof­fen sind! –> HIER WEITERLESEN –> HIER BESD-ARBEIT UNTERSTÜTZEN

Doch gehen wir zurück zu den Anfängen.

Die letz­ten 500 Jah­re waren ein stän­di­ges On-Off Spiel­chen, was die Lega­li­tät bzw. die Regu­lie­rung von Sex­ar­beit betraf. Weni­ger war es eine mora­li­sche Ent­schei­dung, viel­mehr ver­such­te man dadurch die gras­sie­ren­de Syphi­lis in den Griff zu krie­gen. Spoi­ler: Hygie­ne und Peni­cil­lin ver­schaff­ten letzt­lich Abhil­fe.

DEUTSCHLAND

1914 gab es einen ers­ten Grün­dungs­ver­such eines Ver­ban­des von Pro­sti­tu­ier­ten in Deutsch­land,  1919 wur­de der „Hilfs­bund Ber­li­ner Pro­sti­tu­ier­te“ gegrün­det — bei­de Ansät­ze ver­san­de­ten aber lei­der. (Mann-männ­li­che) Sexua­li­tät war im übri­gen bis in das Jahr 1994 noch straf­bar hier in der BRD. Männ­li­che Sex­ar­beit war des­halb noch ver­steck­ter und stig­ma­ti­sier­ter, schon allei­ne wegen der damals noch stär­ker gras­sie­ren­den Homo­pho­bie. Ab den spä­ten 1920er Jah­re, gab es eine rege Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der Sex­ar­bei­te­rin­nen bis hin zu selbst-ver­wal­te­ten Häusern/Bordellen, die den Sex­ar­bei­ten­den damals auch oft als Wohn­sitz dien­ten.  Im Ham­bur­ger Rot­licht­vier­tel kämpf­ten die „Dir­nen“ gegen Poli­zei­will­kür, gegen Aus­beu­tung durch Bor­dell­wir­te, für bes­se­re Behand­lun­gen in Kran­ken­häu­sern und für die Auf­he­bung solch unsin­ni­ger Geset­ze wie z.B. das Ver­bot für Sex­ar­bei­te­rin­nen sich in z.B Thea­tern oder Licht­spiel­häu­sern, in Zoos oder Tanz­sä­len auf­zu­hal­ten, . Es gab  sogar eine Zei­tung in Ham­burg mit dem Namen „Pran­ger“, die recht umstrit­ten war und selbst­ver­wal­tet her­aus­ge­ge­ben wur­de. 1929 wur­de das Pro­sti­tu­ti­ons­ver­bot mal wie­der abge­schafft, die „Mäd­chen“ waren nicht mehr recht­los, wur­den „kecker“, so eine Fach­li­te­ra­tur aus der dama­li­gen Zeit.  Die Arbei­ter­be­we­gung moch­te uns nicht son­der­lich, Sex­ar­bei­ten­de gehör­ten zum unlieb­sa­men Lum­pen­pro­le­ta­ri­at. Trotz­dem gab es punk­tu­ell Unter­stüt­zung z.B in Ham­burg durch die Kom­mu­nis­ti­sche und die Links­par­tei USP. 1935 wur­de die Bera­tungs­stel­le Mit­ter­nachts­mis­si­on in Mün­chen gegrün­det, Trä­ger­schaft war die inne­re Mis­si­on. Bis heu­te gibt es die­se Bera­tungs­stel­le nur heißt sie mitt­ler­wei­le Mimi­kry.

USA

In der neue­ren Zeit nahm die Huren­be­we­gung in den USA ihren Anfang.  Der Straf­tat­be­stand „öffent­li­ches Ärger­nis“ war ein Gum­mi­pa­ra­graph und wur­de aus­ge­legt wie es gera­de pass­te. (Nicht nur) in den USA wur­den Frau­en der Pro­sti­tu­ti­on ange­klagt weil sie sich nach Anbruch der Dun­kel­heit auf der Stra­ße auf­hiel­ten, gera­de auch PoC und trans* Men­schen waren extrem betrof­fen. Vie­le (Jazz-)Sängerinnen wis­sen sol­che Geschich­ten zu erzäh­len. Die Frau­en­ge­fäng­nis­se in den USA waren zu 50% voll mit PoC oder Lati­na Frau­en denen Pro­sti­tu­ti­on vor­ge­wor­fen wird und auch hier­zu­lan­de gab es immer Restrik­tio­nen gegen­über Sexarbeiter:innen und Frau­en, die für wel­che gehal­ten wur­den. 1971 fand in den USA ein Kon­gress von soge­nann­ten Feminist*innen und selbst­er­nann­ten „Retter*innen“ statt, zu dem Sex­ar­bei­ten­de selbst kei­nen Zugang hat­ten. Also genau wie heu­te, wenn sich Prostitutionsgegner*innen ver­sam­meln: Ein*e meist weib­li­che Token wird vor­ge­stellt, selbst­be­wuss­te Kolleg*innen haben nichts zu mel­den. Ein paar Sex­ar­bei­ten­de mel­de­ten sich aus dem Publi­kum laut­stark zu Wort. Sie wur­den her­ab­ge­wür­digt und nie nament­lich erwähnt. Im Gegen­teil zer­ris­sen sich die “Feminist*innen” das Maul über ihr Aus­se­hen, ihre Haa­re und Glit­zer­ket­ten und unter­stell­ten ihnen Hys­te­rie und psy­chi­sche Ver­wirrt­heit! Am Mut­ter­tag im Jah­re 1973 grün­de­te Mar­go St. James — Künst­le­rin und Femi­nis­tin — eine Orga­ni­sa­ti­on für die Rech­te von Sex­ar­bei­ten­den. Die­se hieß C.O.Y.O.T.E und der Name stand für: Call Off Your Old Tired Ethics — also etwa: Weg mit euren bie­de­ren Vor­stel­lun­gen von Moral! Zehn Jah­re zuvor hat­te man St. James einen Schein­frei­er auf den Hals gehetzt, den sie der Tür ver­wies, wor­auf­hin sie aber trotz­dem der Pro­sti­tu­ti­on schul­dig gespro­chen wur­de. Die Zie­le von C.O.Y.O.T.E waren vor allem Ent­kri­mi­na­li­sie­rung und sozia­le Aner­ken­nung von Sex­ar­bei­ten­den. Einer der Slo­gans zur Sex­ar­beit lau­te­te: “Die ein­zi­ge Arbeit die bes­ser bezahlt wird, als die der Män­ner!“ Die Orga­ni­sa­ti­on blieb lan­ge aktiv und war auch in den 1980er Jah­ren maß­geb­lich an der AIDS- Auf­klä­rung im Bereich der Sex­ar­beit betei­ligt.

FRANKREICH

Ab 1972 gab es auch in Frank­reich Pro­tes­te und Demos von Sex­ar­bei­ten­den gegen Poli­zei­ge­walt und Poli­zei­will­kür. Es war ein  Pro­test gegen Repres­sio­nen und ein Auf­schrei gegen die man­geln­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Mor­den, die an Sex­ar­bei­ten­den began­gen wur­den. Statt Ermitt­lun­gen und Auf­klä­rung gab es nur noch mehr Poli­zei­ein­sät­ze, es hagel­te gera­de­zu Buß­geld­be­schei­de die keine*r mehr bezah­len konn­te. 1975 wur­den in Frank­reich zahl­rei­che Kir­chen von Sex­ar­bei­ten­den besetzt. Sprü­che wie „Pro­sti­tu­ier­te sind Frau­en wie ande­re auch“ und “Wir wol­len nicht, dass unse­re Müt­ter ins Gefäng­nis gehen“ hin­gen auf gro­ßen Trans­pa­ren­ten an den Kir­chen und sorg­ten für inter­na­tio­na­le Schlag­zei­len. Zunächst sam­mel­ten sich 150 Sex­ar­bei­ten­de in Lyon und Mar­seil­le, Beset­zun­gen von ande­ren Kir­chen im Lan­de folg­ten. Mit der Bot­schaft “Pro­sti­tu­ti­on UND Reli­gi­on” soll­te eine Nor­ma­li­tät geschaf­fen und das Schwei­gen durch­bro­chen wer­den. Die Kir­chen­be­set­zun­gen wur­den nach 8 Tagen mit Poli­zei­ge­walt been­det.

„Haben die Huren gewonnen, so haben alle Frauen gewonnen!“

Die neu­en For­men der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und Pro­tes­te wur­den durch ein gesell­schaft­li­ches Kli­ma des Fort­schritts in Sachen Frau­en­rech­te und Rech­te sexu­el­ler Min­der­hei­ten begüns­tigt. Teil­wei­se fand die Huren­be­we­gung auch im Schul­ter­schluss mit der Frau­en­be­we­gung statt. Es wur­de zum Bei­spiel dar­um gekämpft, Care Arbei­ten, wie sie typi­scher­wei­se von „Haus­frau­en“ geleis­tet wird, als Arbeit end­lich anzu­er­ken­nen und ent­spre­chend zu wür­di­gen, wenn nicht gar zu ent­loh­nen. Selbst­hil­fe- und Bera­tungs­stel­len für Sex­ar­bei­ten­de waren die ers­ten Ergeb­nis­se, aber auch die poli­ti­sche Arbeit gewann an Wich­tig­keit und rück­te ins Zen­trum vie­ler Alli­an­zen und Ein­rich­tun­gen. Ab den 1980er Jah­ren war auch Deutsch­land wie­der mehr los: Die Femi­nis­tin und Publi­zis­tin Pie­ke Bier­mann — Akti­vis­tin der Ber­li­ner Frau­en­be­we­gung —  trug mit ihrem Enga­ge­ment und dem Buch „Wir sind Frau­en wie ande­re auch!“ maß­geb­lich dazu bei, dass die Huren­be­we­gung und mit ihnen die Ver­ei­ne und Selbst­hil­fe­grup­pen Fahrt auf­nah­men. Gemein­sam erar­bei­te­te Wei­ter­bil­dung fand statt: Statt sprach­lo­sem Ant­ago­nis­mus gegen­über Frei­ern, Bor­dell­be­trei­ben­den und der Gesell­schaft wur­de dort ein pro­fes­sio­nel­le­res Ver­ständ­nis für Sex­ar­bei­ten­de und eine soli­de­re Grund­la­ge für die eige­ne Arbeit ent­wi­ckelt. 1979 wur­de mit Hydra e.V Ber­lins ers­tes auto­no­mes Huren­pro­jekt gegrün­det. Neben Sex­ar­bei­te­rin­nen waren mit im Boot: Ärz­tin­nen des Gesund­heits­amts, eine Sena­to­rin, eine Rechts­an­wäl­tin sowie eine Sozi­al­ar­bei­te­rin. Hydra begann mit Ein­stiegs- und Umstiegs­be­ra­tung — eine Arbeit, die dort bis heu­te durch­ge­führt wird. Heu­te ist die Orga­ni­sa­ti­on viel mehr als “nur” Bera­tungs­stel­le und hat einen gro­ßen Wir­kungs­kreis — sie bie­tet einen Treff­punkt für Sex­ar­bei­ten­de sowie das nie­der­schwel­li­ge Ange­bot eines offe­nen Cafes, in dem unter ande­rem Semi­na­re und Work­shops spe­zi­ell für Sex­ar­bei­ten­de statt­fin­den. 1984 wur­de in Frank­furt am Main HWG gegrün­det, was für „Huren weh­ren sich Gemein­sam“ steht. Beim Namen han­delt es sich auch um  ein Wort­spiel mit dem stig­ma­ti­sie­ren­den Begriff dem Sex­ar­bei­ten­den häu­fig bedacht wur­den und der aus Zei­ten der Bekämp­fung von Geschlechts­krank­hei­ten stammt — eine Per­son mit HWG hat­te näm­lich „Häu­fig Wech­seln­den Geschlechts­ver­kehr“. Mit HWG waren vie­le inter­na­tio­na­le Sex­ar­bei­ten­de ver­netzt — in Hes­sen gab es zu die­ser Zeit unter ande­rem vie­le Sexarbeiter*innen aus Thai­land, die sich ihren Arbeits- und Auf­ent­halts­sta­tus in der BRD ange­hei­ra­tet hat­ten. 1992 gab HWG des „Hand­buch Pro­sti­tu­ti­on“ her­aus mit zum Teil auch wis­sen­schaft­li­chen Bei­trä­gen. Aber auch Mini-Büch­lein für die Hand­ta­sche mit Tipps und Tricks z.B. “Was tun bei Gewalt­er­fah­run­gen” lie­ßen sie dru­cken. Die Bera­tungs­stel­le Tama­ra, die aus HWG her­vor­ging, exis­tiert noch heu­te. Ab den spä­ten 80ern explo­dier­ten die Grün­dun­gen in Deutsch­land nahe­zu:  1985 wur­de Rot­stift Stutt­gart gegrün­det. In Köln wur­de die Frau­en­gleich­stel­lungs­stel­le für Arbeit gegen Dis­kri­mi­nie­rung und sozia­le Inte­gra­ti­on geschaf­fen. In Nürn­berg ging die Selbst­hil­fe- und Bera­tungs­stel­le Kas­san­dra an den Start — die ers­te Bera­tungs­stel­le, die auch für männ­li­che Sex­ar­bei­ten­de da war. In Bre­men begann Nitt­ri­bitt mit der Arbeit. Seit 1987 gab es den Koor­di­nie­rungs­kreis gegen Men­schen­han­del der sich aus Fach­be­ra­tungs­stel­len her­aus grün­de­te. Auch ihnen ging und geht es um die Durch­set­zung der Rech­te Betrof­fe­ner und nicht um mora­lin­saures Beleh­ren. In Ham­burg grün­de­te sich Soli­da­ri­tät Ham­bur­ger Huren. In Mün­chen Messa­li­na. 1988 kamen Phoe­nix in Han­no­ver und ein Jahr spä­ter Straps&Grips in Müns­ter hin­zu. 1991 ent­wi­ckel­te sich über die AIDS Hil­fe Frank­furt die Call­boy Con­nec­tion — ein locke­rer Zusam­men­schluss vom Stri­chern bis Edel Call­boys. 1991  grün­de­te sich Madon­na e.V. in Bochum — der Ver­ein zur beruf­li­chen und kul­tu­rel­len Bil­dung von Sex­ar­bei­te­rin­nen. Madon­na e.V. bie­tet unter ande­rem Qua­li­fi­zie­rungs­pro­gram­me an, da die in der SW erwor­be­nen Kom­pe­ten­zen teils Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen dar­stel­len, die auch für ande­re Tätig­kei­ten von Belang sein kön­nen. Beson­ders erwäh­nens­wert ist auch das dor­ti­ge Archiv- und Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum zur Sex­ar­beit seit 1997. Falls jemand zum The­ma Sex­ar­beit for­schen möch­te, dem sei die­ses Archiv wärms­tens ans Herz gelegt!

Allianzen, Proteste, Hurenkongresse

1985 fand der ers­te Welt-Huren­kon­gress in Ams­ter­dam statt. Der ICPR (Inter­na­tio­nal Com­mit­tee for Pro­sti­tu­ti­on Rights) wur­de gegrün­det und star­te­te eine Welt­char­ta für Huren­rech­te — für Lega­li­sie­rung und Ent­kri­mi­na­li­sie­rung, die Wah­rung der Men­schen­rech­te und die Gleich­stel­lung von Sex­ar­bei­ten­den. Heu­te ist die Orga­ni­sa­ti­on als ESWA (Euro­pean Sex Workers Right Alli­ance) bekannt. Ein Jahr zuvor initi­ier­te die Bera­tungs­stel­le Kas­san­dra aus Nürn­berg eine Peti­ti­on an den Bun­des­tag für die Aner­ken­nung von Sex­ar­beit als Dienst­leis­tung. Seit Mit­te der 80er fan­den auch in Deutsch­land Huren­kon­gres­se statt und wur­den von Par­ties und Demos beglei­tet. Unter ande­rem gab es die #PRO­sti­tu­ti­on Kam­pa­gne, unter­stützt von dem Kon­dom-Her­stel­ler Lon­don (die in Sex­ar­beits­stät­ten gebräuch­lichs­ten Kon­do­me – viel­leicht seit­dem?). 1987 gab es eine städ­te­über­grei­fen­de Akti­on: Mit Engels­flü­geln bewehrt ver­teil­ten Sexarbeiter*innen Kon­do­me in den Fuß­gän­ger­zo­nen. Das Mot­to: „Kon­dom Lie­be Sün­de sein“ soll­te einer­seits zur AIDS Prä­ven­ti­on bei­tra­gen, ande­rer­seits wur­de so eine Öffent­lich­keit für uns geschaf­fen. Im Lau­fe der 1980 und 90er Jah­re droh­te die insti­tu­tio­na­li­sier­te Sozi­al­ar­beit für Sex­ar­bei­ten­de nach und nach die poli­ti­sche Bewe­gung zu ver­drän­gen. Mög­li­cher­wei­se tru­gen auch die Medi­en einen Teil zu die­sem Wan­del bei: Die Inter­ak­ti­on über Zeit­schrif­ten nahm ab, Flug­blät­ter waren nur sehr begrenzt kom­mu­ni­ka­tiv und die heu­te übli­che Ver­net­zung über das Inter­net gab es so noch nicht. Auch gab es, schon in den 80ern, Kri­tik an der Huren­be­we­gung : Die Ham­bur­ger „Deern“ und Sex­ar­beits­ak­ti­vis­tin Dome­ni­ca Nie­hoff kri­ti­sier­te an vie­len Stel­len, dass ihr zu vie­le „Soli­de“ und zu vie­le Akademiker*innen dabei sein und Sex­ar­beit erns­ter und weni­ger schön sei als sich die­se vor­stel­len. Gleich­zei­tig warn­te auch sie vor Ver­bo­ten: „Es ist die Här­te, mit Män­nern zu arbei­ten. Man muss wirk­lich stark sein. Aber die­ses Ver­bo­te­ne, das bringt uns auch nicht wei­ter. Das führt sogar so weit, dass es heu­te Men­schen­han­del gibt.“ Tat­säch­lich gab es schon immer ein Pro­blem in der Huren­be­we­gung, mar­gi­na­li­sier­te Kolleg*innen z.B. Migrant*innen oder Drogenkonsument*innen mit zu inte­grie­ren. Dies wird immer wie­der selbst­kri­tisch ange­merkt — falls jemensch noch kon­struk­ti­ve Ideen hat wie dem Abhil­fe geleis­tet wer­den kann– immer her damit! 1988 stell­te der Huren­kon­gress fest: “Es fin­det ein Wan­del statt von der Selbst­hil­fe zur Bera­tung.” Die Ver­net­zung unter­ein­an­der nahm also ab – dafür wur­de BUFAS, das Bünd­nis der Fach­be­ra­tungs­stel­len für Sex­ar­bei­ten­de e.V., in dem fast alle Bera­tungs­stel­len ver­netzt sind, gegrün­det.

Das Wiederaufleben der Hurenbewegung

1989 wur­de in Ber­lin in Erin­ne­rung an Lyon der Inter­na­tio­na­le Huren­tag aus der Tau­fe geho­ben. Die Tren­nung zwi­schen “ech­ten” und “schlech­ten” Frau­en soll­te end­lich auf­ge­ho­ben wer­den. 1998 wur­de der rote Regen­schirm als Zei­chen für den Schutz von in der Sex­ar­beit täti­gen Per­so­nen zum inter­na­tio­na­len Sym­bol der Sex­ar­beits­be­we­gung. 1999 wur­de der Künst­ler Tadej Pog­a­car auf die Akti­on „Für das Recht eine Pro­sti­tu­ier­te zu sein“ auf­merk­sam und grün­de­te das Pro­jekt CODE:RED mit der For­de­rung: „Stop the wars on the who­res!“ 2001 fan­den die Bien­na­le und der Huren­kon­gress gleich­zei­tig in Vene­dig statt – es gab einen gemein­sa­men Lauf und eine Demo durch die Stadt mit tol­len Kla­mot­ten und roten Schir­men. 2002 grün­de­te sich der BSD —  ein Zusam­men­schluss von Betreiber*innen und Sexarbeiter*innen rund um Ste­pha­nie Klee, einer Huren­ak­ti­vis­tin, die nach der Grün­dung von Hydra e.V lan­ge dort gear­bei­tet hat­te. Auch poli­tisch ging es rund: Die neue rot-grü­ne Regie­rung in Deutsch­land merk­te im Koali­ti­ons­ver­trag 1998 klar an „die recht­li­che und sozia­le Lage von Pro­sti­tu­ier­ten zu ver­bes­sern“. Die CDU hielt damals dage­gen — im Gegen­satz zur Ver­ge­wal­ti­gung in der Ehe war Sex­ar­beit nicht ver­ein­bar mit christ­li­chen Wer­ten. 2002 gab es dann doch end­lich ein neu­es Gesetz – und immer­hin wur­de die Sit­ten­wid­rig­keit abge­schafft (Ver­stoß gegen „die guten Sit­ten“). Vermieter*innen und Bordellbetreiber*innen wur­de ab sofort nicht mehr Zuhäl­te­rei unter­stellt, nur weil sie für Kon­do­me, Zewas und fri­schen Kaf­fee gesorgt haben. Ein Bünd­nis wie der BSD wäre vor­her gar nicht mög­lich gewe­sen, man hät­te es als kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gung ein­ge­stuft und staats­an­walt­lich ver­folgt. Doch es war ein Zei­chen der Wirk­mäch­tig­keit der Huren­be­we­gung dass es über­haupt so weit gekom­men ist dass vie­le Pro­sti­tu­ier­te ohne Restrik­tio­nen zu fürch­ten arbei­ten konn­ten! Der damals ein­ge­schla­ge­ne Weg sorg­te auch für rück­läu­fi­ge Zah­len bezüg­lich Men­schen­han­del (die­se Zah­len sind übri­gens wei­ter­hin rück­läu­fig, wie die­se aktu­el­le Doku­men­ta­ti­on aus dem Bun­des­tag zeigt). Dass wir wie ande­re Men­schen auf die Bestim­mun­gen des Arbeits­rech­tes bestehen kön­nen, bleibt uns Sex­ar­bei­ten­den immer noch ver­wehrt. Seit Jah­ren kämp­fen wir für die Ver­bes­se­rung des aktu­el­len “Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­set­zes” und gleich­zei­tig gegen das sich aus­brei­ten­de Schwe­di­sche Modell. Migrant*innen ohne fes­ten Auf­ent­halts­sta­tus wer­den lei­der über­haupt nicht mit­ge­dacht. Da sie nur ille­gal arbei­ten kön­nen und Aus­wei­sung befürch­ten müs­sen sind sie leich­te Opfer für Ver­stri­ckun­gen in Abhän­gig­kei­ten bzw. Men­schen­han­del.

Der Berufsverband — Geschichte und Heute

Heut­zu­ta­ge ist die Huren­be­we­gung nicht mehr so aktiv wie in den 70er und 80er Jah­ren. Nicht­de­sto­trotz steckt immer noch eine Kraft in der Huren­be­we­gung, wenn es dar­auf ankommt. Seit 2013 gibt es unse­ren BesD, der Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen, in dem aus­schließ­lich Men­schen sind die selbst der Sex­ar­beit nach­ge­hen bzw. nach­ge­gan­gen sind. Eine Auf­fri­schung der Huren­be­we­gung soll­te statt­fin­den, die Wis­sen­schaft­le­rin Mareen Heying sprach von einem neu­en Cha­rak­ter und einem kla­ren Pro­fil. Den Begriff der Sex­ar­beit gibt es seit 2014. Geprägt wur­de er von der Sex­ar­bei­te­rin und Publi­zis­tin Melis­sa Gira Grant die damit für die Aner­ken­nung der bezahl­ten Dienst­leis­tung Sex­ar­beit und gegen das Huren­stig­ma ein Zei­chen gesetzt hat. Das ame­ri­ka­ni­sche Wort „sex­work“ haben wir dann ein­ge­deutscht. Bei der Grün­dung des Berufs­ver­band wur­den wir durch die Gewerk­schaft ver­di unter­stützt, erwähnt sei in die­sem Zusam­men­hang auch die Gewerk­schafts­frau Emi­li­ja Mit­ro­vic, deren Enga­ge­ment für Sexarbeiter*innen und Migrant*innen weit über die Gren­zen der Gewerk­schaft bekannt war. Gesund­heits­or­ga­ni­sa­tio­nen wie die deut­sche AIDS Hil­fe oder die Gemein­nüt­zi­ge Stif­tung Sexua­li­tät und Gesund­heit unter­stüt­zen uns bis heu­te. Die Gesell­schaft für Sex­ar­beits- und Pro­sti­tu­ti­ons­for­schung macht mit inter­dis­zi­pli­nä­ren Bei­trä­gen die­ses wich­ti­ge The­ma für die Öffent­lich­keit sicht­ba­rer. Der Berufs­ver­band stell­te die ers­ten Coro­na-Infor­ma­tio­nen spe­zi­ell für Sex­ar­bei­ten­de zusam­men. Mit der Akti­on #Rot­licht­AN im Som­mer 2020 — gin­gen wir zusam­men mit dem BSD, Vertreter:innen etli­cher Bera­tungs­stel­len, Bordellbetreiber:innen und Kolleg:innen aus ganz Deutsch­land auf die Stra­ße, um gegen die Ungleich­be­hand­lung mit ande­ren kör­per­na­hen Dienst­leis­tun­gen bezüg­lich Ein­schrän­kun­gen wegen Coro­na Maß­nah­men zu pro­tes­tie­ren. Wir for­der­ten Öff­nungs­per­spek­ti­ven für unse­re Bran­che. Es gelang uns, einen Not­hil­fe Fond aus der Tau­fe zu heben und so Men­schen aus der Bran­che zu hel­fen die sonst kom­plett durch alle Maschen des sozia­len Net­zes gefal­len wären. Ins­ge­samt 250.000 € – um genau zu sein 248.732 € — haben wir an Spen­den­gel­dern zusam­men­ge­trom­melt und auch mit Hil­fe der BUFAS Stel­len deutsch­land­weit wei­ter ver­teilt. Wir set­zen uns für die bes­se­re Reprä­sen­ta­ti­on von Sex­ar­beit und Men­schen in der Sex­ar­beit in den Medi­en ein. Wir for­dern Unter­stüt­zung für geflüch­te­te Sex­ar­bei­ten­de und Schutz vor Men­schen­han­del für Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne. Was zunächst ein Zusam­men­schluss von 50 Sex­ar­bei­ten­den war, hat sich mitt­ler­wei­le zum größ­ten Ver­band in Euro­pa ent­wi­ckelt. Mitt­ler­wei­le nähern wir uns vor­sich­tig der 1000-Mit­glie­der Mar­ke. Unse­re Arbeit ist, trotz eini­ger weni­ger (Teil­zeit-) stel­len meist ehren­amt­lich. So auch die mei­ni­ge. Mein Inter­es­se gilt schlicht der Job­er­hal­tung sowie gegen Miso­gy­nie und Huren­stig­ma ein­zu­ste­hen. Wir blei­ben laut und ver­lan­gen: REDET MIT STATT ÜBER UNS! Der Zweck der Berufs­ver­bands ist nach wie vor das Enga­ge­ment für gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen in der Sex­ar­beit. Es geht um die Stär­kung der Rech­te von Sex­ar­bei­ten­den gegen­über Poli­tik, Kunde*innen und Bordellbetreiber*innen. Wir möch­ten auch in den kom­men­den Jah­ren dazu bei­tra­gen, ein rea­lis­ti­sches Bild der Sex­ar­beit als pro­fes­sio­nel­le Dienst­leis­tung zu ver­mit­teln und sicher­stel­len, dass Sexarbeiter*innen bei der frei­wil­li­gen Aus­übung die­ses Berufs geschützt und nicht dar­an gehin­dert wer­den.
Die­ser Bei­trag stammt von Madame Kali – Sex­ar­bei­te­rin, Künst­le­rin und gelern­te Erzie­hungs­wis­sen­schaft­le­rin. Hier liest du mehr von ihr auf ihrem Blog. 
Quel­len:
  • Bier­mann, Pie­ke: „Wir sind Frau­en wie ande­re auch – Pro­sti­tu­ier­te und ihre Kämp­fe“, Rein­bek, Ham­burg 1979
  • Hrsg.Drößler, Chris­ti­ne, im Auf­trag der HWG: „Women at Work, Sex­ar­beit, Bin­nen­markt und Eman­zi­pa­ti­on – Doku­men­ta­ti­on zu ers­ten euro­päi­schen Pro­sti­tu­ier­ten­kon­gress, Ber­lin 1992
  • Hrsg.: Eppen­dör­fer, Hans: „Dome­ni­ca, Kör­per mit See­le – Mein Leben“ Mün­chen 1994
  • Flex­ner, Abra­ham: „Die Pro­sti­tu­ti­on in Euro­pa“, Ber­lin 1922
  • Grant, Melis­sa Gira: Hure spie­len : Die Arbeit der Sex­ar­beit ; Mit einem Vor­wort von Mit­hu M. San­y­al Ham­burg 2014
  • Hrsg.: HWG: „Pro­sti­tu­ti­on – ein Hand­buch“, Mar­burg 1994
  • Heying, Mareen: „Huren in Bewe­gung. Kämp­fe von Sex­ar­bei­te­rin­nen in Deutsch­land und Ita­li­en, 1980 bis 2001, Essen 2019.
  • Wal­den­ber­ger, Almuth: „Die Huren­be­we­gung – Geschich­te und Debat­ten in Deutsch­land und Öster­reich“, Wien 2016