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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Diversität und Awareness: Gedanken zu Rassismus und anderen Diskriminierungen

Diversität und Awareness: Gedanken zu Rassismus und anderen Diskriminierungen

Diversität und Awareness: Gedanken zu Rassismus und anderen Diskriminierungen
Die­ser Text stammt aus der Feder von Char­lie Han­sen, ange­stell­te Mit­ar­bei­te­rin des Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen. Im Rah­men­pro­gramm der kom­men­den ers­ten vir­tu­el­len Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ver­eins lei­tet sie gemein­sam mit Cas­par Tate die AG  “Diver­si­tät und Awa­re­ness”. Das ers­te Tref­fen der AG fin­det am 12. Okto­ber um 16:00 statt — BesD-Mit­glie­der die teil­neh­men möch­ten, fin­den die Anmel­de­mög­lich­keit im Forum und unse­rer Tele­gram-Grup­pe, bezie­hungs­wei­se kön­nen sich direkt bei Char­lie unter mel­den. 
Wir als Sexarbeiter*innen ken­nen uns aus mit Dis­kri­mi­nie­run­gen. Als Sex­wor­ker sind wir vie­len Vor­ur­tei­len und Belei­di­gun­gen aus­ge­setzt. Ande­re Men­schen reden schlecht über unse­ren Job und teil­wei­se trau­en wir uns auch nicht offen zu sagen, dass wir Sex­ar­beit machen. Das Stig­ma ist mäch­tig und es kann uns über­all begeg­nen. Man könn­te jetzt davon aus­ge­hen, dass wir als Men­schen mit sol­chen Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen sen­si­bel gegen­über ande­ren For­men von Dis­kri­mi­nie­rung sind und es inner­halb der Sex­wor­ker-Gemein­schaft einen Raum gibt, in dem zumin­dest weni­ger dis­kri­mi­niert wird, als in der Durch­schnitts­ge­sell­schaft… Doch so ein­fach ist es lei­der nicht! Vie­le Kolleg*innen in der Sex­ar­beit sind wei­te­ren For­men von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt — weil sie kei­nen deut­schen Pass haben, kein Deutsch spre­chen, dick sind, weil sie nicht weiß sind, weil sie kei­ne Bil­dungs­ti­tel haben oder Be*hindert sind oder weil sie nicht hete­ro sind, einen Trans­hin­ter­grund haben, que­er sind oder oder …  Im End­ef­fekt erle­ben alle Men­schen, die nicht weiß, gebil­det, und einer gewis­sen Norm ent­spre­chend, gesund und cis sind per­ma­nent Dis­kri­mi­nie­rung. Auch inner­halb der Com­mu­ni­ty pas­siert das stän­dig. Auch wir gren­zen ande­re und Kolleg*innen per­ma­nent aus und sind ver­let­zend gegen­über Men­schen, die nicht-weiß, nicht-deutsch, dis­ab­led, dick oder nicht-cis sind. Das ist nicht nur trau­rig, son­dern scha­det auch unse­rer Com­mu­ni­ty — wir schlie­ßen mit unse­ren Aus­sa­gen und Hand­lun­gen vie­le Men­schen, die unse­re Kolleg*innen sind aus und ver­pas­sen so die Chan­ce, uns flä­chen­de­ckend und als gro­ße Com­mu­ni­ty der Sex­wor­ker zu soli­da­ri­sie­ren und unse­re Kräf­te zu bün­deln. Zuletzt gab es inner­halb des BesD eine Dis­kus­si­on über Ras­sis­mus und ande­re ‑ismen und es war erschre­ckend zu sehen, wie in eben die­ser Dis­kus­si­on Vor­ur­tei­le und Ras­sis­men repro­du­ziert wur­den. Die Betrof­fe­nen, die die­se Dis­kus­si­on ange­sto­ßen haben, haben sich aus der Dis­kus­si­on aus Selbst­schutz ent­täuscht zurück­ge­zo­gen. Erschre­ckend, aber für mich auch lehr­reich. Mir ist dadurch bewusst gewor­den, dass wir uns unbe­dingt mehr mit dem The­ma aus­ein­an­der­set­zen müs­sen! Der Vor­wurf der BesD wäre ein Ver­band der Eli­tä­ren & Pri­vi­le­gier­ten ist nicht unbe­grün­det. Wir haben Mit­glie­der aus allen Berei­chen der Sex­ar­beit und mit ver­schie­dens­ten Natio­na­li­tä­ten — aber wir sind auch ein ziem­lich wei­ßer und deut­scher Ver­band — und das obwohl die Mehr­zahl der in Deutsch­land arbei­ten­den Kolleg*innen in die­sen demo­gra­phi­schen Fak­to­ren nicht abge­bil­det wird. Der BesD ist kein Ort, an dem sich alle wohl und will­kom­men füh­len. Das liegt auch dar­an, dass vie­le unse­rer akti­ven Mit­glie­der nach außen wie nach innen mit dis­kri­mi­nie­ren­der und ver­let­zen­der Spra­che kom­mu­ni­zie­ren. Die meis­ten, die bei uns aktiv sind, sind weiß, cis und schlank. Ich selbst bin cis, weiß, habe einen Uni­ab­schluss und obwohl ich mich als Anti­ras­sis­tin bezeich­ne, muss­te ich in den letz­ten Wochen fest­stel­len, dass ich stän­dig Dis­kri­mi­nie­run­gen und Ras­sis­men repro­du­zie­re — das steckt unglaub­lich tief in uns drin. Wir alle tun das! Stän­dig!! Jede*r der behaup­tet sich nie ras­sis­tisch oder dis­kri­mi­nie­rend zu äußern, hat sich noch nicht aus­rei­chend mit dem The­ma aus­ein­an­der­ge­setzt. Pri­vi­le­gier­te neh­men die all­täg­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen meist gar nicht wahr — weil mensch nicht davon betrof­fen ist. Man muss also abso­lut kein*e Rassist*in sein, um ras­sis­tisch zu reden und Ras­sis­men zu repro­du­zie­ren. Kaum jemand dis­kri­mi­niert absicht­lich — es geht also nicht um Schuld­zu­wei­sun­gen — es geht dar­um kon­struk­tiv und neu­gie­rig zu sein und zu über­le­gen, wie man es bes­ser machen kann. Es geht nicht dar­um, was man sagen darf, son­dern was man sagen möch­te — es geht um Ver­ant­wor­tung. Per­so­nen, die die­se Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen nicht per­sön­lich machen muss­ten, sind ihnen gegen­über oft nicht sen­si­bi­li­siert* und müs­sen erst durch viel Ein­füh­lungs­ver­mö­gen ler­nen, Dis­kri­mi­nie­rung über­haupt zu erken­nen und auch zu erken­nen, wann sie sie selbst aus­üben. Hier möch­te ich ger­ne mit euch tei­len, was ich in den letz­ten Wochen gelernt habe: Ich weiß, dass vie­le erst mal den­ken: Was darf ich über­haupt noch sagen…? Dann sag ich lie­ber nichts mehr…? Ich habe Angst was Fal­sches zu sagen… Vor­ab: Ich möch­te nicht, dass es dar­um geht ab sofort alles rich­tig zu machen — das geht schlicht nicht. Aber ich wün­sche mir eine Kul­tur, in der alle inter­es­siert sind dazu­zu­ler­nen. Es ist nicht schlimm, einen Feh­ler zu machen oder sich falsch aus­zu­drü­cken, aber es ist ein Pro­blem, wenn die sel­ben Dis­kri­mi­nie­rungs­for­men trotz Kri­tik immer wie­der ver­wen­det wer­den und wir so unse­re Kolleg*innen aus dem Ver­band mob­ben. Ich wün­sche mir sehr, dass wir uns als Ver­band gemein­sam auf die­sen Weg machen. Das ist kein The­ma, das wir abar­bei­ten, son­dern etwas, was wir mit­den­ken ler­nen müs­sen! Ein The­ma, zu wel­chem wir immer wie­der dis­ku­tie­ren und uns mit­ein­an­der und jede*r für sich aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Wenn wir das nicht tun, ist unse­re Arbeit an vie­len Stel­len ein­fach Heuch­le­rei — wir ver­lan­gen, dass sich die Welt in Bezug auf Sex­ar­beit end­lich ändert und sind nicht bereit uns selbst zu ändern…? Ich wün­sche mir, dass sich in Zukunft auch mehr­fach­dis­kri­mi­nier­te Men­schen bei uns wohl füh­len und Lust haben sich bei uns zu betei­li­gen. Ich wün­sche mir, dass unser Ver­band viel­fäl­ti­ger und diver­ser wird. * Anmer­kung: An die­ser Stel­le stand ursprüng­lich, dass Men­schen, die gewis­se Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen nicht selbst erlebt haben die­sen gegen­über “blind sind”. Wir haben das geän­dert, da dies eine ableis­ti­sche Meta­pher ist. Denn die Leu­te sind ja nicht wirk­lich _unfähig_, Din­ge zu sehen (Blind­heit ist nicht steu­er­bar), son­dern haben sich ein­fach noch nie tie­fer­ge­hend damit aus­ein­an­der­ge­setzt (was sehr wohl steu­er­bar ist).