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2. Juni: Hurentag

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F*CK! Ich bin ein Gespenst. Selbstgespräch einer sexuell selbstbestimmten Frau.

F*CK! Ich bin ein Gespenst. Selbstgespräch einer sexuell selbstbestimmten Frau.

F*CK! Ich bin ein Gespenst. Selbstgespräch einer sexuell selbstbestimmten Frau.
Die­ser Bei­trag wur­de von unse­rem Mit­glied Kris­ti­na Mar­len ver­fasst; wir wün­schen viel Genuss beim Lesen:
Das Schwei­zer Fern­se­hen, SRF , hat sich in einem phi­lo­so­phi­schen Stamm­tisch der Fra­ge ange­nom­men, ob man für Sex zah­len dür­fe .
Erst­mal Dank an die Kol­le­gin und ein­zi­ge Sex­ar­bei­te­rin am Tisch Salo­me Bal­thus, dass Du die Fas­sung gewahrt hast, obwohl du ja sogar ange­kün­digt hast, im Lau­fe des Gesprä­ches viel­leicht aus­fal­lend zu wer­den. Cha­peau, nicht gesche­hen.
Ich wäre an der ein oder ande­ren Stel­le ver­mut­lich aus­fal­lend gewor­den. Die reak­tio­nä­re und mora­li­sche Agen­da zeig­te sich in ihrem sti­lis­tisch form­voll­ende­ten Gewand (phi­lo­so­phisch), was sie nicht weni­ger ätzend macht. Ich ver­lau­te ungern, dass mir vor allem die zwei­te Frau am Stamm­tisch ein paar Mal fast die Gebär­mut­ter hat wan­dern las­sen. San­dra Kon­rad trifft ver­hee­ren­de Aus­sa­gen über Sexarbeiter*innen, die anmas­send sind und jeder brei­te­ren empi­ri­schen Grund­la­ge ent­beh­ren. Sie eli­mi­niert damit alle anders lau­ten­den Erfah­rungs­be­rich­te, die Sexarbeiter*innen je for­mu­liert haben und erklärt so auch die der ein­zi­gen Hure am Tisch als unglaub­wür­dig. In ihrem mah­nend humor­lo­sen Ton­fall, als The­ra­peu­tin die abso­lu­te und bedin­gungs­lo­se Ver­trau­ens­wür­dig­keit für immer gepach­tet, holt sie jedoch die Mas­se der besorg­ten Bürger*innen ab, die sich auf ihrem Mit­leid für “die Ande­ren” (Huren und ande­re lose Sub­jek­te) in, wie ich ver­mu­te, bei­na­he sexu­el­ler Erre­gung erge­hen.
Mit­leid ist die per­fi­des­te Form der Arro­ganz. Die effek­tivs­te Form, struk­tu­rel­le Ungleich­heit fest­zu­kle­is­tern — die, die von oben her­ab bli­cken, haben sich ihren Platz im Gefü­ge am Bes­ten gesi­chert, ohne sich die Fin­ger schmut­zig zu machen.
Es mag nicht wun­dern, dass San­dra Kon­rad so gut Bescheid weiss über das Pro­blem aller #Huren, auch wenn sie der am Tisch nicht zuhört; denn sie hat Mit­leid mit allen Frau­en. Die Ver­fas­se­rin des Buches “Das beherrsch­te Geschlecht — War­um sie will, was er will” hält die sexu­ell selbst­be­stimm­te Frau (also nicht nur die selbst­be­stimm­te Hure) für eine “Fata Mor­ga­na” (Quel­le: s.u.). Well then. Nichts hin­zu­zu­fü­gen. Oder doch?
Kurz ein­ge­scho­ben: das Buch ent­hält eine umfang­rei­che Dar­stel­lung der weib­li­chen #Sexua­li­tät in Geschich­te und Gegen­wart — auch aus ihrer Per­spek­ti­ve als The­ra­peu­tin. Ich schät­ze das Buch über vie­le Kapi­tel und vie­le The­sen sind schlicht­weg Teil eines femi­nis­ti­schen All­ge­mein­wis­sens, das als Basis die­nen muss, wenn wir Befrei­ung der Geschlech­ter heu­te wei­ter umset­zen wol­len. Also dan­ke dafür.
Wer sich inten­siv mit mensch­li­cher Sexua­li­tät befasst, wird um eini­ge Erkennt­nis­se nicht her­um­kom­men: Men­schen kom­mu­ni­zie­ren zu wenig in Sexua­li­tät und tau­schen im Bett alles mög­li­che, auch sexu­el­le Gefäl­lig­kei­ten, und ums Füh­len geht es dabei häu­fig nicht in ers­ter Linie; weib­li­che Sexua­li­tät ist in der Geschich­te und bis heu­te unter­drückt und häu­fig aus­ge­beu­tet; wir leben in einer Welt der engen Geschlech­ter­ste­reo­ty­pen, die trau­rig limi­tie­rend sind und Män­nern meis­tens mehr Hand­lungs­spiel­raum las­sen als Frau­en.
All das, Dác­cord. Aber wie ist es mög­lich, in einem so umfas­sen­den Buch um all die Frau­en* (und Män­ner*) her­um­kom­men, die es anders machen und gera­de mit und in die­ser Geschich­te umschrei­ben, aneig­nen, quer­le­ben? Die Frau­en*, die ihren Sex füh­len und leben inmit­ten all der Kli­schees, Nor­men und Tabus, die um weib­li­che Sexua­li­tät auf­ge­stellt sind wie schrank­för­mi­ge Secu­ri­ty­Cops? Wie kommt man auch um die Partner*innen die­ser Per­so­nen her­um, die ande­re Bezie­hungs­for­men, ande­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wei­sen ent­wi­ckeln, um Bezie­hung und Sex zum ech­ten Erleb­nis für alle zu machen? Wo sind über­haupt die #Les­ben in die­sem Buch, hat Frau Kon­rad schon­mal davon gehört, dass Men­schen jen­seits hete­ro­se­xu­el­ler Vor­ga­ben leben? Und soll­ten wir Frau Kon­rad viel­leicht mal ein paar Frei­kar­ten für das Porn­film­fes­ti­val Ber­lin geben, damit sie ihren Hori­zont über expli­zi­tes fil­mi­sches Schaf­fen erwei­tern kann?
Dass Men­schen häu­fig nicht über den eige­nen Erfah­rungs­schatz hin­aus­den­ken kön­nen, ist nicht per se ver­werf­lich, auch wenn es scha­de ist. Wenn man aber Bücher schreibt, die einen gewis­sen Wahr­heits­an­spruch erhe­ben, dann geht das so lei­der nicht.
Wer ver­hee­ren­de Buch­ti­tel in die Welt setzt, die unwahr und belei­di­gend sind, muss sich fra­gen las­sen, was sie damit bewir­ken will. Ist “Das beherrsch­te Geschlecht” ein Titel, der in die #Frei­heit führt und war­um löscht er die Kämp­fe und Exis­ten­zen wich­ti­ger Men­schen?
Mich zum Bei­spiel und den Gross­teil mei­ner weib­li­chen* Freund*innen, Liebhaber*innen, Kolleg*innen, mei­ne wil­den Kund*innen und ihre Gespiel*innen, Porn- und Pop­stars, Diven, Domi­nas, gros­se Frau­en* der Geschich­te, die sich nicht drum geschert haben, wie “Frau” sich ver­hal­ten soll­te, und des­halb ein sehr fröh­li­ches Leben haben oder hat­ten, die gibt es dann wohl ein­fach nicht.
BUFF — ich ver­schwin­de dann mal. Ich bin nur ein Gespenst. So wie es auch alle Huren tun soll­ten. Vom Erd­bo­den ver­schwin­den.
Aber war­tet. Wir kom­men wie­der. Immer und immer wie­der. In Euren Träu­men. In Euren Bet­ten. Wir spre­chen, wir stöh­nen und wir holen uns gna­den­los unse­re Orgas­men, wir sit­zen auf Euren Gesich­tern und kom­men direkt auf Euren platt­ge­drück­ten Nasen. Es gab uns immer schon, auch wenn ihr uns bis in 21. Jahr­hun­dert tot­re­den wollt. Wir sind unsterb­lich. Wir sind und blei­ben die Hexen. Ver­brennt uns doch. Wir haben Wun­der­kräf­te und kochen Zau­ber­trän­ke direkt aus dem eige­nen Eja­ku­lat.
Es lebe die sexu­ell selbst­be­stimm­te Frau.
PS. wie wäre es mit einem Hash­tag? #Fata­mor­ga­na .…???
Fae­he Miche­li­na, Mag­gie Tapert Sere­na Lau­ra Kris­ti­na Mar­len Mareen Scholl Ruby May Hen­ri­ke Igle­si­as Susan­ne Wen­del Ilan Ste­pha­ni Mit­hu Mela­nie San­y­al Lau­ra Méritt Jose­fa Nere­us Deva Bhu­sha Yel­la Cremer Rubia Bright Iva Sami­na and all the wit­ches around, plea­se share befo­re you dis­ap­pear
Quel­len:
der Phi­lo­so­phi­sche Stamm­tisch im SRF mit Salo­me Bal­thus, Sarah Kon­rad, Domi­ni­que Kuenz­le, Peter Scha­ber
San­dra Kon­rad: Das beherrsch­te Geschlecht. War­um sie will, was er will. Piper 2018.
Hier eines der unzäh­li­gen Inter­views, alle mit dem sel­ben trost­los bes­ser­wis­se­ri­schen Duk­tus ‑Hier die FATA MORGANA: https://m.tagesanzeiger.ch/articles/5a510090ab5c373370000001
Dan­ke De Paul, noch­mal für den Anstoß, einen Kom­men­tar dazu zu ver­fas­sen. Es gäbe noch mehr zu sagen. Dies ist nur das Wort zum Mitt­woch, das bereits eine Wei­le in der Gruft mei­nes Gespenstin­nen­da­seins gewü­te­tet hat.