Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Frauen*Kampftag in Rostock: Rede einer Sexarbeiterin zum Frauentag 2020

Frauen*Kampftag in Rostock: Rede einer Sexarbeiterin zum Frauentag 2020

Frauen*Kampftag in Rostock: Rede einer Sexarbeiterin zum Frauentag 2020
Rede­bei­trag von BesD-Mit­glied und Sex­ar­bei­te­rin Vani (kaufmich.com/Muecke1403) anläss­lich des Frauen*Kampftags in Ros­tock. Dan­ke außer­dem an SeLa — Selbst­be­stimmt Leben und Arbei­ten, das Cen­trum für sexu­el­le Gesund­heit, Frau­en­streik Ros­tock und Demo zum Frauen*kampftag.   Wow. Ich bin echt auf­ge­regt. Ich bin immer auf­ge­regt, wenn ich vor gro­ßen Grup­pen spre­chen soll. Aber heu­te bin ich ganz beson­ders auf­ge­regt. War­um? Weil ich als Sex­ar­bei­te­rin vor euch ste­he. Ich bin Escort und Mit­glied des BesD, des Berufs­ver­ban­des für ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen. Und genau in die­ser Rol­le wer­de ich, oder wird das was ich tue, von unglaub­lich vie­len Men­schen immer noch als unmo­ra­lisch, dre­ckig, eklig, bil­lig oder sonst wie abge­wer­tet. Weil Frau­en immer noch in Hure und Hei­li­ge ein­ge­teilt wer­den, also in gute Frau, schlech­te Frau. Die gute Frau ist die, die nicht auf­fällt und nicht auf­regt, die die Klap­pe hält und tut was sie soll, die in der Öffent­lich­keit kein sexu­el­les Wesen ist, dem Part­ner aber schon zur Ver­fü­gung steht, wenn der es wünscht. Die schlech­te ist die, die all das bricht, die nicht alles nach außen hin schön wir­ken lässt, die — um Got­tes Wil­len — eige­ne sexu­el­le Bedürf­nis­se hat, was schon geil ist und ab und zu mal benutzt wer­den kann, aber halt nicht als Freun­din oder Frau zu Hau­se — und wehe die eige­ne Toch­ter gehört dazu. Ich bin in dem Sze­na­rio natür­lich ganz offen­sicht­lich die Schlech­te und damit habe ich mir jeden Respekt, der einem Men­schen ent­ge­gen gebracht wer­den könn­te, ver­spielt. Das ist das so genann­te Huren­stig­ma. In mei­nem Fall heißt das, dass ich mit mei­ner Fami­lie und neu­en Leu­ten nicht über mei­nen All­tag spre­chen kann, weil ich Angst vor der Reak­ti­on habe. Es heißt, ich hab mich echt schei­ße gefühlt, als ich zu der laut „Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­setz“ ver­pflich­ten­den Gesund­heits­be­ra­tung gehen muss­te und mir mit einer Her­ab­las­sung son­der­glei­chen erklärt wur­de, wie Ver­hü­tung noch­mal funk­tio­niert. Es heißt, ich habe enge Freun­de ver­lo­ren, weil die Per­son “auch wenn sie mich nicht ver­ur­tei­len will, jetzt doch ein­fach irgend­wie anders über mich denkt”. Ich habe zum Glück Freun­de, die Bescheid wis­sen, die mich unter­stüt­zen und mit denen ich über Erleb­tes spre­chen kann. Und ich bin weiß, ich bin Deut­sche, ich bin Cis-Gen­der, nicht-behin­dert, Aka­de­mi­ke­rin, ich spre­che die Lan­des­spra­che flie­ßend, ich kann lesen und schrei­ben und ich kann sogar Behör­den­deutsch ver­ste­hen. Das alles heißt, dass es vie­le Sexarbeiter*innen gibt, die in viel pre­kä­re­ren Situa­tio­nen arbei­ten als ich. Für Frau­en mit weni­ger Pri­vi­le­gi­en bedeu­tet das Huren­stig­ma viel­leicht Gewalt. Es bedeu­tet viel­leicht, dass sie mit NIEMANDEM über ihren All­tag spre­chen kön­nen. Es bedeu­tet Schwie­rig­kei­ten umzu­stei­gen und einen neu­en Job zu fin­den, eine schlech­te­re gesund­heit­li­che Ver­sor­gung, Scham oder ein eige­nes Risi­ko bei der Anzei­ge von Straf­ta­ten. Und das in einer Gesell­schaft in der wir gera­de vor ein paar Jah­ren ange­fan­gen haben, die Sex­ar­beit zu ent­kri­mi­na­li­sie­ren. In letz­ter Zeit wer­den aber wie­der Stim­men laut, die eine Kri­mi­na­li­sie­rung for­dern, die­ses Mal in Form eines Sexkauf­ver­bots —  also Frei­er bestra­fen und mir mei­ne Arbeit im Prin­zip unmög­lich machen. Das Sexkauf­ver­bot will angeb­lich Frau­en schüt­zen, nicht indem es Sex­ar­beit siche­rer macht, son­dern indem es Sex­ar­beit abschafft. Denn die Logik der Frei­er­be­stra­fung ist nicht in ers­ter Linie “wir müs­sen die Frau­en unter­stüt­zen, die die­sen Beruf aus­üben” son­dern “Sex­ar­beit ist unmo­ra­lisch und soll­te nicht statt­fin­den”. Wel­co­me back beim Huren­stig­ma. Was stimmt ist, dass Sex­ar­beit sexis­ti­schen, ras­sis­ti­schen und vie­len ande­ren Struk­tu­ren unter­liegt, weil unse­re Gesell­schaft sexis­tisch, ras­sis­tisch, que­er­feind­lich und vie­les mehr ist. Und des­we­gen sind wir heu­te hier, des­we­gen orga­ni­sie­ren wir uns, demons­trie­ren und tun alles Mög­li­che um dage­gen zu kämp­fen und vor allem auch um soli­da­risch zu sein und uns gegen­sei­tig in unse­ren Kämp­fen zu unter­stüt­zen! Denn das Huren­stig­ma ist immer auch das Stig­ma von Frau­en, die ihre sexu­el­le Frei­heit leben ohne dafür Geld zu ver­lan­gen. Die irgend­wie anders nicht in das Bild der “Hei­li­gen” pas­sen. Die ihr Leben so leben, wie sie es wol­len und nicht wie unse­re sexis­ti­sche Gesell­schaft es vor­schreibt. Des­halb bit­te ich euch, seid auch ihr soli­da­risch mit Sexarbeiter*innen und kämpft für unse­re Rech­te. My Body, my choice!