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Ich bin nicht so wie die Anderen

Ich bin nicht so wie die Anderen

Ich bin nicht so wie die Anderen
Gedan­ken zur gegen­sei­ti­gen Stig­ma­ti­sie­rung unter Frei­ern von Juli­et­te: Es ist immer wie­der amü­sant, von mei­nen Kun­den die­se Aus­sa­ge zu hören. So wie an jenem Abend neu­lich, als mich mich ein Kun­de nach mei­nem Pri­vat­tanz noch auf ein Glas Sekt ein­lud. Wir saßen in einer Ecke und unter­hiel­ten uns. Irgend­wann schau­te er sich um und mein­te ent­täuscht zu mir: „This club is not very exclu­si­ve, is it?“ Er betrach­te­te dabei die betrun­ke­ne etwas prol­li­ge Jung­ge­sel­len­trup­pe auf der ande­ren Sei­te des Rau­mes, und rümpf­te die Nase. Ich lächel­te iro­nisch, zuck­te mit den Ach­seln und ant­wor­te­te: „Es gibt halt ganz unter­schied­li­che Gäs­te hier. Nicht alle sind so drauf wie die.“ Davor hat­te ich einen Stamm­kun­den, der oft und ger­ne über ande­re Kun­den läs­ter­te. Er war fest davon über­zeugt, dass er mit Abstand der anstän­digs­te, auf­ge­klär­tes­te Kun­de von ero­ti­schen Dienst­leis­tun­gen auf der gan­zen Welt war, der sogar genau wuss­te, was sich jede Dienst­leis­te­rin von einem Kun­den heim­lich wünscht… um es noch ein­deu­ti­ger zu sagen, der Herr litt an Nar­ziss­mus. Ich für mei­nen Teil konn­te bei sei­nen Erzäh­lun­gen nur nicken und Zustim­mung vor­täu­schen, da er sowie­so kei­nen Wider­spruch dul­de­te. Und erst recht nichts von ande­ren, wirk­lich anstän­di­gen Kun­den hören woll­te. So wie wir Sex­ar­bei­te­rin­nen uns bei vie­len Gele­gen­hei­ten nicht trau­en dür­fen, öffent­lich über unse­re Tätig­keit in der Sex­ar­beit zu spre­chen, wür­den die meis­ten unse­rer Kun­den wahr­schein­lich auch nicht irgend­wem von ihren Aben­teu­ern im Bor­dell oder im Strip­club erzäh­len. Eine gewis­se Anony­mi­tät wird auf bei­den Sei­ten gewünscht. Und es ist nor­ma­ler­wei­se gar nicht so schwer, ande­ren Frei­ern aus dem Weg zu gehen, wenn man nicht gera­de in einem FKK-Club oder in einem Strip­club unter­wegs ist. Gera­de in einem Strip­club sieht man als Kun­de sei­nes­glei­chen aus nächs­ter Nähe. Auch wenn sie auf der­sel­ben Par­ty sind fei­ern sie aller­dings nicht mit­ein­an­der, son­dern neben­ein­an­der, und wir­ken dabei immer ein wenig tap­sig. Aber klar, es ist auch nicht das Ziel in einem Strip­club, mit ande­ren Kun­den Spaß zu haben. Nur ein­mal habe ich wäh­rend der Arbeit im Strip­club beob­ach­tet, wie sich zwei Grup­pen vor­her unbe­kann­ten Män­ner grüß­ten und freund­lich mit den Fla­schen anstie­ßen. Nor­ma­ler­wei­se grü­ßen sich ein­an­der unbe­kann­te Gäs­te im Club gar nicht, auch wenn sie an einem Sams­tag­abend, an dem der Club voll­ge­packt ist, eng neben­ein­an­der sit­zen. Es ist, als ob sie sich Mühe geben wür­den, die ande­ren bloß nicht wahr­zu­neh­men. Ich habe mich schon oft gefragt, wenn die Kun­den ver­su­chen so zu tun, als wären sie die ein­zi­gen im Club, ob das nicht auch eine Aus­wir­kung der gegen­sei­ti­gen Stig­ma­ti­sie­rung sein könn­te. Trotz des leich­ten Zugangs zu Frei­er­fo­ren im Inter­net, wo Kun­den Gedan­ken, Pro­ble­me und Erfah­run­gen mit Dienstleister*innen aus­tau­schen kön­nen und dabei sehen, dass sie nicht „die ein­zi­gen“ sind, schei­nen vie­le Kun­den von ero­ti­schen und sexu­el­len Dienst­leis­tun­gen eine ziem­lich her­ab­las­sen­den Mei­nun­gen von ein­an­der zu haben. Manch­mal fra­gen mich mei­ne Kun­den wie ich eigent­lich zur Arbeit als ero­ti­sche Dienst­leis­te­rin ste­he und irgend­wann kom­men wir zum The­ma „ande­re Kun­den“ und wie die so sind. Ich wer­de skep­tisch gefragt, wie das so ist mit „ande­ren Män­nern“ und wie unan­ge­nehm das sein muss mit den meis­ten. Als ob der Kun­de, der mich in dem Moment aus­fragt, der ein­zig anstän­di­ge Kun­de wäre und alle ande­ren doch äußerst schreck­lich, unge­pflegt, respekt­los und ein­fach läs­tig sein müss­ten. Nach dem Mot­to: Ich armes Mäd­chen, dass ich mich jedes Mal mit sol­chen Schwei­nen her­um­schla­gen müs­se! Aber heu­te wäre doch mein Glücks­tag, weil ich mich gera­de mit DEM Traum­kun­den unter­hiel­te, der mich an dem Abend so groß­zü­gig von den ande­ren schmud­de­li­gen Kun­den abhal­te, wie der Rit­ter in schil­lern­der Rüs­tung der die Jung­frau in Nöten ret­tet. Meis­tens waren die Kun­den, die mich nach „dem Ande­ren“ frag­ten, gepfleg­te, höf­li­che Men­schen, und im Umgang mit mir auch ganz in Ord­nung. Wie inter­es­sant, dass die­se „Rit­ter“ gar nicht auf die Idee kom­men, dass sie mög­li­cher­wei­se nicht die ein­zi­gen ihrer Art sind. Dass sie solch ein schlech­tes Bild von ihren Mit­kun­den haben, natür­lich geprägt durch die “Freier”-stigmatisierenden Medi­en, obwohl sie in dem Moment, in dem sie Geld für Ero­tik aus­ge­ben, selbst Teil die­ser stig­ma­ti­sier­ten Grup­pe sind. Ja, oft muss ich schmun­zeln, wenn ich schon wie­der von einem Kun­den zu hören bekom­me, dass die „ande­ren“ doch alle gleich komisch, ekel­haft oder ver­ächt­lich sei­en und nur er wäre die tol­le Aus­nah­me. Krass, was für ver­dreh­te Aus­wir­kun­gen die Stig­ma­ti­sie­rung auf das Selbst­bild von Män­nern ver­ur­sacht! Sie löst Gefüh­le von Feind­lich­keit und Ver­leug­nung aus, anstatt Ver­ständ­nis und Selbst­er­kennt­nis.