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2. Juni: Hurentag

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Aktionswoche 2026

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„Nutten sind Menschen“? Stuttgarter Kampagne stigmatisiert Sexarbeitende!

„Nutten sind Menschen“? Stuttgarter Kampagne stigmatisiert Sexarbeitende!

„Nutten sind Menschen“? Stuttgarter Kampagne stigmatisiert Sexarbeitende!
„Eine völ­lig fal­sche Kam­pa­gne“, kommt es kopf­schüt­telnd von Anja Kas­ten, Stra­ßen-Sex­ar­bei­te­rin aus Han­no­ver. Woh­nungs-Sex­ar­bei­te­rin Tan­ja ringt nach Luft: „Ich könn­te kot­zen!“ Die Mit­glie­der des Berufs­ver­ban­des sind sich einig, dass die Pla­kat­ak­ti­on “Stutt­gart sagt Stopp” Sex­ar­bei­ten­den mas­siv scha­det. Groß ange­legt ist die Kam­pa­gne in Stutt­gart. Vier Pla­ka­te, die im ver­meint­li­chen Sze­ne­jar­gon angeb­lich “zum Umden­ken anre­gen sol­len”. Beson­ders Kun­den von Sex­ar­bei­ten­den sol­len mit Sät­zen wie „Die Wür­de des Men­schen ist auch beim Ficken unan­tast­bar“ oder “Nut­ten sind Men­schen“ ange­spro­chen wer­den. Der Ober­bür­ger­meis­ter selbst ist sich nicht zu scha­de, für die Ehren­ret­tung der Sex­ar­bei­ten­den ein­zu­tre­ten. Medi­en­wirk­sam lässt er sich vor den Kar­ren der Baden-Würt­tem­ber­ger Ret­tungs­in­dus­trie span­nen und neben den Pla­ka­ten ablich­ten. Und wie­der ein­mal wur­den wir Sex­ar­bei­ten­den nicht gefragt. Wie­der ein­mal wis­sen ande­re, was für uns das Bes­te ist. Wie­der ein­mal sind wir die Opfer, die wahl­wei­se benutzt, geret­tet oder abge­schafft wer­den sol­len. Unser Pro­blem sind nicht unse­re Kun­den. Der größ­te Teil von ihnen benimmt sich abso­lut pas­sa­bel. Unser größ­tes Pro­blem ist die gesell­schaft­li­che Stig­ma­ti­sie­rung. Und genau die­se wird durch die Stutt­gar­ter Kam­pa­gne mani­fes­tiert statt abge­baut. Die Stadt will nach eige­nen Wor­ten eine Wer­te­dis­kus­si­on zum Frau­en­bild in der Gesell­schaft, zu Sexua­li­tät und Part­ner­schaft ansto­ßen. Statt­des­sen wird mit Schub­la­den gear­bei­tet, die nicht zur Dis­kus­si­on anre­gen, son­dern das Bild des bru­ta­len Frei­ers und der wehr­lo­sen Pro­sti­tu­ier­ten ver­fes­ti­gen. Angeb­lich soll die Kam­pa­gne Zwangs- und Armut­s­pro­sti­tu­ti­on äch­ten. Doch kon­struk­ti­ve Hin­wei­se, wie denn ein respekt­vol­les Kun­den­ver­hal­ten aus­se­hen kön­ne, sucht man ver­geb­lich. Gren­zen des Gegen­übers zu wah­ren, höf­lich zu sein, ein Nein zu akzep­tie­ren, selbst­ver­ständ­lich Kon­do­me zu ver­wen­den, kei­ne Preis­dis­kus­sio­nen zu füh­ren — das wären sinn­vol­le Richt­li­ni­en für Kun­den. Statt­des­sen beschränkt man sich dar­auf, Frei­ern ein schlech­tes Gewis­sen ein­zu­re­den. “Armut­s­pro­sti­tu­ier­te” sol­len sie nicht auf­su­chen, was auch immer das sein oder wie auch immer das für den Kun­den erkenn­bar sein soll — denn das Geld ist bei den Kolleg_innen, die schon “reich” sind, sicher bes­ser auf­ge­ho­ben? Die Web­site von “Stutt­gart sagt Stopp” klärt aus­führ­lich auf: Über die repres­si­ven Poli­zei­maß­nah­men, Sperr­ge­bie­te und Zwangs­gel­der, mit­tels derer Stutt­gar­ter Sex­wor­ker bei stän­di­gen Kon­trol­len und Raz­zi­en schi­ka­niert wer­den. Über zusätz­li­che Son­der­steu­ern, die unse­re Mie­ten erhö­hen. Über das Ver­bot von Anbah­nung auf der Stra­ße, oft eine Mög­lich­keit, unab­hän­gig zu arbei­ten. Über die Ver­drän­gung und Ver­nich­tung von Arbeits­plät­zen durch Städ­te­pla­nungs- und Bau­recht: “Was macht die Stadt bau­recht­lich gegen die Bor­del­le?” “Die Stadt­ver­wal­tung ergreift jede recht­lich mög­li­che Gele­gen­heit, wei­te­re Nut­zun­gen zu unter­sa­gen. Dabei wird sie in geeig­ne­ten Fäl­len auch den Sofort­voll­zug anord­nen.” Wow! Vie­len Dank, Stutt­gart. Dass wir also jeder­zeit von heu­te auf mor­gen ohne Ein­kom­men daste­hen kön­nen, ver­bes­sert unse­re Lage ganz unge­mein! “Die Fra­ge eines gene­rel­len Ver­bots der Pro­sti­tu­ti­on ist nicht Gegen­stand die­ses Kon­zepts.”, so “Stutt­gart-sagt-stopp”. Es scheint, als sei­en die Par­al­le­len zu “Stopp-Sexkauf” und ande­ren Ver­bots­kam­pa­gnen rein zufäl­lig. Ent­spre­chend sind die Reak­tio­nen von Sex­ar­bei­te­rin­nen auf die Pla­ka­te: “Die­se Kam­pa­gne tut mir Gewalt an. Ein Kun­de hat das noch nie getan.” “Mir wird jedes mal kör­per­lich schlecht, wenn ich eines die­ser Pla­ka­te sehe. Und das soll mir hel­fen?” “Ich kann den Scheiß nicht mehr lesen … Nut­ten sind Men­schen … wie reden die von uns?” “Wenn die Macher die­ser Kam­pa­gne sich die Mühe gemacht hät­ten, sich mit den Betrof­fe­nen zu unter­hal­ten, statt ihren bigot­ten Dop­pel­mo­ral-Müll über uns aus­zu­schüt­ten, wäre ihnen das Wort “Nut­te” nicht pas­siert. Ich ken­ne kei­ne Sex­ar­bei­te­rin, die sich selbst so bezeich­nen wür­de.” “Wenn ein Kun­de mir blöd kommt, kann ich ihn ableh­nen. Die­se Pla­ka­te muss ich mir jetzt jeden Tag anse­hen.” “Als ich das gele­sen habe, hab ich ange­fan­gen zu zit­tern und Schwit­zen. Es fühlt sich an, als würd mir jemand Hand um den Hals legen und auf den Kehl­kopf drü­cken. Enge­ge­fühl in der Brust.” 125 000€ aus öffent­li­chen Gel­dern, um “Nut­ten” zu sagen, dass man sie als Men­schen sieht? Das Geld für die Kam­pa­gne hät­te man für die Ver­bes­se­rung von Arbeits­be­din­gun­gen aus­ge­ben kön­nen. Oder für eine Kam­pa­gne, die wirk­lich zu einem respekt­vol­len Umgang mit Sex­ar­bei­ten­den und zum Abbau des Stig­mas auf­ruft. Gelun­ge­ne Bei­spie­le für Frei­er­ka­ma­pa­gnen sind Ver­ant­wort­li­cher Frei­er, eine schwei­zer Web­site gegen Aus­beu­tung und Men­schen­han­del, oder die “Mach’s Mit”-Plakate der Deut­schen Aids­hil­fe, die auch in vie­len Bor­del­len aus­hän­gen. Die Men­schen­wür­de soll angeb­lich im Mit­tel­punkt ste­hen. Genau die aber wird bei der Stutt­gar­ter Kam­pa­gne mit Füßen getre­ten. Bor­del­le und Sex­dienst­leis­tun­gen unter­lie­gen Sperr­ge­bie­ten, wer­den aus der Öffent­lich­keit ver­bannt, ver­trie­ben und ein­ge­dämmt. Die Stadt Stutt­gart aber bezahlt eine Wer­be­kam­pa­gne, in der steht: “Nut­ten sind Men­schen”, “Die Wür­de des Men­schen ist auch beim Ficken unan­tast­bar”, “Willst du der Mann ihrer Alp­träu­me sein” “Kon­do­me benutzt man Frau­en nicht” Da stört es nicht, dass Kin­der es lesen kön­nen … Man ist sich nicht zu scha­de, Sex­dienst­leis­te­rin­nen als “Nut­ten” zu bezeich­nen und Kun­den als ekel­haf­te Mons­ter, die Frau­en Alp­träu­me besche­ren. Wie bigott und von Dop­pel­mo­ral durch­drun­gen die­se Kam­pa­gne ist, ist schon fast wit­zig. Die Poli­tik will gegen Armut­s­pro­sti­tu­ti­on vor­ge­hen und kürzt gleich­zei­tig Allein­er­zie­hen­den finan­zi­el­le Mit­tel. Man öff­net die Gren­zen und erlaubt EU Bür­gern die Frei­zü­gig­keit, wun­dert sich dann, wenn genau die­se das für sich in Anspruch neh­men und sich gegen Bil­lig­lohn­jobs ent­schei­den, und lie­ber selb­stän­dig Geld ver­die­nen in der Sex­ar­beit … In Stutt­gart fal­len die Mas­ken und man zeigt, wor­um es wirk­lich geht. Denn es geht dar­um, dass vor allem die “Armut­s­pro­sti­tu­ier­ten” ver­schwin­den sol­len, am bes­ten in ihre durch Armut gepräg­ten Städ­te und Dör­fer, aus denen sie kom­men, in denen es für sie kei­ne Mög­lich­kei­ten gibt, Geld für ihre Fami­li­en zu ver­die­nen … Was für eine gräß­li­che Frat­ze hin­ter der Mas­ke der “Wohl­tä­tig­keit”, die jetzt sicht­bar wird. Weder Fritz Kuhn noch irgend­ei­ne “Stopp Sexkauf” oder “Stutt­gart sagt Stopp”-Organisation kämp­fen gegen die glo­ba­le Unge­rech­tig­kei­ten einer kapi­ta­lis­ti­schen und neo­ko­lo­nia­len Wirt­schaft, die dazu füh­ren, dass Eltern sich für “Armut­s­pro­sti­tu­ti­on” ent­schei­den, um ihren Kin­der Hun­ger und Frie­ren zu erspa­ren. Statt­des­sen macht man eben­je­nen “Armut­s­pro­sti­tu­ier­ten” die Kun­den abspens­tig, was sie zusätz­li­cher Armut und finan­zi­el­lem Druck aus­setzt. Und um hier noch Herrn Kuhn und den “Stopp Sexkauf” Orga­ni­sa­tio­nen Nach­hil­fe zu geben: Die Lösung für die Abschaf­fung von Pro­sti­tu­ti­on aus Armut ist nicht, die Kund­schaft abzu­schre­cken oder gar zu bestra­fen. Der Lösungs­schlüs­sel ist eine effek­ti­ve, ernst­ge­mein­te und nach­hal­ti­ge Bekämp­fung von Armut.