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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Schutz vor Gewalt für alle Frauen — ohne Kriminalisierung von Sexarbeit

Schutz vor Gewalt für alle Frauen — ohne Kriminalisierung von Sexarbeit

Schutz vor Gewalt für alle Frauen — ohne Kriminalisierung von Sexarbeit
Zum Inter­na­tio­na­len Tag zur Besei­ti­gung der Gewalt gegen Frau­en wol­len wir dar­an erin­nern: Gewalt gegen Frau­en — ein­schließ­lich trans Frau­en sowie nicht-binä­rer Per­so­nen, die weib­lich gele­sen wer­den — ist eine schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zung, die kon­se­quent bekämpft wer­den muss.

Gewalt gegen Frauen bleibt ein drängendes Problem

  Gleich­zei­tig beob­ach­ten wir mit Sor­ge, dass in der poli­ti­schen Debat­te wie­der ver­mehrt sexu­el­le Gewalt, sexu­el­le Zwangs­ar­beit und Men­schen­han­del mit Sex­ar­beit ver­mischt wer­den.

Wer Sexarbeit pauschal als Gewalt definiert, verschließt die Augen vor den Ursachen von Gewalt und Ausbeutung, und schadet damit Betroffenen.

 

Warum Sexarbeitende besonders gefährdet sind

Sex­ar­beit fin­det nicht in einem Vaku­um statt und ist nicht von gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Pro­ble­men befreit. Im Gegen­teil kön­nen sich die­se Pro­ble­me beim Blick auf die Bran­che beson­ders krass zei­gen. War­um ist das so?

Aufgrund der Niedrigschwelligkeit des Einstiegs, die Sexarbeit für so viele Menschen zu einer vergleichsweise attraktiven Wahl macht, arbeiten viele mehrfach stigmatisierte Personengruppen in der Branche.

Diese sind aus unterschiedlichen Umständen statistisch besonders gefährdet, Opfer von Formen von Gewalt und Ausbeutung zu werden.

  Zum Bei­spiel:
  • weil sie von Armut bedroht sind
  • weil Erkran­kun­gen, kör­per­li­che Ein­schrän­kun­gen oder Behin­de­run­gen vor­lie­gen, die die Aus­übung vie­ler ande­rer Tätig­kei­ten auf­grund ihrer (kon­stan­ten) Zeit-Inten­si­tät unmög­lich machen
  • weil chro­ni­sche oder aku­te psy­chi­sche Erkran­kun­gen, zum Bei­spiel Sucht­er­kran­kun­gen, vor­han­den sind
  • weil eine Sprach­bar­rie­re besteht
  • weil sie eine ande­re Haut­far­be als die wei­ße Mehr­heits­ge­sell­schaft haben
  • weil sie kein offi­zi­el­les Auf­ent­halts­recht haben
  • weil sie kei­ne Arbeits­er­laub­nis in Deutsch­land haben
  • weil erlern­tes Miss­trau­en gegen­über Poli­zei oder Ämtern besteht
  (Sexu­el­le) Gewalt oder Aus­beu­tung kann im Pri­vat- wie im Arbeits­le­ben statt­fin­den — im Zusam­men­hang mit der Tätig­keit in der Sex­ar­beit sind bekann­te Pro­ble­me z.B.:  
  • Psy­chi­sche bzw. phy­si­sche Gewalt und Nöti­gung durch Beziehungspartner*innen (“Lover­boy-Metho­de”) oder Fami­lie /soziales Netzwerk/kriminelle Grup­pie­run­gen vor Ort oder im Ursprungs­land („Magi­sche Rituale/Zeremonie“, Bedro­hung von Ver­wand­ten, u.a.)
  • Macht­aus­übung durch Kon­trol­le über Finan­zen, finan­zi­el­le Aus­beu­tung
  • Aus­nut­zung man­geln­den Wis­sens über Geset­ze und Rech­te in Deutsch­land z.B.
  • Grenz­über­schrei­ten­de Kund­schaft auf­grund des sozia­len Macht­ge­fäl­le
  • Grenz­über­schrei­ten­de Inter­ak­tio­nen sei­tens Behörden/Ämter auf­grund von Machtgefälle/Vorurteilen etc.
  • Bedro­hung von Lebensgrundlage/Aufenthalt von Kindern/Wohnung durch Outing

Warum eine Kriminalisierung von Sexkauf nicht zielführend in der Bekämpfung von Missständen ist

Gewalt gegen Frau­en ist nicht sex­ar­beits-inhä­rent. Sex­ar­beit ist zugäng­li­cher als ande­re Beru­fe und das macht die­se Arbeit zu einer Wahl für vie­le Men­schen — ob als Wunsch­be­ruf, als Zwi­schen­lö­sung oder als bes­te Wahl unter den Umstän­den.

Erschwert man Sexarbeit durch strafende Maßnahmen wie Freierkriminalisierung, verschlechtert dies nur die Bedingungen der in der Sexarbeit tätigen Personen — das haben etliche Studien zu diesem Thema bereits bewiesen.

Men­schen mit wenig Wahl­mög­lich­kei­ten zum Brot­er­werb haben dadurch nur eine noch gerin­ge­re Aus­wahl.  

„Welt ohne Prostitution“ — Eine Fantasie, die Betroffenen schadet

Die pau­scha­li­sie­ren­de Dis­kus­si­on um eine ver­meint­li­che Abschaf­fung oder Ver­drän­gung von Sex­ar­beit (“Welt ohne Pro­sti­tu­ti­on”) behin­dert den Blick auf gewalt­be­trof­fe­ne Frau­en in der Sex­ar­beit und ver­hin­dert deren wirk­sa­me Unter­stüt­zung.
  • Men­schen, die von Gewalt und Aus­beu­tung gefähr­det sind pro­fi­tie­ren NICHT davon, dass man ihre Arbeit schwie­ri­ger und risi­ko­rei­cher macht, indem man die Kund­schaft kri­mi­na­li­siert, sprich: ihre wirt­schaft­li­che Grund­la­ge ent­zieht.
  • Sie pro­fi­tie­ren NICHT davon, dass über sie als bedau­erns­wer­te Opfer gespro­chen wird und ihre Fähig­keit zu eige­nen Ent­schei­dun­gen aberkannt wird.
  • Sie pro­fi­tie­ren NICHT davon, zum Umstieg in ande­re nied­rig­schwel­li­ge Tätig­kei­ten genö­tigt zu wer­den, in denen sie nur einen Bruch­teil der Ver­dienst­mög­lich­kei­ten haben.
  • Sie pro­fi­tie­ren NICHT davon, gegen ihren Wil­len “nach Hau­se” geschickt zu wer­den.
  • Sie pro­fi­tie­ren NICHT davon, dass Sex­ar­beit noch tabui­sier­ter wird, als es ohne­hin schon ist.

Sexkaufverbote führen nachweislich zu unsichereren Arbeitsorten, schlechterem Zugang zu Unterstützung, berechtigter Angst vor Behörden sowie einem immensen Anstieg der psychischen Belastung bei Sexarbeitenden:

Unter ande­rem durch Angst vor Behör­den sowie die Angst vor einem unge­woll­ten Outing und den schlim­men Kon­se­quen­zen, die ein sol­ches Outing nach sich zie­hen kann. Zum Bei­spiel:
  • die Gefahr als Eltern­teil das Sor­ge­recht zu ver­lie­ren / vor Gericht als weni­ger gut geeig­net ein­ge­stuft zu wer­den
  • die Gefahr als Mieter*in die Woh­nung gekün­digt zu bekom­men
  • die in ihrem Aus­maß nicht ein­schätz­ba­re Gefahr der sozia­len Bestrafung/Ausgrenzung  — durch mög­li­che Vor­ur­tei­le sei­tens Fami­lie, Nach­bar­schaft, Lehrer*innen des Kin­des, Ärzt*innen, etc.

Mehr Rechte, weniger Stigma: Was wirklich helfen würde

  Im Kampf gegen Gewalt und Aus­beu­tung von Frau­en* brau­chen wir kei­ne ver­stärk­te Kri­mi­na­li­sie­rung, son­dern mehr Nor­ma­li­sie­rung!

Die diesjährige Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes bietet eine wertvolle Basis dafür, welche Reformen der derzeitigen Gesetzeslage der richtige Anfang für eine Verbesserung der Lage in Deutschland wären!

Es han­delt sich dabei um die bis­her umfang­reichs­te Stu­die zur Pro­sti­tu­ti­on in Euro­pa, die auf­grund einer umfas­sen­den Daten­er­he­bung sowie der geziel­ten Ein­bin­dung von Sexarbeiter*innen bereits als weg­wei­send gilt (Abschluss­be­richt der Eva­lua­ti­on).

Langfristig brauchen wir eine Verschiebung der Branche ins „Hellfeld“:

  • den Abbau stig­ma­ti­sie­ren­der Son­der­re­ge­lun­gen wie der Anmel­de­pflicht
  • mehr Gel­der für nied­rig­schwel­li­ge Bera­tungs- und Unter­stüt­zungs-Ange­bo­te
  • Anti­s­tig­ma-Pro­jek­te, die Vor­ur­tei­le gegen Sexarbeiter*innen abbau­en
  • Mehr Rech­te und Sicher­heit ins­be­son­de­re für migran­ti­sche Sex­ar­bei­ten­de

Wir fordern:

  • Har­tes Durch­grei­fen gegen kri­mi­nel­le Orga­ni­sa­tio­nen, die gewalt­voll gegen Frau­en sowie weib­lich gele­se­ne Per­so­nen vor­ge­hen und die­se durch Nöti­gung, Erpres­sung oder sons­ti­ge Gewalt unter Kon­trol­le zu hal­ten und aus­zu­beu­ten suchen.
  • Flä­chen­de­cken­de, lang­fris­tig finan­zier­te und nied­rig­schwel­li­ge Bera­tungs­stel­len für Sex­ar­bei­ten­de. In  Sozi­al­ar­beit und prak­ti­scher Unter­stüt­zung vor Ort liegt der erfolg­ver­spre­chends­te Weg, Frau­en in einer miss­bräuch­li­chen Bezie­hungs­dy­na­mik – ob zum Intim­part­ner, Fami­lie oder Freun­den — dar­in zu unter­stüt­zen, die­ser zu ent­flie­hen.
  • Mehr Frau­en­häu­ser, die Sex­ar­bei­ten­de und trans Frau­en nicht aus­schlie­ßen!
  • Unbe­ding­ten Schutz vor Abschie­bung und Bestra­fung für alle Betrof­fe­nen von sexu­el­ler Aus­beu­tung — unab­hän­gig von ihrer Aus­sa­ge­be­reit­schaft gegen Täter*innen!
  • Anti­s­tig­ma-Arbeit, weil sie das Risi­ko für Gewalt nach­weis­lich senkt
  • Die Refi­nan­zie­rung des “Fonds Sexu­el­ler Miss­brauch”
  • Die kon­se­quen­te Umset­zung der Emp­feh­lun­gen aus dem Bericht der Istan­bul Kon­ven­ti­on
Ein wirk­sa­mer Gewalt­schutz muss alle Umstän­de und Hin­ter­grün­de im Blick behal­ten — ohne Ver­ken­nung der Ursa­chen von Gewalt und Aus­beu­tung und ohne ideo­lo­gi­sche Ver­zer­rung.