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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Sexarbeit in Corona-Zeiten: Die Krise aus der Perspektive von Selbstständigen

Sexarbeit in Corona-Zeiten: Die Krise aus der Perspektive von Selbstständigen

Sexarbeit in Corona-Zeiten: Die Krise aus der Perspektive von Selbstständigen
Die Sex­ar­bei­te­rin­nen Lady Gior­gi­na, Fräu­lein Ange­li­na und Phant­essa haben die­sen Text gemein­sam ver­fasst. Sie arbei­te­ten bis zum Arbeits­ver­bot wegen Coro­na in BDSM-Stu­di­os — als Domi­na, Bizarr­la­dy und Skla­via. Ihr Text ist bei den “Geschich­ten von Unten” von  “Hän­de Weg vom Wed­ding” erschie­nen. Seit Ende letz­ter Woche habe ich Arbeits­ver­bot in mei­nem Job, um die Infek­ti­ons­ge­fahr mit dem Coro­na-Virus gering zu hal­ten. So weit ver­ständ­lich und sinn­voll.  “Viel Zeit, all das zu tun, was ich schon seit lan­gem machen woll­te: Lesen, Reno­vie­ren, Repa­rie­ren, Schrei­ben”, dach­te ich am Anfang noch. Und in der Tat, mir wird vor­erst nicht lang­wei­lig. Aber haupt­säch­lich aus dem Grund, dass ich mir über­le­gen muss, wo ich jetzt das Geld her hole. Jetzt, wo für mich als Selbst­stän­di­ge nichts rein­kommt. Ich bin Sex­ar­bei­te­rin, und zwar aus Über­zeu­gung. Und natür­lich aus der Not­wen­dig­keit, mei­nen Lebens­un­ter­halt zu ver­die­nen. Ich habe auch ein Diplom und eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung, habe mich aber für die­sen Beruf ent­schie­den — weil ich ihn wich­tig fin­de in unse­rer Gesell­schaft. Weil das, was ich tue, ande­ren hilft. Das ist Psy­cho­the­ra­pie und Kör­per­ar­beit in einem. Dass das jetzt weg fällt für mei­ne Klient*innen, ist schon schlimm genug. Aber bei mir kommt de fac­to kein Geld rein. Ich muss krea­tiv wer­den, nach Online-Mög­lich­kei­ten suchen, oder nach etwas ganz ande­rem. Aber auch Fir­men, für die man kom­plett aus dem Home-Office arbei­ten könn­te, sind momen­tan mit der Situa­ti­on über­for­dert, stel­len erst ein­mal nie­man­den neu ein, so die Ant­wor­ten. Web­cam, Tele­fon­ses­si­ons – das kommt prin­zi­pi­ell infra­ge, aber auf die Idee sind natür­lich auch schon ande­re gekom­men, das Ange­bot ist groß. Wie sich die Nach­fra­ge über die nächs­ten Wochen ent­wi­ckeln wird, muss man sehen. Drau­ßen fei­ern Leu­te Coro­na-Par­ties und ich den­ke mir: „Wer fest ange­stellt ist, kann das ja rela­tiv leicht in Kauf neh­men und es fei­ern, nicht arbei­ten zu müs­sen.“ Wir Freiberufler*innen müs­sen aber dar­auf hof­fen, dass sich das Arbeits­ver­bot nicht zu lan­ge hin­zieht, denn Mie­te und Kran­ken­kas­se müs­sen schließ­lich wei­ter­hin bezahlt wer­den. Und essen möch­ten wir auch noch. Gleich­zei­tig den­ke ich mir auch: Ich ste­he wahr­schein­lich noch rela­tiv gut da, denn ich habe immer­hin noch ein Dach über dem Kopf, habe Bil­dung genos­sen und kann eini­ger­ma­ßen pro­blem­los Sozi­al­leis­tun­gen bean­tra­gen, falls es nötig wird. Sex­ar­beit wird aber auch von vie­len Per­so­nen gewählt, die es schwer haben in Deutsch­land. Weil sie hier kei­nen fes­ten Wohn­sitz haben, weil ihr Umfeld den Job nicht akzep­tie­ren wür­de, oder weil sie aus allen mög­li­chen Grün­den durch das sozia­le Netz fal­len. Schon allei­ne des­halb brau­chen wir jetzt schnel­le und unbü­ro­kra­ti­sche Hil­fen, wie das bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men. Und wer weiß, wie es dann über­haupt wei­ter­geht, in der Zukunft. Leni Brey­mai­er (SPD) freu­te sich auf Twit­ter, dass das vor­über­ge­hen­de Arbeits­ver­bot für Sex­ar­bei­te­rIn­nen qua­si ein Pro­be­durch­lauf für ein von ihr ange­streb­tes gene­rel­les Sexkauf­ver­bot ist: „#Coro­na. Geht doch. Man(n) kann ja schon mal üben.“ (Tweet vom 14.3.20) Was üben wir denn da? Kein Geld zu haben? Hartz IV Anträ­ge aus­zu­fül­len? Unse­ren Beruf in gefähr­li­cher Ille­ga­li­tät aus­zu­füh­ren? Das Gefühl zu ertra­gen, nicht ernst genom­men zu wer­den als Per­so­nen mit frei­em Wil­len zu unse­rer Berufs­wahl, der uns immer und immer wie­der abge­spro­chen wer­den soll? Wir brau­chen Unter­stüt­zung. Jetzt finan­zi­el­ler Art und spä­ter, wenn es dar­um gehen soll, das Schwe­di­sche Modell ein­zu­füh­ren, dann brau­chen wir poli­ti­sche Unter­stüt­zung. Das Schwe­di­sche Modell ist anti­fe­mi­nis­tisch und ent­mün­di­gend. Wir brau­chen Respekt. Wir brau­chen Sicht­bar­keit, damit wir nicht ein­fach heim­lich, still und lei­se unter den Tep­pich gekehrt wer­den. Wir möch­ten nicht üben für etwas, das uns das Recht auf freie Berufs­wahl nimmt. Wir möch­ten auch nicht dafür üben, von Sozi­al­leis­tun­gen zu leben. Wir möch­ten eine Ent­stig­ma­ti­sie­rung sei­tens der Gesell­schaft, der Behör­den und der Poli­tik. Wir möch­ten, wie jeder ande­re Mensch auch, dass die­se Kri­se mög­lichst schnell und mit mög­lichst wenig Ver­lus­ten vor­über geht. Und dass wir dann weder A) auf der Stra­ße sit­zen noch B) unser Beruf dann auch noch von anti­fe­mi­nis­ti­schen Moral­apos­teln unter dem Vor­wand, es gin­ge um unse­ren Schutz, ille­ga­li­siert wird. Wir möch­ten ernst genom­men wer­den. Wir möch­ten, dass uns Respekt ent­ge­gen gebracht wird und dass wir sozia­le und finan­zi­el­le Sicher­heit haben, wie in ande­ren “nor­ma­len” Beru­fe auch. Bezüg­lich der momen­ta­nen Aus­nah­me­si­tua­ti­on möch­ten wir, dass alle die Ein­schrän­kun­gen ernst neh­men, damit die Infek­ti­ons­kur­ve ver­flacht wird (#flat­ten­the­cur­ve) und die Arbeits­ver­bo­te und ggf. Aus­gangs­sper­ren dann auch mög­lichst schnell wie­der auf­ge­ho­ben wer­den und wir wie­der arbei­ten kön­nen. Und beson­ders wich­tig: Wir sind abso­lut bereit, eini­ge Zeit auf die Aus­übung unse­res Beru­fes zu ver­zich­ten, um Men­schen aus Risi­ko­grup­pen zu schüt­zen und unse­ren Teil dazu bei­zu­tra­gen, das Gesund­heits­sys­tem am Funk­tio­nie­ren zu hal­ten. Aber auf kei­nen Fall darf das aus­ge­nutzt wer­den, um unter dem Deck­man­tel der Coro­na-Prä­ven­ti­on län­ger­fris­ti­ge Berufs­ver­bo­te zu erwir­ken! Wir brau­chen schnel­le und unkom­pli­zier­te finan­zi­el­le Unter­stüt­zung (auch für nicht regis­trier­te Sexarbeiter*innen) im Sin­ne von Ver­dienst­aus­fall, nicht als Kre­di­te oder Hartz4. Wir rufen alle dazu auf, mit uns soli­da­risch zu sein. Sich unse­ren For­de­run­gen anzu­schlie­ßen. Außer­dem soli­da­risch mit all jenen zu sein, die von Coro­na beson­ders betrof­fen sind. Und wir hof­fen, dass wir alle mög­lichst bald und mit so wenig Scha­den wie mög­lich aus der Kri­se kom­men.