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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Unser Leben — unsere Entscheidung! Sexarbeitsverbot und das Patriarchat.

Unser Leben — unsere Entscheidung! Sexarbeitsverbot und das Patriarchat.

Unser Leben — unsere Entscheidung! Sexarbeitsverbot und das Patriarchat.
Ein per­sön­li­cher Bei­trag von BesD-Mit­glied und Sex­ar­bei­ter Den­nis Ich bin Den­nis, Mit­te 20 und arbei­te als schwu­ler Escort in Ber­lin. Seit knapp einem Jahr bin ich Mit­glied im Berufs­ver­band und ver­fol­ge die Debat­te, wie Sex­ar­bei­ten­de dar­um kämp­fen, dass ihre Arbeit als Arbeit aner­kannt wird. Wie sie dar­um kämp­fen, über­haupt exis­tie­ren zu dür­fen. Stim­men in der SPD for­dern ein Pro­sti­tu­ti­ons­ver­bot. Genau genom­men for­dern sie ein  Ver­bot der Nach­fra­ge. Es darf kei­ne Nach­fra­ge nach Sex­ar­beit mehr geben, denn Sex­ar­beit sei per se Ver­ge­wal­ti­gung. Und wenn es kei­ne Nach­fra­ge gäbe, gäbe es auch kein Ange­bot mehr — das ist die Logik hin­ter dem soge­nann­ten “Schwe­di­schen Modell”. Die­se Logik ist kaputt. Die Nach­fra­ge nach Sex­ar­beit ist in Schwe­den selbst­ver­ständ­lich nicht ver­schwun­den — obwohl die Frei­er­be­stra­fung dort vor mitt­ler­wei­le über  20 Jah­ren ein­ge­führt wur­de. Es gibt noch immer Sex­ar­beit in Schwe­den. Es gibt Men­schen, die Sex­ar­beit anbie­ten und es exis­tiert auch die Nach­fra­ge danach. Das Schwe­di­sche Modell hat dafür gesorgt, dass Sex­ar­beit in den Unter­grund gedrängt wur­de. Sie wur­de weni­ger sicht­bar, aber sie ver­schwand nie. Was tat­säch­lich ein­trat: Für die Sexarbeiter*innen wur­de es gefähr­li­cher. Wer von den fata­len Aus­wir­kun­gen der Kri­mi­na­li­sie­rung von Sex­ar­beit nichts zu wis­sen vor­gibt, hat sich ent­we­der nie mit dem The­ma beschäf­tigt, oder ist offen igno­rant. Zumin­dest bei Leni Brey­mei­er, Maria Noichl und Ali­ce Schwar­zer befürch­te ich letz­te­res. In der schwu­len Sze­ne ist Sex­ar­beit sehr ver­brei­tet. Schwu­le Dating-Platt­for­men sind voll von “Taschengeld”-Nachfragen und Ange­bo­ten. Die recht­li­che Defi­ni­ti­on von Sex­ar­beit umfasst jede Gegen­leis­tung für Sex. Jede Über­nach­tung, jedes aus­ge­ge­be­ne Essen, jedes Geschenk. Seit­dem ich das weiß, ist mir klar, dass ich fak­tisch schon viel län­ger Sex­ar­beit mache, als ich dach­te. Zum Bei­spiel, indem ich schwu­le Dating­platt­for­men auch zur Rei­se­un­ter­kunft-Suche genutzt habe. Indem ich seit Jah­ren immer wie­der einen Schlaf­platz gegen Sex getauscht habe. Dar­über spricht aber nie­mand. Nie­mand regt sich dar­über auf. Nie­mand for­dert laut ein Ver­bot von der­ar­ti­gen Prak­ti­ken. Sie sind ein­fach so weit ver­brei­tet in der schwu­len Sze­ne, dass eine sol­che For­de­rung einem Ver­bot der schwu­len Sze­ne nahe käme. Das trau­en sie sich aber dann doch nicht. Die Sze­ne ist zu sicht­bar und zu mäch­tig gewor­den. Die For­de­rung nach einem Sex­ar­beits­ver­bot kon­zen­triert sich auf Frau­en. Und ganz schnell wird es pater­na­lis­tisch. Man will den sex­ar­bei­ten­den Frau­en erklä­ren, dass sie geschützt wer­den müs­sen. Wenn nötig, gegen ihren Wil­len. Dass die, die ein Sex­ar­beits­ver­bot for­dern, eigent­lich viel bes­ser wis­sen was den Sex­ar­bei­ten­den gut tut, als die Sex­ar­bei­ten­den selbst. Ande­re wis­sen bes­ser, was Frau­en wol­len (müs­sen), als die­se selbst. Die­se struk­tu­rel­le Bevor­mun­dung hat schon einen Namen: Patri­ar­chat. Wer ein Sex­ar­beits­ver­bot medi­al als “Befrei­ung” ver­kauft, lügt. Frei­heit wird nicht geschaf­fen, indem Men­schen vor­ge­schrie­ben wird, was sie tun müs­sen oder nicht tun dür­fen. Ja, es gibt vie­le Sex­ar­bei­ten­de, die lie­ber einen ande­ren Job hät­ten. Ja, es gibt in der Sex­ar­beit Aus­beu­tung. Ja, das ist ein rie­si­ges Pro­blem. Aber Men­schen in schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen wird am bes­ten gehol­fen, indem man ihnen mehr Rech­te zuge­steht. Das fängt bei einer Arbeits­er­laub­nis, Sozi­al­leis­tun­gen und Schutz vor Abschie­bung an und geht mit dem Ange­bot von ech­ten Alter­na­ti­ven wei­ter. Wer als Teil einer ohne­hin mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pe nicht mehr als Sexarbeiter*in arbei­ten darf, wird oft der in Anbe­tracht der Rea­li­tät bes­ten Mög­lich­keit beraubt, genug Geld ver­die­nen zu kön­nen. Jedes plat­te “Sex­ar­beit ist Aus­beu­tung!” ver­stärkt das Stig­ma gegen Sex­ar­beit. Jede neue For­de­rung nach (direk­tem oder indi­rek­tem) Ver­bot von Sex­ar­beit, macht es für Sex­ar­bei­ten­de schwie­ri­ger einen ande­ren Job zu fin­den. Es ist absurd, die Frei­heit für Sex­ar­bei­ten­de zu for­dern — und ihnen dabei das Leben schwe­rer zu machen. Die meis­ten Sexarbeiter*innen, die ich ken­ne, kamen zu die­sem Job aus der finan­zi­el­len Not her­aus. So auch ich. “Fuck! Ich kann mei­ne Mie­te nicht bezah­len. Ich muss drin­gend Geld ver­die­nen.” Und Sex­ar­beit ist für vie­le von uns eine Mög­lich­keit, genau das zu tun: Geld zu ver­die­nen. Der Grund, war­um die abso­lu­te Mehr­zahl der Men­schen einen Job haben: Um Geld zu ver­die­nen. Die Sex­ar­beits­be­we­gung for­dert die Aner­ken­nung von Sex­ar­beit als Arbeit. Der BesD for­dert mehr Rech­te und weni­ger Stig­ma für Sex­ar­bei­ten­de. Dass das sinn­voll wäre und seit Jah­ren von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Amnes­ty Inter­na­tio­nal bestä­tigt wird, wis­sen alle, die an der Debat­te teil­neh­men.  Doch ich glau­be, den Befürworter*innen des Schwe­di­schen Modells geht es nicht um den “Schutz” von Sex­ar­bei­ten­den und ihr Pro­blem liegt auch nicht pri­mär dar­in, dass es sich um Arbeit han­delt. Ich begin­ne zu glau­ben, das Haupt­pro­blem die­ser Men­schen besteht dar­in, dass ande­re frei über ihr eige­nes (Sex-)Leben ent­schei­den wol­len. Dass wir sel­ber ent­schei­den, wie wir leben und mit wem wir Sex haben und unter wel­chen Bedin­gun­gen. Wenn eine die­ser Bedin­gun­gen Geld ist – so what?! Die schwu­le Sze­ne hat lan­ge die­sen Kampf um per­sön­li­che Rech­te geführt. Heu­te ist es rela­tiv akzep­tiert, schwul zu sein. Es ist weit­ge­hend okay, dass Män­ner auch mit Män­nern Sex haben. Yay! Es ist an der Zeit, dass wir als Gesell­schaft auch Frau­en zuge­ste­hen, Sex zu haben. Mit wem, wann und wie sie wol­len. Ihnen nicht mehr vor­schrei­ben, wie sie Sex haben dür­fen. Wenn sie es gegen Geld machen, ist das allein ihre Ent­schei­dung. Und nur ihre. Die Zei­ten, in denen Frau­en den Män­nern unter­ge­ord­net waren, sind vor­bei.