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2. Juni: Hurentag

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Sind wir alle nur eingebildete Freiwillige? — Sexarbeit auf Zeit.de

Sind wir alle nur eingebildete Freiwillige? — Sexarbeit auf Zeit.de

Sind wir alle nur eingebildete Freiwillige? — Sexarbeit auf Zeit.de
„Der hohe Preis von käuf­li­chem Sex“ und „Blo­wjob auf Bestel­lung“ Der Titel der Pod­cast­rei­he auf zeit.de lau­tet: Ist das nor­mal? In die­sem wöchent­lich erschei­nen­den For­mat wid­met sich die Sexu­al- und Trau­ma­the­ra­peu­tin Mela­nie Bütt­ner (Mün­chen) kun­ter­bun­ten Fra­gen rund um Sex. In zwei kürz­li­chen Fol­gen (25.6.18 und 02.07.18) ging es um Sex­ar­beit. Zuerst um die Kun­den der Dienst­leis­tung Sex und in der Fol­ge von Anfang Juli um die Arbeits­be­din­gun­gen und Arbeits­si­tua­ti­on der Pro­sti­tu­ier­ten, aber auch um die Sex­ar­bei­ten­den, ihre Gesund­heit und die Fra­ge der Frei­wil­lig­keit. Die Mode­ra­to­rin Ali­na Schad­win­kel und die Sexu­al­the­ra­peu­tin Mela­nie Bütt­ner dis­ku­tie­ren zunächst dar­über, wie vie­le Men­schen in Deutsch­land eigent­lich in der Sex­ar­beit tätig sind. Von 84.000 – 1,2 Mil­lio­nen ist die Rede und 90% davon wür­den die­se Tätig­keit unfrei­wil­lig aus­üben, laut „Poli­zei­ex­per­ten“, die hier schwam­mig als Quel­le genannt wer­den. Auf dem Fuße folgt die Ver­knüp­fung von Sex­ar­beit mit Men­schen­han­del, Zuhäl­te­rei und Zwang, denn so wer­den „Frau­en zu Sex­ar­beit bewegt“, wie Mela­nie Bütt­ner es for­mu­liert. Dabei erwähnt sie dann in einem Neben­satz „inne­re Zwän­ge“ oder finan­zi­el­le Not­la­gen, und sor­tiert locker-flo­ckig auch sol­che Men­schen in das Gros der Unfrei­wil­li­gen ein, die „durch Drit­te unbe­ein­flusst“ in der Sex­ar­beit tätig sind. Hier lohnt es sich genau­er hin­zu­schau­en, denn das ist ein argu­men­ta­ti­ver Dreh- und Angel­punkt die­ser Epi­so­de: von „inne­ren Zwän­ge“ ist die Rede und von Opfern und von Krank­hei­ten, psy­chi­scher und phy­si­scher Natur. Sexarbeiter*innen wer­den patho­lo­gi­siert, und unaus­ge­spro­chen bleibt die Fra­ge nach der Mün­dig­keit und der frei­en Ent­schei­dung von jenen, über die da gere­det wird, näm­lich über uns. Wer kann sich also ange­sichts einer der­art ver­hee­ren­den Situa­ti­on noch ein­bil­den, selbst­be­stimmt in der Sex­ar­beit tätig zu sein? Wie kann man da noch gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung for­dern? Wahr­schein­lich sind wir alle letzt­lich gar nicht objek­tiv, son­dern durch Trau­ma­ta, Gewalt­er­fah­run­gen und tie­fen­psy­cho­lo­gisch ver­an­ker­te Mus­ter nur ein­ge­bil­de­te Frei­wil­li­ge? Es gibt sie aber wohl doch, die frei­wil­li­ge Sex­ar­bei­te­rin, die neu­gie­rig ist, den Kick, das Aben­teu­er sucht, so Bütt­ner, das sei legi­tim, lie­ße sich doch in eini­gen Seg­men­ten anschei­nend gutes Geld ver­die­nen. Hier wer­den also in bekann­ter Manier hoch­be­zahl­te Seg­men­te der Sex­ar­beit als Aus­nah­me dar­ge­stellt, für 90% sind die Arbeits­be­din­gun­gen uner­träg­lich, der Dar­stel­lung der Situa­ti­on wid­men Bütt­ner und Schad­win­kel sich hin­ge­bungs­voll. Sie lei­ten über zur Fra­ge nach sexu­el­ler Gewalt im Leben von Sex­ar­bei­ten­den, und zwar in der Kind­heit und Jugend, als auch im spä­te­ren Erwach­se­nen­le­ben. Dabei greift Mela­nie Bütt­ner auf eine Unter­su­chung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend aus dem Jah­re 2004 zu Gewalt und Lebens­si­tua­ti­on, Sicher­heit und Gesund­heit von Frau­en in Deutsch­land zurück. Im Rah­men der Unter­su­chung wur­den 110 Sex­ar­bei­ten­de als eine Teil­po­pu­la­ti­on befragt. Da ist von nen­nens­wer­ten Gewalt­er­fah­run­gen zu lesen. Aller­dings ver­ges­sen die bei­den Akteu­rin­nen des Pod­casts dar­auf hin­zu­wei­sen, dass 37% der Frau­en in der Haupt­be­fra­gung auch Anga­ben, Opfer von Gewalt in unter­schied­li­cher Form gewor­den zu sein. Haben die bei­den nur „ver­ges­sen“, die Unter­su­chung der Teil­po­pu­la­ti­on mit einer Refe­renz­grup­pe abzu­glei­chen? Das Bild, das von der Sex­ar­beit gezeich­net wird, ist tief­schwarz. Es ist die Rede von see­li­scher und kör­per­li­cher Miss­hand­lung, Abhän­gig­keit, Krank­heit und auch Todes­sehn­sucht. Gespickt wer­den die­se schein­bar fak­ten­durch­setz­ten Zita­te aus unzäh­li­gen Stu­di­en mit über­rascht-nai­ven Rück­fra­gen sei­tens der Mode­ra­to­rin Ali­na, und hän­gen bleibt vor allem der Schock und die Fas­sungs­lo­sig­keit. Die doch so wich­ti­ge Fra­ge nach guten Arbeits­be­din­gun­gen in der Sex­ar­beit, wird zum Bei­spiel durch Ali­na mit der zyni­schen Ein­wurf bedacht, ob man dann ein schö­nes Sofa zum Arbei­ten hät­te? Wem nützt so ein Pod­cast? Und wie­so nützt wem solch ein Pod­cast? Es wer­den fast aus­schließ­lich Quel­len zitiert, die ver­hee­ren­de Urtei­le über Pro­sti­tu­ti­on und die damit angeb­lich ein­her­ge­hen­de Kri­mi­na­li­tät fäl­len. Es wer­den in einer Wei­se Hin­wei­se auf Län­der ein­ge­streut, die ein Sexkauf­ver­bot instal­liert haben, und in Bezug gesetzt zu Zah­len über Men­schen­han­del und Pro­sti­tu­ti­on. Liest man sich durch die teil­wei­se dum­men Kom­men­ta­re hin­durch, gewinnt man den Ein­druck, dass die­ser Pod­cast ein Geschenk an die Pro­sti­tu­ti­ons­geg­ner ist. Die Ver­schrän­kung von Zah­len über Kriegs­ve­te­ra­nen und Sex­ar­bei­ten­den oder von Trau­ma und Pro­sti­tu­ti­on, die Schluss­fol­ge­rung, dass man die Sex­ar­beit nur betäubt ertra­gen könn­te, die Men­schen­un­wür­dig­keit der Ver­hält­nis­se in der Pro­sti­tu­ti­on, all das sind Stil­mit­tel und Argu­men­te, die ins­be­son­de­re aus dem Lager der Pro­sti­tu­ti­ons­geg­ner ange­führt wer­den. Die aller­größ­te Mehr­zahl ist in die­ser ver­ab­scheu­ens­wür­di­gen Tätig­keit gefan­gen. Opfer, Krank­heit, Zwang, und dann die Fra­ge nach der Gesetz­ge­bung und dem Schutz­ge­dan­ken des Pro­st­SchG: Klar, wenn die Sex­ar­beit ein sol­ches Schreck­ge­spenst ist, dann muss regu­liert und zwangs­re­gis­triert wer­den. Es han­delt sich um einen not­we­ni­gen Schutz für die Schutz­be­dürf­ti­gen. Und das sind eigent­lich alle. Ist das nor­mal, fra­ge ich mich, ein so ein­sei­ti­ges Bild einer kom­ple­xen gesell­schaft­li­chen Fra­ge, wie die nach dem Ange­bot und der Nach­fra­ge von Sex­ar­beit zu zeich­nen, wie es nach dem Hören die­ser bei­den Epi­so­den ent­steht? Ist das nor­mal, dass sich Moderator*innen und Expert*innen einer­seits so betont neu­tral geben, aber aller­nach­drück­lichst ledig­lich Quel­len zitie­ren, die Sex­ar­beit ins gesell­schaft­li­che Abseits stel­len und den Sex­ar­bei­ten­den Trau­ma­ti­sie­rung, Belas­tungs­stö­run­gen und Depres­sio­nen unter­stel­len? Ist das nor­mal, dass man über die Sex­ar­beit spricht und sich dabei in den schwär­zes­ten Far­ben die Rea­li­tät von Sex­ar­bei­ten­den aus­malt, ohne mal jemand aus der Sex­ar­beit zu fra­gen? Ist das nor­mal, dass in der Zeit Mei­nung gemacht wird, durch unter­schwel­li­ge Mani­pu­la­ti­on und geziel­te Ver­brei­tung immer glei­cher Quel­len, die wir, die Sex­ar­bei­ten­den in Deutsch­land, nach­drück­lich in Fra­ge stel­len? Hier wird Stim­mung gegen Sex­ar­beit gemacht, hier wird Stig­ma media­le Rea­li­tät und ich darf mich am Ende fra­gen, kann ich eigent­lich noch für mich selbst ent­schei­den, oder bin ich schon reif für die Vor­mund­schaft, wenn ich mei­nem Beruf als Hure selbst­be­stimmt und moti­viert nach­ge­he?