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Stille Heldinnen: In Nazi-Deutschland retteten Prostituierte verfolgte Juden

Stille Heldinnen: In Nazi-Deutschland retteten Prostituierte verfolgte Juden

Stille Heldinnen: In Nazi-Deutschland retteten Prostituierte verfolgte Juden
Die­ser Bei­trag wur­de von unse­rem Mit­glied Susi recher­chiert und erstellt. Er ist am 28. Febru­ar 2019 im kauf­mich-Maga­zin erschie­nen. Wenig ist bekannt über die Rol­le, die Pro­sti­tu­ier­te im Deut­schen Wider­stand spiel­ten. Wie konn­te es sein, daß Frau­en, selbst dis­kri­mi­niert und kri­mi­na­li­siert, bereit waren, unter Ein­satz ihres Lebens ande­ren Men­schen zu hel­fen? Es sind stil­le Hel­din­nen.
Eine fast unbekannte Geschichte
In die­sem Bei­trag geht es um eine fast unbe­kann­te Geschich­te über die „stil­len Hel­din­nen“, deren Lebens­leis­tung bis heu­te kaum bekannt und aner­kannt ist. Sie hei­ßen Hed­wig Por­schütz, Dora, Mary und Mutt­chen, Fräu­lein Schmidt und Char­lot­te Erx­le­ben, die eines eint. Sie sind alle­samt Pro­sti­tu­ier­te gewe­sen und haben als berühm­te Huren des­halb Platz im Maga­zin. Ich habe mich auf die Suche nach die­sen stil­len Hel­din­nen gemacht und stel­le euch eini­ge vor. Lei­der gibt die Quel­len­la­ge nicht viel her, denn die meis­ten Hel­fer und Hel­fe­rin­nen sind nach 1945 ver­stummt, die meis­ten Zeit­zeu­gen inzwi­schen ver­stor­ben. Der deut­sche Wider­stand gegen das Nazi-Régime ist ziem­lich gut erforscht. Men­schen leis­te­ten aus unter­schied­li­chen Grün­den Wider­stand und setz­ten damit ihr eige­nes Leben aufs Spiel. Eini­ge han­del­ten aus Chris­ten­pflicht, ande­re weil sie pazi­fis­tisch oder patrio­tisch waren. Ande­re ver­folg­ten auch selbst­süch­ti­ge Moti­ve. Mensch­lich­keit und Soli­da­ri­tät zeich­ne­te sie alle aus. Die meis­ten Hel­fer und Hel­fe­rin­nen stamm­ten aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen.
Holocaust bei vielen jungen Deutschen unbekannt
Berühmt ist immer­hin der Ret­ter Oskar Schind­ler durch die Oskar prä­mier­te Ver­fil­mung von „Schind­lers Lis­te“, ein Film, der eigent­lich Bestand­teil jeden Schul­un­ter­richts sein soll­te. Immer­hin, so zei­gen aktu­el­le Umfra­gen, ist der Holo­caust bei 40% der jun­gen Deut­schen nahe­zu unbe­kannt! Zum Wider­stand gehör­ten nicht nur das Schrei­ben und Ver­tei­len von Flug­blät­tern und spek­ta­ku­lä­re Atten­tats­ver­su­che, son­dern die Arbeit der „stil­len Hel­den“. Sie orga­ni­sier­ten Ver­ste­cke, Lebens­mit­tel und gefälsch­te Papie­re, und ermög­lich­ten Men­schen das Leben im Unter­grund und damit ihr Über­le­ben. Nach 1945 wur­de die Ret­tung ver­folg­ter Juden kaum als Wider­stands­hand­lung aner­kannt. Auch weil die meis­ten Hel­fer schwie­gen. Im Jahr 1958 wan­del­te sich das Blatt und der West­ber­li­ner Innen­se­na­tor Joa­chim Lip­s­chitz (SPD) begann mit der Ehrung sol­cher „unbe­sun­ge­nen Hel­den“. Etwa 1500 von ihnen stell­ten Anträ­ge. Mehr als die Hälf­te wur­de abge­lehnt. Jene, die aner­kannt wur­den, erhiel­ten eine Ehrung und eine klei­ne finan­zi­el­le Zuwen­dung.
Die stille Heldin Hedwig Porschütz
Auch von Hed­wig Por­schütz wur­de der Antrag abge­lehnt. Viel ist über die­se Frau nicht bekannt, es gibt auch kein Foto von ihr. Hed­wig Por­schütz war ver­hei­ra­tet und arbei­te­te als Ste­no­ty­pis­tin, spä­ter in der Blin­den­werk­statt Otto Weidt am Hacke­schen Markt in Ber­lin. Zuvor war sie jedoch arbeits­los gewor­den und und arbei­te­te eine Zeit­lang als Pro­sti­tu­ier­te, was ihr spä­ter zum Ver­häng­nis wer­den soll­te. 1934 wur­de sie wegen Erpres­sung zu 10 Mona­ten Gefäng­nis ver­ur­teilt. Seit 1940 hat­te Hed­wig Por­schütz Kon­takt zu dem Bürs­ten­fa­bri­kan­ten Otto Weidt. Es ent­wi­ckel­te sich eine sehr ver­trau­te Bezie­hung. Um Otto Weidt her­um ent­stand ein Netz­werk aus Hel­fern. Dazu zähl­te Hed­wig Por­schütz, die ja vor­be­straft war, sich jedoch an vie­len Hilfs- und Ret­tungs­ak­tio­nen betei­lig­te. Sie orga­ni­sier­te alle mög­li­chen Waren auf dem Schwarz­markt, die nicht nur für Men­schen in Not waren, son­dern auch der Bestechung von Gesta­po Beam­ten dien­ten. Dies war unab­ding­bar, da Weidt dadurch die bei ihm beschäf­tig­ten Juden vor der Depor­ta­ti­on schüt­zen woll­te.
Wenn die Freier kamen, mußten ihre Schützlinge die Wohnung verlassen
Sie besorg­te nicht nur Waren, Lebens­mit­tel und fal­sche Papie­re, son­dern ver­steck­te Juden in ihrer klei­nen Man­sar­den­woh­nung in der Nähe vom Ber­li­ner Alex­an­der­platz. So auch die Schwes­tern Mari­an­ne und Anne­lie­se Bern­stein. Eini­ge ver­steck­te sie spä­ter auch in der Woh­nung ihrer Mut­ter. Sie hat­te noch ein paar Stamm­frei­er aus alten Zei­ten, die sie besuch­ten. Wenn die Frei­er kamen, muß­ten ihre Schütz­lin­ge aber die Woh­nung ver­las­sen. Als die Situa­ti­on nach einer Poli­zei­ak­ti­on in der Nach­bar­woh­nung zu brenz­lig wur­de, ver­steck­te sie ihre Schütz­lin­ge in einem neu­en Ver­steck und ver­sorg­te sie wei­ter mit Lebens­mit­teln. Die Bern­steins über­leb­ten und emi­grier­ten spä­ter in die USA. Zeit­wei­se beher­berg­te Hed­wig Por­schütz vier unter­ge­tauch­te Juden. Neben den Bern­steins auch Gre­te See­lig und ihre Nich­te Lucie Ball­horn, die sie spä­ter bei ihrer Mut­ter unter­brach­te. Gre­te See­lig über­leb­te, aber Lucie Ball­horn wur­de 1943 fest­ge­nom­men und nach Ausch­witz depor­tiert und ermor­det.
Schwarzmarktgeschäfte waren gefährlich
Auch bei einer Lebens­mit­tel­ak­ti­on ins Ghet­to The­re­si­en­stadt half Hed­wig Por­schütz Otto Weidt. Mehr als 150 Lebens­mit­tel­pa­ke­te wur­den so an ver­schlepp­te Arbei­te­rIn­nen und ihre Ange­hö­ri­gen und Freun­de ver­schickt. Vie­le die­ser Lebens­mit­tel konn­ten nur auf dem Schwarz­markt besorgt wer­den. Eine gefähr­li­che Arbeit, die Hed­wig Por­schütz da über­nahm. Die meis­ten der Emp­fän­ger über­leb­ten nicht. Es sind nur drei bekann­te Paket­emp­fän­ger bekannt, die über­leb­ten. Ihre Schwarz­markt­ge­schäf­te wur­den Hed­wig Por­schütz zum Ver­häng­nis. Sie flog auf, als ein Bekann­ter in die Fän­ge der Poli­zei geriet, nach­dem er ver­such­te, mit Fleisch­mar­ken von Por­schütz Speck zu kau­fen. Im Sep­tem­ber 1944 wur­de Por­schütz inhaf­tiert und man ver­häng­te gegen sie eine Zucht­haus­stra­fe von ein­ein­halb Jah­ren.
Gewerbsmäßige Unzucht
Dabei kam auch ihr Lebens­wan­del zur Spra­che und man warf ihr vor, in frü­he­ren Jah­ren „der gewerbs­mä­ßi­gen Unzucht“ – also der Pro­sti­tu­ti­on – nach­ge­gan­gen zu sein. Auch warf man ihr vor, „wahl­lo­sen“ Umgang mit Män­nern unter­hal­ten zu haben, obwohl sie doch mitt­ler­wei­le ein gere­gel­tes Ein­kom­men als Ste­no­ty­pis­tin bezog. Sie kam ins Zucht­haus und wur­de am 7. Mai 1945 ent­las­sen. Zurück in Ber­lin, war von ihrer alten Woh­nung nach einem Bom­ben­an­griff nichts mehr übrig und sie zog in die Feu­rigstras­se 43 nach Schö­ne­berg. Sie und ihr Mann, ein Kriegs­heim­keh­rer, leb­ten dar­auf­hin in ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen. Bei­de waren chro­nisch krank waren und ihr Mann hat­te nur unre­gel­mä­ßig Arbeit. 1956 stell­te Hed­wig Por­schütz einen Antrag auf Aner­ken­nung als poli­tisch Ver­folg­te beim Ber­li­ner Ent­schä­di­gungs­amt, der jedoch drei Jah­re spä­ter abge­lehnt wur­de. Hier wur­de argu­men­tiert, daß die Hil­fe für ver­folg­te Juden kei­ne Wider­stands­hand­lung sei. Außer­dem wur­de ihr vor­ge­wor­fen, daß sie sich mit ihren Schwarz­markt­ge­schäf­ten soge­nann­ter „Kriegs­wirt­schafts­ver­bre­chen“ schul­dig gemacht habe. Auch ihre Ver­gan­gen­heit als Pro­sti­tu­ier­te wur­de ihr vor­ge­hal­ten, indem die „Begleit­um­stän­de auf ein der­ar­tig nied­ri­ges sitt­li­ches und mora­li­sches Niveau“ schlies­sen lie­ßen. Die Aner­ken­nung als poli­tisch Ver­folg­te sei ein Ehren­do­ku­ment und kön­ne „nur für ent­spre­chen­de Per­sön­lich­kei­ten aus­ge­stellt wer­den.“ Hier folg­te das Amt dem NS-Son­der­ge­richt. Por­schütz konn­te dazu nicht ein­mal Stel­lung neh­men.
Anträge auf Anerkennung wurden abgelehnt
Auch ein wei­te­rer Antrag im Herbst 1958 wur­de abge­lehnt. Hier stell­te sie einen Antrag auf Bei­hil­fe aus dem Fonds „Unbe­sun­ge­ne Hel­den“.  Auch hier wur­de wie­der mit einem „der­art nied­ri­gen sitt­li­chen und mora­li­schen Niveau der Frau Por­schütz“ argu­men­tiert, weil sie in frü­he­ren Jah­ren der „gewerbs­mä­ßi­gen Unzucht“ nach­ge­gan­gen und „trotz ihrer Ehe wahl­los Umgang mit frem­den Män­nern unter­hal­ten“ habe. Die glei­che Argu­men­ta­ti­on wie wäh­rend der Nazi-Zeit. Hed­wig Por­schütz befand sich in den spä­ten 50er Jah­ren in einer ver­zwei­fel­ten Lebens­si­tua­ti­on. Sie starb 1977 in einem Ber­li­ner Alters­heim. Am 3. Juni 2011 wur­de das “Schand­ur­teil” gegen Hed­wig Por­schütz von der Staats­an­walt­schaft Ber­lin auf­ge­ho­ben, mit der Begrün­dung, daß die „Rich­ter des Son­der­ge­richts­hofs sich nicht als Rechts­an­wen­der ver­stan­den, son­dern als Bestand­teil einer ‚Kampf­trup­pe‘ und als poli­ti­sche Kämp­fer für Hit­ler.“
Späte Rehabilitation
Im Novem­ber 2010 wur­de Hed­wig Por­schütz im Rah­men des Ber­li­ner Gedenk­ta­fel­pro­gramms geehrt und ihr Name sowie die Lebens­da­ten erschei­nen seit dem 13. Novem­ber 2012 auf einer Tafel an ihrem ehe­ma­li­gen Wohn­haus in der Feu­rigstras­se. Die israe­li­sche Holo­caust-Gedenk­stät­te hat Hed­wig Por­schütz als „Gerech­te unter den Völ­kern“ aus­ge­zeich­net und 2015 fand für sie in der Gedenk­stät­te Stil­le Hel­den in Ber­lin eine Gedenk­ver­an­stal­tung statt.
Die Schmidtchen und das Muttchen
Aller­dings ist Hed­wig Por­schütz nicht die ein­zi­ge Pro­sti­tu­ier­te, die Wider­stand leis­te­te. Ich bin bei mei­nen Recher­chen noch auf wei­te­re Frau­en gesto­ßen, die ich Euch kurz vor­stel­len möch­te. Aller­dings ist auch hier die Quel­len­la­ge denk­bar schlecht und alle Infos dazu nur über Augen­zeu­gen­be­rich­te über­lie­fert, und von Men­schen, die geret­tet wur­den. In den Erin­ne­run­gen des unter­ge­tauch­ten Juden Gad Beck wird eine Pro­sti­tu­tier­te adli­gen Ursprungs erwähnt: Fräu­lein Schmidt, die in ihrer Woh­nung Juden ver­steck­te. „Schmidt­chen“, wie sie zärt­lich genannt wur­de, war auch dabei behilf­lich, eine Adress­lis­te mit 36 Unter­ge­tauch­ten zu rekon­stru­ie­ren, die in Lebens­ge­fahr schweb­ten. Auf dem Fahr­rad fuhr Schmidt­chen in die Nacht hin­aus und such­te alle ein­zeln auf, um sie vor der Gesta­po zu war­nen. Fräu­lein Schmidt arbei­te­te mit ande­ren Pro­sti­tu­ier­ten an ihrem Stamm­platz am Alex, der Mexi­ko-Bar, eine der mie­ses­ten Treff­punk­te der Stadt. Ihre Frei­er nah­men sie mit aufs Zim­mer. Dazu dien­te u.a. die Zim­mer­ver­mie­tung von der geschäfts­tüch­ti­gen Frau Szim­ke aus der Nach­bar­schaft, die auch eine Haupt­lie­fe­ran­tin für Lebens­mit­tel vom Schwarz­markt war. Schmidt­chen war eine rund­li­che Frau, eher der müt­ter­li­che Typ. Zu die­sem Zeit­punkt etwa Mit­te vier­zig, mit blon­dier­ten und ondu­lier­ten Haa­ren. Dann ist da noch Dora, eine Ber­li­ner Pro­sti­tu­ier­te, die ihre Woh­nung der Fami­lie Fran­ken­stein wäh­rend der letz­ten Kriegs­zeit über­ließ. Mehr als der Name „Dora“ ist nicht bekannt. Dies ist auch der Name, unter dem sie bei ihren Frei­ern bekannt war. Dora begeg­ne­ten die Fran­ken­steins bei der Bor­dell­be­trei­be­rin Mary, wo sie zunächst Unter­schlupf fan­den. Gegen eine hohe Miet­for­de­rung brach­te Mary die Fran­ken­steins in ihrer Kel­ler­woh­nung unter, spä­ter zer­stört durch einen Bom­ben­an­griff. Die Fran­ken­steins ent­ka­men aus den Trüm­mern und tra­fen dabei Dora, der sie sich anver­trau­ten, daß sie Juden und ille­gal sind. Dora über­läßt der Fami­lie den Schlüs­sel ihrer Kreuz­ber­ger Woh­nung, wo sie bis Kriegs­en­de aus­harr­ten. Der Kon­takt zu Dora und Mary riß danach ab.
Überleben im Bordell
Ein Bor­dell spielt auch eine Rol­le in einem wei­te­ren Fall einer Pro­sti­tu­ier­ten und Zim­mer­ver­mie­te­rin, die Juden ver­steck­te. Hier wis­sen wir den voll­stän­di­gen Namen. Es ist Char­lot­te Anna Maria Erx­le­ben aus Greifs­wald, die mit einem klei­nen Erbe aus­ge­stat­tet, eine Pri­vat­pen­si­on in Ber­lin Mit­te eröff­ne­te. Dort brach­te sie u.a. Leon­hard Fran­ken­thal unter, der bei ihr zwi­schen 1940 und Kriegs­en­de mehr­fach Unter­schlupf fand und den sie mit Lebens­mit­teln ver­sorg­te. Auch Fritz Wal­ter, ein Flücht­ling aus dem Kon­zen­tra­ti­ons- und Ver­nich­tungs­la­ger Maj­da­nek, fand bei Erx­le­ben Unter­schlupf. Er leb­te ille­gal und mit fal­schen Papie­ren im Bor­dell. Char­lot­te Erx­le­ben führ­te einen geho­be­nen Salon, ein Grund, war­um sie bis 1943 weit­ge­hend unbe­hel­ligt ihren Schütz­lin­gen Hil­fe zukom­men las­sen konn­te. Das Bor­dell hat­te auch den Vor­teil, daß die Ver­folg­ten als Kun­den getarnt waren und zu jeder Tages- und Nacht­zeit kom­men und gehen konn­ten. Denun­ziert durch eine “Kol­le­gin”, erfuhr die Gesta­po, daß sich im Bor­dell Per­so­nen ver­steckt hiel­ten. Obwohl Char­lot­te beim Ver­hör geschla­gen und miß­han­delt wur­de, ver­pfiff sie ihre Schütz­lin­ge nicht. Sie nutz­te dazu sogar ihre Tätig­keit als Pro­sti­tu­ier­te, um sie zu decken:. Sie ver­nein­te, Juden ver­steckt zu haben. Schließ­lich müs­se sie ja wis­sen, ob jemand ein Jude sei oder nicht, wenn er also beschnit­ten ist. Obwohl das Bor­dell wegen stän­di­ger Haus­durch­su­chun­gen nicht mehr als Unter­schlupf die­nen konn­te, ver­sorg­te sie wei­ter­hin ihre Schütz­lin­ge mit Lebens­mit­teln. Dazu zähl­ten nicht nur Fritz Wal­ter, Stef­fi Ton­au-Wal­ter und ihre Toch­ter, son­dern auch Hele­ne Bier­baum, die Fami­lie Heinz sowie ein Rab­bi­ner.
Als unbesungene Heldin geehrt
Durch den Krieg ver­lor Char­lot­te Erx­le­ben ihre Pen­si­on und ihr Ver­mö­gen und war spä­ter auf Sozi­al­hil­fe ange­wie­sen. 1953 reich­te sie einen Antrag auf Ent­schä­di­gung beim Ent­schä­di­gungs­amt Ber­lin ein. Sie erhielt eine Ableh­nung. 1959 stell­te sie einen wei­te­ren Antrag auf Ehrung im Rah­men der Akti­on „Unbe­sun­ge­ne Hel­den“ des Ber­li­ner Senats. Am 19. April 1960 wur­de ihr die­se Ehrung zuteil, anders als Hed­wig Por­schütz. Dass Erx­le­ben ihre Schütz­lin­ge in einem Bor­dell ver­steck­te, war dem Senat aller­dings ver­bor­gen geblie­ben. Es gab in den offi­zi­el­len Anträ­gen auch kei­nen Hin­weis, daß sie als Pro­sti­tu­ier­te gear­bei­tet hat­te. Andern­falls wäre ihr die­se Ehrung ver­mut­lich eben­falls ver­sagt geblie­ben.  Char­lot­te Erx­le­ben starb am 19. Juli 1981 in Ber­lin. In die­sem Zusam­men­hang ist noch eine wei­te­re Pro­sti­tu­ier­te erwäh­nens­wert, Mar­ta, auch „Mutt­chen“ genannt, die in den Kel­ler­räu­men ihres Bor­dells in der Ber­li­ner Fried­richs­gracht gegen Miet­zah­lung Juden ver­steck­te. Dazu zähl­te auch Else Krell, Stef­fi Ton­au-Wal­ter und ihre Toch­ter, von denen Mutt­chen bis zuletzt nicht wuß­te, dass sie Juden waren, die eben­falls von Char­lot­te Erx­le­ben unter­stützt wur­den. Mutt­chen wird als Zuhäl­te­rin beschrie­ben, die meh­re­re Mäd­chen am lau­fen hat­te, nach­dem sie sel­ber nicht mehr anschaff­te. Hier stand eher der Geschäfts­sinn im Vor­der­grund und weni­ger die unei­gen­nüt­zi­ge Hil­fe von Ver­folg­ten wie bei den ande­ren hier beschrie­be­nen Frau­en. Wie schon ein­gangs erwähnt, sind die Moti­va­tio­nen, Juden zu hel­fen und zu ver­ste­cken, sehr unter­schied­lich. Dazu zählt eben auch die Moti­va­ti­on bei man­chen, finan­zi­el­le Vor­tei­le für sich her­aus zu schla­gen.
Helferinnen handelten mit Herz
Mutt­chen hat­te jeden­falls ein har­tes Schick­sal. Als unehe­li­ches Kind eines Bau­ern­mäd­chens gebo­ren und zur Feld­ar­beit gezwun­gen, erleb­te sie in ihrer Kind­heit eine lieb­lo­se Zeit. Mit sech­zehn Jah­ren kam sie nach Ber­lin und arbei­te­te zunächst als Dienst­mäd­chen und Fabrik­ar­bei­te­rin. Vie­le Näch­te schlief sie auf der Park­bank, weil sie kein Geld für ein Zim­mer hat­te. Und so lan­de­te sie in der Gos­se, schlief mit Män­nern, um über­haupt ein Dach über den Kopf zu haben. Schließ­lich hat­te sie Glück und ergat­ter­te eine Stel­le als Por­tiers­frau und leb­te fort­an miet­frei. Schließ­lich ver­mie­te­te sie auch Zim­mer an Juden. Was sich von allen Hel­fe­rin­nen sagen läßt ist, daß es Leu­te waren, die meist aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen stamm­ten: Men­schen mit Herz. Ich bedan­ke mich ganz herz­lich bei der His­to­ri­ke­rin Bar­ba­ra Schieb von der Gedenk­stät­te Stil­le Hel­den in Ber­lin für Ihre Unter­stüt­zung bei mei­ner Recher­ché.   Mei­ne Quel­len: Johan­nes Tuchel, Eine Frau in Ber­lin, DIE ZEIT Nr. 302012 v. 19.07.2012 Johan­nes Tuchel, Hed­wig Por­schütz, Die Geschich­te ihrer Hilfs­ak­tio­nen für ver­folg­te Juden und ihrer Dif­fa­mie­rung nach 1945, Ber­lin 2010 Wiki­pe­dia: Hed­wig Por­schütz – Deut­sche Wider­stands­kämp­fe­rin Und Gad ging zu David. Die Erin­ne­run­gen des Gad Beck 1923–1945, Edi­ti­on día 2012 Chris­ti­na Her­kom­mer, Ret­tung im Bor­dell, in: Über­le­ben im Drit­ten Reich, Juden im Unter­grund und ihre Hel­fer, Hrsg. v. Wolf­gang Benz, Ver­lag C.H. Beck, Mün­chen 2003 Else Krell, Wir rann­ten um unser Leben, Ille­ga­li­tät und Flucht aus Ber­lin 1943, hrsg. v. Clau­dia Schopp­mann, Publi­ka­tio­nen der Gedenk­stät­te Stil­le Hel­den, Band 5, Ber­lin 2015