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Moralische Panik und rassistische Bilder: Kritische Studie über die Folgen des Sexkaufverbots in Frankreich

Moralische Panik und rassistische Bilder: Kritische Studie über die Folgen des Sexkaufverbots in Frankreich

Moralische Panik und rassistische Bilder: Kritische Studie über die Folgen des Sexkaufverbots in Frankreich
Dies ist die Über­set­zung der frei zugäng­li­chen Stu­die über die Umset­zung des soge­nann­ten “nor­di­schen Modells” (#Sexkauf­ver­bot) in Frankreich.”‘The Pro­blem of Pro­sti­tu­ti­on’: Repres­si­ve poli­ci­es in the name of migra­ti­on con­trol, public order, and women’s rights in France” von Char­lè­ne Cal­der­a­ro und Calo­ge­ro Gia­met­ta Hier fin­det sich der Ori­gi­nal-Text Abs­trakt Die­ser Arti­kel kon­zen­triert sich auf die poli­ti­schen Debat­ten, die im April 2016 in Frank­reich zur Ver­ab­schie­dung des Kauf­ver­bots für Sex (all­ge­mein als schwe­di­sches oder nor­di­sches Modell bezeich­net) geführt haben. Er unter­sucht die Kon­ver­genz von fran­zö­si­schen Main­stream-Femi­nis­tin­nen und tra­di­tio­nel­len neo-aboli­tio­nis­ti­schen Akteu­ren in der USA Kampf gegen die Pro­sti­tu­ti­on und ihre Aus­wir­kun­gen auf die Rech­te und das Wohl­be­fin­den der Sex­ar­bei­te­rin­nen. Wir argu­men­tie­ren, dass es eine Kon­ti­nui­tät zwi­schen den Aus­wir­kun­gen des 2003 erlas­se­nen Wer­be­ver­bots und denen des Geset­zes zur Bestra­fung von Kli­en­ten aus dem Jahr 2016 gibt. Bei der Erör­te­rung der gegen­wär­ti­gen Unter­drü­ckung der Sex­ar­beit in Frank­reich zei­gen wir, wie das Pro­blem auf­ge­baut ist der Pro­sti­tu­ti­on “soll­te im Lich­te all­ge­mei­ner poli­ti­scher Ängs­te über Sexis­mus in armen Gegen­den und Ein­wan­de­rungs­kon­trol­le gese­hen wer­den, die die natio­na­len Prio­ri­tä­ten von Sicher­heit und öffent­li­cher Ord­nung recht­fer­ti­gen. Frank­reichs „Pro­blem der Pro­sti­tu­ti­on“ kon­tex­tua­li­sie­ren Seit dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs enga­giert sich Frank­reich in der Bekämp­fung des Men­schen­han­dels und der Pro­sti­tu­ti­on, ins­be­son­de­re nach der Rati­fi­zie­rung der UN-Kon­ven­ti­on zur Unter­drü­ckung des Per­so­nen­ver­kehrs und der Aus­beu­tung der Pro­sti­tu­ti­on ande­rer im Jahr 1960. In Frank­reich Wie in vie­len ande­ren Län­dern haben poli­ti­sche Debat­ten und poli­ti­sche Maß­nah­men den Men­schen­han­del kon­se­quent mit der Pro­sti­tu­ti­on in Ver­bin­dung gebracht. [1] Mit der Stär­kung der euro­päi­schen Gren­zen in den neun­zi­ger Jah­ren waren Migran­ten zuneh­mend gezwun­gen, sich auf Drit­te zu ver­las­sen, um Zugang zum Schen­gen-Raum zu erhal­ten. [2] Wäh­rend die­ser Zeit wur­den Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund in fran­zö­si­schen Städ­ten, klei­ne­ren Städ­ten und Dör­fern viel sicht­ba­rer und unter­war­fen sie einer ver­stärk­ten staat­li­chen Kon­trol­le. [3] In die­sem Sin­ne war eine erneu­te poli­ti­sche Auf­merk­sam­keit für das „Pro­blem der Pro­sti­tu­ti­on“ [4] zu erwar­ten. Wie Lili­an Mathieu betont, war die Zeit vor­bei, in der die fran­zö­si­sche poli­ti­sche Klas­se den Umgang mit Pro­sti­tu­ti­on als „unwür­dig“ für die Beden­ken der Natio­nal­ver­samm­lung ansah. [5] In den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten hat die Zahl der Par­la­ments­be­rich­te, Geset­zes­in­itia­ti­ven und öffent­li­chen Debat­ten zu die­sem The­ma ste­tig zuge­nom­men. Die Fra­ge des Umgangs mit Pro­sti­tu­ti­on stell­te sich 2003 in der natio­na­len Poli­tik durch die Umset­zung des von Nico­las Sar­ko­zy, dem dama­li­gen Innen­mi­nis­ter, ein­ge­führ­ten Geset­zes über die inne­re Sicher­heit, Loi pour la sécu­ri­té inté­ri­eu­re (LSI). Die­ses Gesetz wur­de in eine brei­te­re Rei­he von Maß­nah­men in Bezug auf die öffent­li­che Ord­nung und Sicher­heit auf­ge­nom­men und rich­te­te sich direkt an Sex­ar­bei­te­rin­nen. Es ver­län­ger­te die Stra­fe für die Bean­tra­gung einer Geld­stra­fe (Zuwi­der­hand­lung) auf eine Straf­tat (Délit); Es erwei­ter­te auch die Hand­lun­gen, die mit Stra­fen von „akti­vem Wer­ben“ geahn­det wür­den, um „pas­si­ves Wer­ben“. Infol­ge die­ser Ver­schie­bun­gen wur­de ein neu­er Arti­kel im Straf­ge­setz­buch (Art. 225−10−1) ein­ge­führt. Es ist bemer­kens­wert, dass die Straf­tat bereits 1994 aus dem Straf­ge­setz­buch gestri­chen wor­den war. Die Fra­ge, wie mit Pro­sti­tu­ti­on umge­gan­gen wer­den soll, tauch­te 2011 erneut auf, als zwei Abge­ord­ne­te — Dani­elle Bous­quet und Guy Geoff­roy — einen detail­lier­ten Bericht über Pro­sti­tu­ti­on in Frank­reich vor­leg­ten und ihn der Natio­nal­ver­samm­lung zur par­la­men­ta­ri­schen Debat­te vor­leg­ten. Die­ser Bericht beruh­te auf einer repres­si­ven Hal­tung zur Sex­ar­beit [6], in der der „Kampf gegen das Pro­sti­tu­ti­ons­sys­tem“ als Frau­en­rechts­pro­blem for­mu­liert wur­de. Was den Bous­quet-Geoff­roy-Bericht von frü­he­ren Berich­ten unter­schied, war sein Blick­win­kel auf die Rech­te der Frau­en, da die Autoren vor­schlu­gen, Sex­ar­bei­te­rin­nen nicht zu bestra­fen, son­dern die Ver­ant­wor­tung für die Kli­en­ten zu tra­gen, da sie die Tat­sa­che berück­sich­ti­gen müs­sen, dass ihre For­de­rung nach bezahl­ter Sexua­li­tät Dienst­leis­tun­gen för­der­ten Aus­beu­tung und Men­schen­han­del. Im gesam­ten poli­ti­schen Spek­trum begrüß­te die über­wie­gen­de Mehr­heit der fran­zö­si­schen Poli­ti­ker den Vor­schlag, eine Straf­tat im Straf­ge­setz­buch zu schaf­fen, die sich auf Per­so­nen kon­zen­trier­te, die für sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen bezahl­ten, und die schließ­lich im April 2016 geneh­migt wur­de (Gesetz Nr. 2016–444). Obwohl eines der erklär­ten Zie­le des Geset­zes dar­in bestand, ins­be­son­de­re Frau­en die Mög­lich­keit zu geben, die Sex­ar­beit zu ver­las­sen, zei­gen neue­re Unter­su­chun­gen, dass die Bestra­fung von Kli­en­ten für Sex­ar­bei­te­rin­nen noch schäd­li­cher war als die frü­he­ren Maß­nah­men gegen Wer­bung [7], die bereits dazu geführt hat­ten die Ver­schlech­te­rung der Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen von Sex­ar­bei­te­rin­nen. [8] Die­ser Arti­kel soll Auf­schluss über die beson­de­re Ent­wick­lung der repres­si­ven Poli­tik zur Sex­ar­beit in Frank­reich geben. Wäh­rend die Beson­der­hei­ten des fran­zö­si­schen Kon­tex­tes her­vor­ge­ho­ben wer­den, soll­te der Auf­bau der Pro­sti­tu­ti­on als sozia­les Pro­blem ange­sichts all­ge­mei­ner poli­ti­scher Ängs­te über Sexis­mus in armen Gegen­den (Quar­tiers Popu­lai­res) und Ein­wan­de­rungs­kon­trol­le gese­hen wer­den. Die Ana­ly­se stützt sich auf zwei Haupt­da­ten­sät­ze: lau­fen­de For­schung zu huma­ni­tä­ren Inter­ven­tio­nen gegen Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund (Gia­met­ta) und Inter­views mit insti­tu­tio­nel­len, eta­blier­ten Femi­nis­tin­nen und ande­ren neo-aboli­tio­nis­ti­schen Grup­pen [9] (Cal­der­a­ro), die die Poli­tik der repres­si­ven Pro­sti­tu­ti­on in Frank­reich unter­stütz­ten. Die frü­he­ren Daten stam­men aus dem For­schungs­pro­jekt Sexu­al Huma­ni­ta­ria­nism (2016−2020), das die Bezie­hung zwi­schen Migra­ti­on, Sex­ar­beit und Men­schen­han­del in der glo­ba­len Sex­in­dus­trie unter­sucht. [10] Gia­met­ta kon­zen­triert sich auf das Gesetz und die aktu­el­len poli­ti­schen Debat­ten und bie­tet eine Ana­ly­se der huma­ni­tä­ren Dis­kur­se und Ver­brie­fungs­prak­ti­ken, die sich an Sex­ar­bei­te­rin­nen in Frank­reich rich­ten. Die­se Ana­ly­se wird wei­ter durch die eth­no­gra­fi­schen Daten gestützt, die aus Inter­views mit 25 Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund auf der Stra­ße und im Inter­net (Trans‑, Cis-Frau­en und Män­ner) und zehn Schlüs­sel­in­for­man­ten wie Com­mu­ni­ty Health Out­reach Workern, Sozi­al­ar­bei­tern und Anwäl­te für Ein­wan­de­rungs­fra­gen in Paris und Mar­seil­le, die zwi­schen Janu­ar 2016 und März 2018 durch­ge­führt wur­den. Letz­te­res geht aus der Feld­ar­beit her­vor, die Cal­der­a­ro für eine Mas­ter­ar­beit über die Poli­tik der repres­si­ven Sex­ar­beit in Frank­reich durch­ge­führt hat. Im Win­ter 2018 führ­te sie 15 Inter­views durch, um die Rol­le der ver­schie­de­nen Akteu­re zu ver­ste­hen, die an der Aus­ar­bei­tung des Geset­zes von 2016 betei­ligt sind. Befragt wur­den vier ver­schie­de­ne Kate­go­rien von Akteu­ren: zwei wich­ti­ge Abge­ord­ne­te, die für die Aus­ar­bei­tung des Geset­zes zustän­dig sind, und Mit­glie­der des Son­der­aus­schus­ses der Natio­nal­ver­samm­lung; Mit­glie­der öffent­li­cher Insti­tu­tio­nen wie das Büro für die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter im Pari­ser Rat­haus, der Pari­ser Wach­hund für Gewalt gegen Frau­en (Obser­va­toire Pari­si­en des Vio­len­ces fai­tes aux Femmes) und zwei Büros für die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter in Saint-Denis und Bagno­let in der Sei­ne ‑Saint-Denis Bereich; neo-aboli­tio­nis­ti­sche Akti­vis­ten, dar­un­ter zwei Mit­glie­der des Mou­ve­ment du Nid und der Prä­si­dent der Fon­da­ti­on Scel­les; und Sex­ar­bei­te­rin­nen, Akti­vis­ten und Mit­ar­bei­ter von kom­mu­na­len Gesund­heits­or­ga­ni­sa­tio­nen, die die Rech­te der Sex­ar­bei­te­rin­nen ver­tei­di­gen. Sie alle wur­den vor dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes von 2016 nach ihrer Betei­li­gung an den Kon­sul­ta­ti­ons- und Ent­schei­dungs­pro­zes­sen gefragt. Sexu­al­po­li­tik, öffent­li­che Ord­nung und natio­na­le Sicher­heit Obwohl das End­nach­fra­ge­mo­dell nicht die ver­spro­che­nen Ergeb­nis­se der Besei­ti­gung der Pro­sti­tu­ti­on und des Men­schen­han­dels in Schwe­den gelie­fert hat, wird es immer noch als Lösung für die Pro­ble­me der Pro­sti­tu­ti­on und der Ungleich­heit der Geschlech­ter vor­ge­stellt. Die gewähl­te Beam­tin für die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter im Pari­ser Rat­haus (Mai­rie de Paris), Hélè­ne Bidard, erklär­te: „Im Nach­hin­ein hat­te ihr Erfolg wirk­lich mit den Orga­ni­sa­tio­nen zu tun, die den Zusam­men­hang zwi­schen Gewalt gegen Frau­en und Pro­sti­tu­ti­on beto­nen.“ Nach dem neo-aboli­tio­nis­ti­schen Para­dig­ma sind Sex­ar­bei­te­rin­nen kei­ne Straf­tä­ter mehr, son­dern Opfer. Im schwe­di­schen Kon­text wur­de das Gesetz als Teil einer brei­te­ren Rei­he von Geset­zen geför­dert, die als Kvinn­o­frid oder Gesetz gegen Gewalt gegen Frau­en bezeich­net wer­den (Kvinn­o­frid wird über­setzt als „Frie­den oder Gelas­sen­heit für Frau­en“). [11] Neben der geschlechts­spe­zi­fi­schen Dimen­si­on der von schwe­di­schen Insti­tu­tio­nen aus­ge­hen­den Debat­te über Pro­sti­tu­ti­on unter­such­te der Anthro­po­lo­ge Don Kulick, wie der Dis­kurs über Sexua­li­tät oder der Umgang mit Sexua­li­tät im Pri­vat­le­ben etwas über die Wer­te der grö­ße­ren Gesell­schaft aus­sagt. Beim EU-Refe­ren­dum 1994 stimm­te Schwe­den mit einem knap­pen Vor­sprung für den Bei­tritt zur Euro­päi­schen Uni­on, da im Land Befürch­tun­gen kur­sier­ten, dass das Land durch den Zugang zur EU von Zehn­tau­sen­den aus­län­di­scher Pro­sti­tu­ier­ter über­flu­tet wür­de, die vor den Toren schrei­en, und es wür­de von einer libe­ra­len Sicht­wei­se der Pro­sti­tu­ti­on infi­ziert sein, die sich angeb­lich in ganz Euro­pa aus­brei­ten soll. “[12] Seit­dem set­zen sich schwe­di­sche Par­la­men­ta­ri­er in Brüs­sel für das soge­nann­te „schwe­di­sche Modell“ zur Abschaf­fung der Pro­sti­tu­ti­on ein, mit dem Ziel, das unver­wech­sel­ba­re Bild Schwe­dens als Para­dies für die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter in ande­re Mit­glied­staa­ten zu expor­tie­ren. Auf EU-Ebe­ne ist heu­te die ver­stärk­te Ver­bin­dung zwi­schen schwe­di­schen und fran­zö­si­schen Main­stream-Femi­nis­tin­nen zu erwäh­nen, die sich aus den Akti­vi­tä­ten der Euro­päi­schen Frau­en­lob­by ergibt. [13] Um jedoch den beson­de­ren Weg Frank­reichs zur Ein­füh­rung des End­nach­fra­ge­an­sat­zes zu ver­ste­hen, müs­sen wir ande­re Fak­to­ren ana­ly­sie­ren, die über die mora­li­schen Beden­ken der Poli­ti­ker hin­sicht­lich der Ungleich­heit der Geschlech­ter und des Men­schen­han­dels hin­aus­ge­hen. Sexua­li­tät, natio­na­le Wer­te und Ras­sen­pro­ble­me In den frü­hen 2000er Jah­ren gab es eine Ver­schie­bung in der Art und Wei­se, wie Geschlecht und Sexua­li­tät im fran­zö­si­schen poli­ti­schen Bereich dis­ku­tiert wur­den, da sie expli­zit mit Ras­sen­fra­gen in Ver­bin­dung gebracht wur­den. [14] Zu die­ser Zeit kon­zen­trier­ten sich die Medi­en auf sexu­el­le Gewalt­ak­te in den Pari­ser Ban­lieues (Vor­or­ten), die von jun­gen Män­nern nord­afri­ka­ni­scher Her­kunft began­gen wur­den [15] — die Zahl der Zei­tungs­ar­ti­kel zu die­sem The­ma ver­zehn­fach­te sich von 2000 bis 2001. [16] ]] Die­se Ansicht, dass sexu­el­le Gewalt in bestimm­ten geo­gra­fi­schen Gebie­ten ende­misch ist, kann nicht ver­stan­den wer­den, argu­men­tiert Myri­am Tick­tin, ohne die Debat­ten über Ein­wan­de­rung und natio­na­le Sicher­heit und die zuneh­men­de Isla­mo­pho­bie im Land zu berück­sich­ti­gen. [17] In Frank­reich exis­tier­ten Anfang der 2000er Jah­re zwei bemer­kens­wer­te Dis­kur­se neben­ein­an­der. Die ers­te kon­zen­trier­te sich auf den Kampf gegen Sexis­mus durch Ras­sis­mus und mobi­li­sier­te „das Kolo­ni­al­ar­chiv, das Ras­se / Klas­se durch Sexua­li­tät kodiert“ [18] (d. H. Der Migrant oder ras­si­sche Ande­re, der als sexu­el­ler Abweich­ler ange­se­hen wird). Der zwei­te war der insti­tu­tio­na­li­sier­te Dis­kurs über Gewalt gegen Frau­en, der seit den 1990er Jah­ren von den Ver­ein­ten Natio­nen aus­geht und der eine bes­se­re Sicht­bar­keit von Fra­gen im Zusam­men­hang mit Geschlecht und sexu­el­ler Gewalt ermög­lich­te (d. H. Geni­tal­ver­stüm­me­lung von Frau­en, häus­li­che Gewalt, Sati, Ehren­mor­de usw.). Zu die­ser Zeit haben die Ver­bo­te der pas­si­ven Wer­bung und des Hijab sowie der Fokus auf sexu­el­le Gewalt in den Ban­lieues in eini­gen wich­ti­gen Punk­ten einen Dis­kurs über den Schutz von Frau­en vor Gewalt und Unter­drü­ckung geführt — ob oder nicht Die­se Rhe­to­rik gilt tat­säch­lich in der Pra­xis. “[19] Die mora­li­sche Öko­no­mie hin­ter den Debat­ten und der Umset­zung von Geset­zen zur Kon­trol­le der Sexua­li­tät lös­te eine Panik aus, die sich auf in Frank­reich leben­de Migran­ten und ras­si­s­ier­te Nicht­mi­gran­ten kon­zen­trier­te. Die­ser Kon­text führ­te zu erheb­li­cher Feind­se­lig­keit und Spal­tung unter den Femi­nis­tin­nen in Frank­reich [20] und führ­te zur Kon­so­li­die­rung des­sen, was die ame­ri­ka­ni­sche Sozio­lo­gin Eli­sa­beth Bern­stein als “kar­ze­ra­len Femi­nis­mus” bezeich­net hat, eine Art Femi­nis­mus, der stark von staat­li­chen Macht­for­men wie der Straf­ver­fol­gung abhängt und Rechts­in­sti­tu­tio­nen, um das Patri­ar­chat zu bekämp­fen. [21] Die Kon­ver­genz einer bestimm­ten Art von hege­mo­nia­lem Femi­nis­mus mit dem Staat und sei­ner Ein­wan­de­rungs­po­li­tik hat in Frank­reich eine Poli­tik zur Bekämp­fung des Men­schen­han­dels geschaf­fen, die als „femo­na­tio­na­lis­tisch“ bezeich­net wer­den kann. [22] Die­ser von Sara Far­ris gepräg­te Begriff zeigt, wie pro­mi­nen­te Femi­nis­tin­nen und Büro­kra­ten­in­nen — Far­ris nennt sie „Femo­kra­ten“ — Geset­ze und Ein­stel­lun­gen geför­dert haben, die die mus­li­mi­sche Bevöl­ke­rung in Frank­reich stig­ma­ti­sie­ren, und so die Posi­tio­nen gegen den Islam im Namen der Frau­en­rech­te gestärkt haben. Aus femo­na­tio­na­lis­ti­scher Sicht wird das Pro­blem der Frau­en­feind­lich­keit und der patri­ar­cha­li­schen Herr­schaft all­zu oft in bestimm­te (arme) Gebie­te in fran­zö­si­schen Städ­ten ver­bannt, in denen vie­le ras­si­s­ier­te Men­schen leben. In den jüngs­ten Debat­ten über das Ver­bot der Sex­ar­beit wer­den arme Kli­en­ten und Kli­en­ten der Arbei­ter­klas­se von Sex­ar­bei­te­rin­nen als „schlech­te“ sexu­el­le Sub­jek­te patho­lo­gi­siert, die im zivi­li­sier­ten Raum der Repu­blik kei­nen Platz haben — dies ist das mora­li­sche Argu­ment gegen­über Idea­le der fran­zö­si­schen Staats­bür­ger­schaft. Gleich­zei­tig wer­den Kli­en­ten häu­fig als „regres­si­ve“ sexu­el­le Sub­jek­te ras­si­s­iert, die nicht wis­sen, wie sie eine Frau mit Respekt behan­deln sol­len, und die sehr wahr­schein­lich (ihre) Frau­en aus­beu­ten, indem sie Sex von ihnen kau­fen, sie pim­pen oder han­deln — das ist das ras­sis­ti­sche Argu­ment gegen Min­der­hei­ten und Migran­ten. In den Main­stream-Medi­en wer­den Men­schen, die in Quar­tie­ren leben (Arbei­ter­vier­tel), wegen ihrer sexis­ti­schen Hal­tung gegen­über Frau­en und schwu­len Män­nern stig­ma­ti­siert, wobei bei­de Grup­pen als ret­tungs­be­dürf­tig aus­ge­legt wer­den. Die­se Art des Ret­tungs­dis­kur­ses hat sich auf die Art und Wei­se aus­ge­wirkt, in der die Regie­rung gleich­zei­tig repres­si­ve Maß­nah­men ergrif­fen hat, um mus­li­mi­sche Frau­en zu ver­schlei­ern und die Pro­sti­tu­ti­on abzu­schaf­fen — im Namen der Gleich­stel­lung der Geschlech­ter und der Stär­kung der Frau­en. In einem unse­rer Inter­views sag­te Yves Char­pe­nel von der neo-aboli­tio­nis­ti­schen Grup­pe Fon­da­ti­on Scel­les, als er über Pro­sti­tu­ti­on in den ärms­ten Pari­ser Stadt­tei­len sprach: „Die­se Frau­en wer­den von ihren eige­nen Gemein­schaf­ten benutzt, im All­ge­mei­nen sind dies eth­ni­sche Min­der­hei­ten in den Ban­lieues Oft in Gang­bangs (Tour­nan­tes) ver­ge­wal­tigt, wer­den sie sozi­al deklas­siert, wer­den völ­lig still und unsicht­bar und kön­nen an die Ban­den in den nahe gele­ge­nen Ban­lieues ver­kauft wer­den (Inter­view, Febru­ar 2018). Die Kon­ver­genz der poli­ti­schen Ängs­te in Bezug auf öffent­li­che Ord­nung, Sicher­heit und Frau­en­frei­heit hat dazu geführt, dass die Hal­tung der fran­zö­si­schen Main­stream-Femi­nis­tin­nen zur Abschaf­fung der Pro­sti­tu­ti­on und damit zum Phä­no­men des Men­schen­han­dels radi­ka­li­siert wur­de. Die erhöh­te Sicht­bar­keit von Migran­ten im Bereich der Sex­ar­beit — ins­be­son­de­re auf der Stra­ße und im öffent­li­chen Raum — hat die­se Beden­ken ver­schärft. Migra­ti­ons­kon­trol­le: öffent­li­che Ord­nung und natio­na­le Sicher­heit Die Anwe­sen­heit von Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund in ganz Frank­reich wur­de als öffent­li­ches Ärger­nis ange­se­hen. Eini­ge Städ­te, wie bei­spiels­wei­se Lyon, haben bereits vor LSI, dem Gesetz über die inne­re Sicher­heit von 2003, begon­nen, Anti-Wer­be­ge­set­ze in der Innen­stadt anzu­wen­den. Wie über­all in Euro­pa muss­ten Stadt­zen­tren und gen­tri­fi­zier­te Gebie­te „geschützt“ wer­den, und bereits 2002 wur­den lan­des­weit auf kom­mu­na­ler Ebe­ne Ver­ord­nun­gen gegen Wer­bung erlas­sen. [23] Die Auf­recht­erhal­tung der öffent­li­chen Ord­nung durch die Bestra­fung der Wer­bung wur­de unter dem dama­li­gen Innen­mi­nis­ter Nico­las Sar­ko­zy zu einer Ange­le­gen­heit der natio­na­len Sicher­heit. Dies geschah, weil Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund als mit Netz­wer­ken des Men­schen­han­dels ver­bun­den ange­se­hen wur­den. Sie ver­kör­per­ten eine Form trans­na­tio­na­ler Kri­mi­na­li­tät, die in Frank­reich Fuß fasst. Im Rah­men des LSI (und der Umset­zung des UN-Men­schen­han­dels­pro­to­kolls) erhiel­ten Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die wegen Wer­bung ver­haf­tet wur­den, die Mög­lich­keit, auf Mecha­nis­men zur Bekämp­fung des Men­schen­han­dels zuzu­grei­fen und eine vor­über­ge­hen­de Auf­ent­halts­er­laub­nis zu erhal­ten, sofern sie ihre Zuhäl­ter und / oder Men­schen­händ­ler mel­de­ten. Die Kon­trol­le der Migran­ten­zah­len ist für die Ver­brie­fung in Frank­reich von zen­tra­ler Bedeu­tung. Die soge­nann­te „Flücht­lings­kri­se“ in Euro­pa, die Ter­ror­an­schlä­ge von 2015 in Frank­reich und Bel­gi­en und der dar­auf fol­gen­de zwei­jäh­ri­ge Aus­nah­me­zu­stand sowie das dar­auf­fol­gen­de Anti-Ter­ror-Gesetz, das 2017 von der Regie­rung von Prä­si­dent Macron umge­setzt wur­de, lös­ten eine Zunah­me der Iden­ti­täts­prü­fun­gen aus , Über­fäl­le und wei­te­re Stig­ma­ti­sie­rung des Islam, die sich alle gegen ras­si­s­ier­te Men­schen und Migran­ten im Land rich­ten. Die­se außer­or­dent­li­chen poli­zei­li­chen und admi­nis­tra­ti­ven Maß­nah­men wur­den im Rah­men des kon­ven­tio­nel­len Modus Ope­ran­di im Rah­men des état d’urgence gerecht­fer­tigt. [24] Migran­ten wer­den zuneh­mend als Raub­tie­re dar­ge­stellt und sind scho­ckie­rend hohen Poli­zei­kon­trol­len aus­ge­setzt. Wie unse­re eth­no­gra­fi­schen Unter­su­chun­gen gezeigt haben, hat die von insti­tu­tio­nel­len Femi­nis­tin­nen aus­ge­hen­de Agen­da der Regie­rung zur Gleich­stel­lung der Geschlech­ter die ras­sis­ti­sche Logik ihrer Sicher­heits­maß­nah­men nicht in Fra­ge gestellt. im Gegen­teil, es hat Kar­zeral­prak­ti­ken legi­ti­miert, um die Abschaf­fung der Pro­sti­tu­ti­on vor­an­zu­trei­ben. Neue Alli­an­zen und die Neu­de­fi­ni­ti­on des „Pro­blems der Pro­sti­tu­ti­on“ Auf­kom­men­de Alli­an­zen zwi­schen ver­schie­de­nen Akteu­ren haben die Poli­ti­sie­rung des „Pro­blems der Pro­sti­tu­ti­on“ sowie sei­nen Platz auf der insti­tu­tio­nel­len Agen­da in Frank­reich beein­flusst. [25] Das Bünd­nis neo-aboli­tio­nis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen, insti­tu­tio­nel­ler Femi­nis­tin­nen und femi­nis­ti­scher Main­stream-Bewe­gun­gen hat die Pro­sti­tu­ti­on durch das neo-aboli­tio­nis­ti­sche Para­dig­ma neu defi­niert und mit Gewalt gegen Frau­en in Ver­bin­dung gebracht. [26] Dar­über hin­aus wur­den Anti­neo­li­be­ral- und Anti­glo­ba­li­sie­rungs­dis­kur­se weit­ge­hend mobi­li­siert, um Pro­sti­tu­ti­on als poli­ti­sches The­ma sowohl auf natio­na­ler als auch auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne neu zu defi­nie­ren. [27] Die Kon­ver­genz von Neo-Aboli­tio­nis­tin­nen, Femi­nis­tin­nen und öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen Das ers­te Bünd­nis, auf das wir hin­wei­sen möch­ten, ist das unter den neo-aboli­tio­nis­ti­schen Akteu­ren selbst, dh femi­nis­ti­schen Inter­es­sen­grup­pen und tra­di­tio­nel­len neo-aboli­tio­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen. Zu den Neo-Aboli­tio­nis­ten, auf die wir uns bezie­hen, gehö­ren Orga­ni­sa­tio­nen, die unter die recht­li­che Kate­go­rie „gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen“ fal­len (Ver­bän­de, die sich wie­der für die Öffent­lich­keit ein­set­zen), d. H. Orga­ni­sa­tio­nen mit einem Ziel von öffent­li­chem Inter­es­se, die von öffent­li­chen Gel­dern, Geschen­ken und Ver­mächt­nis­sen pro­fi­tie­ren kön­nen. Wir bezeich­nen die­se Akteu­re als „mora­li­sche Unter­neh­mer“ [28] und beto­nen damit ihre mora­li­sche Hal­tung und die katho­li­sche Tra­di­ti­on, aus der ihre Poli­tik her­vor­geht. [29] Unter die­sen Orga­ni­sa­tio­nen haben das Mou­ve­ment du Nid und die Fon­da­ti­on Scel­les eine zen­tra­le Rol­le gespielt. Zusam­men mit femi­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen grün­de­ten sie Aboli­ti­on 2012, ein Kol­lek­tiv aller Neo-Aboli­tio­nis­ten, die sich für die Aus­rot­tung der Pro­sti­tu­ti­on in Frank­reich ein­set­zen. Auf die Fra­ge nach den Ver­bin­dun­gen zwi­schen dem Mou­ve­ment du Nid und der Fon­da­ti­on Scel­les erklär­te Yves Char­pe­nel, Prä­si­dent der Fon­da­ti­on Scel­les:     Y. Char­pe­nel: Wir haben gemein­sam die Abschaf­fung 2012 und die GAP (Koali­ti­on zur Abschaf­fung der Pro­sti­tu­ti­on) ins Leben geru­fen, in der 23 Orga­ni­sa­tio­nen aus 23 ver­schie­de­nen Län­dern zusam­men­kom­men. Wir tau­schen Wis­sen über ver­schie­de­ne natio­na­le Geset­ze aus und arbei­ten auch mit Über­le­ben­denor­ga­ni­sa­tio­nen zusam­men. “Über­le­ben­de” bezieht sich hier auf ehe­ma­li­ge Sex­ar­bei­te­rin­nen — Anmer­kung der Autoren].     C: Aboli­ti­on 2012 wur­de also zu Beginn von… erstellt?     Y. Char­pe­nel: Die Fon­da­ti­on [Scel­les] und das Mou­ve­ment du Nid, ja. Und dann mach­ten Femi­nis­tin­nen mit. Die Abschaf­fung 2012 war das Ergeb­nis des Bünd­nis­ses von etwa 80 Neo-Aboli­tio­nis­tin­nen und Femi­nis­tin­nen, die sowohl aus Inter­es­sen­grup­pen als auch aus öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen stamm­ten. Sie ver­sam­mel­ten sich, um Tref­fen und Demons­tra­tio­nen zu orga­ni­sie­ren, um das End­nach­fra­ge­ge­setz zu unter­stüt­zen. Die befrag­ten Abge­ord­ne­ten erwähn­ten die unver­zicht­ba­re Unter­stüt­zung femi­nis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen. Cathe­ri­ne Cou­tel­le, ehe­ma­li­ge Abge­ord­ne­te und Vize­prä­si­den­tin des mit der Ent­wick­lung des Geset­zes beauf­trag­ten Son­der­aus­schus­ses, erklär­te: „Die Abschaf­fung 2012 war eine sehr nütz­li­che Bewe­gung. Wir haben uns regel­mä­ßig mit ihnen befasst, wenn wir der Mei­nung waren, dass die öffent­li­che Mei­nung und die Pres­se dies nicht waren genug dafür, dann haben sie Leit­ar­ti­kel in Zei­tun­gen usw. geschrie­ben “(Inter­view, Janu­ar 2018). Aboli­ti­on 2012 ist nicht nur eine Inter­es­sen­ver­tre­tung, die sich aus Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­setzt, die ver­su­chen, Druck auf öffent­li­che Insti­tu­tio­nen aus­zu­üben. Beam­te und Insti­tu­tio­nen sind ein zen­tra­ler Bestand­teil des Kol­lek­tivs. In einem Inter­view mit Hélè­ne Bidard, der für die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter in Paris zustän­di­gen Beam­ten, bestä­tig­te sie die Bedeu­tung die­ses Kol­lek­tivs und die Rol­le der Mai­rie de Paris und ande­rer öffent­li­cher Insti­tu­tio­nen bei der Ent­wick­lung des End­nach­fra­ge­ge­set­zes. Sie ver­sam­mel­ten sich wie­der­holt und orga­ni­sier­ten Demons­tra­tio­nen vor der Ver­samm­lung und dem Senat, um sie auf die Tages­ord­nung zu set­zen “(Inter­view, April 2018). In die­sem Pro­zess wur­de das Mou­ve­ment du Nid zu dem, was King­don als „ver­steck­ten Teil­neh­mer“ bezeich­net [30], da es durch hart­nä­cki­ges Lob­by­ing eine füh­ren­de Rol­le hin­ter den Kulis­sen spiel­te. In unse­rem Inter­view wies Cathe­ri­ne Cou­tel­le auf das uner­müd­li­che Enga­ge­ment des Mou­ve­ment hin: Ich wer­de es Ihnen von Anfang an erklä­ren, wie nie­mand weiß [lacht]. Das Mou­ve­ment du Nid orga­ni­sier­te 2012 ein Mit­tag­essen an der Som­mer­uni­ver­si­tät von La Rochel­le mit Najat Val­laud-Belk­a­cem [damals Minis­te­rin für Frau­en­an­ge­le­gen­hei­ten]. Gré­go­i­re Thé­ry [die Prä­si­den­tin von Mou­ve­ment] woll­te, dass ich kom­me, da ich gera­de Prä­si­den­tin der Frau­en­rechts­de­le­ga­ti­on gewor­den war, und sie wuss­ten, dass ich ein stra­te­gi­scher Akteur sein könn­te. Und ich fühl­te, dass die­ses Mit­tag­essen wie eine Fal­le war [lacht], ich mei­ne, er [Thé­ry] war neben Najat und sag­te: „Najat, die­ses Gesetz muss unbe­dingt ver­ab­schie­det wer­den, du musst es anneh­men, es muss auf die Tages­ord­nung gesetzt wer­den. Wann beginnt das Par­la­ment dar­über zu dis­ku­tie­ren? “Ich war erstaunt und dach­te nach.” Aber was macht die­se Orga­ni­sa­ti­on und dik­tiert uns unse­re Agen­da? … “. Dem Mou­ve­ment gelang es, wäh­rend for­mel­ler und infor­mel­ler Tref­fen Druck auf Abge­ord­ne­te und Beam­te aus­zu­üben, indem er kon­ti­nu­ier­lich sowohl die Rele­vanz als auch die Dring­lich­keit des Geset­zes beton­te. Bei der Beschrei­bung der Lob­by­pra­xis des Mou­ve­ment ver­wen­de­te Lor­raine Ques­tiaux, eine Anwäl­tin des Mou­ve­ment, den Aus­druck „Beläs­ti­gung von Poli­ti­kern“ (Inter­view, April 2018). Auf allen Ebe­nen spiel­te das Mou­ve­ment eine Schlüs­sel­rol­le bei der Neu­de­fi­ni­ti­on des Pro­blems und sei­ner Auf­nah­me in die insti­tu­tio­nel­le Agen­da. Die ideo­lo­gi­sche Neu­de­fi­ni­ti­on des „Pro­blems der Pro­sti­tu­ti­on“: die Ver­wen­dung anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Rhe­to­rik Es ist erwäh­nens­wert, dass die repres­si­ve Poli­tik der fran­zö­si­schen Regie­rung in Bezug auf Sex­ar­beit das Ergeb­nis der Über­zeu­gun­gen und Bemü­hun­gen sozia­lis­ti­scher Poli­ti­ker ist, im Gegen­satz zu ande­ren Län­dern, in denen das End­nach­fra­ge­mo­dell unter kon­ser­va­ti­ven Regie­run­gen umge­setzt wur­de, wie in Kana­da und im Nor­den Irland. Tat­säch­lich war die poli­ti­sche Neu­de­fi­ni­ti­on des „Pro­blems der Pro­sti­tu­ti­on“ vom lin­ken Stand­punkt aus ent­schei­dend für den Erfolg der femi­nis­ti­schen, neo-aboli­tio­nis­ti­schen Visi­on in Frank­reich. Die Ver­wen­dung des Anti­glo­ba­li­sie­rungs­ar­gu­ments [31] sowie ande­rer mar­xis­ti­scher Vor­stel­lun­gen über die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Erwerbs­be­völ­ke­rung hat dazu bei­getra­gen, zu behaup­ten, dass das Gesetz im Kern nicht nur fort­schritt­lich, son­dern sogar anti­ka­pi­ta­lis­tisch ist. Femi­nis­tin­nen der radi­ka­len Lin­ken tru­gen zur Kon­so­li­die­rung der Unter­stüt­zung für das End­nach­fra­ge­mo­dell bei. Zum Bei­spiel hat das Gen­der-Komi­tee der Anti-Glo­ba­li­sie­rungs­grup­pe Attac argu­men­tiert, dass Pro­sti­tu­ti­on die Kom­mer­zia­li­sie­rung von Frau­en­kör­pern för­dert und dass sie das bes­te Bei­spiel für glo­ba­li­sier­te Zwangs­ar­beit dar­stellt und sich damit in eine neo­li­be­ra­le Ideo­lo­gie ein­fügt. [32] Die Sozio­lo­gin Marie-Vic­toire Lou­is, Prä­si­den­tin der AVFT (Asso­cia­ti­on euro­pé­en­ne cont­re les vio­len­ces fai­tes aux femmes au tra­vail), war in den 1990er Jah­ren die ers­te, die Anti­ka­pi­ta­lis­mus und Neoa­boli­tio­nis­mus mit­ein­an­der ver­band. Sie defi­nier­te Pro­sti­tu­ti­on als Frucht patri­ar­cha­li­scher Gewalt, die zur Ver­mark­tung von Frau­en­kör­pern zum Nut­zen von Kli­en­ten, Zuhäl­tern und des Staa­tes führ­te. [33] Nach die­ser Logik wird die Unter­drü­ckung zur not­wen­di­gen Posi­ti­on, um das „Nicht-Eigen­tum“ des mensch­li­chen Kör­pers zu bekräf­ti­gen, das mit dem Rechts­be­griff der Men­schen­wür­de ver­bun­den ist, wie der Titel des Attac-Berichts 2008 zeigt: Glo­ba­li­sie­rung der Pro­sti­tu­ti­on, eine glo­ba­le Ver­let­zung der Men­schen­wür­de “. Eini­ge der neo-aboli­tio­nis­ti­schen Akteu­re, die das Gesetz von 2016 unter­stütz­ten oder mobi­li­sier­ten, hat­ten Kar­rie­ren und öffent­li­che Rol­len in neo-aboli­tio­nis­ti­schen Grup­pen, femi­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen und radi­ka­len lin­ken poli­ti­schen Par­tei­en. Zum Bei­spiel argu­men­tier­te Lor­raine Ques­tiaux von der Mou­ve­ment in unse­rem Inter­view, dass das Gesetz von 2016 eine „ech­te Revo­lu­ti­on“ dar­stel­le:     Es ist eine Revo­lu­ti­on; es ist für mich das revo­lu­tio­närs­te Gesetz der letz­ten 40 Jah­re. Es ist der letz­te sozia­le Fort­schritt, den wir erzielt haben: Es ist das ers­te Mal, dass wir so deut­lich bekräf­ti­gen, dass Arbeit kei­ne tota­le Aus­beu­tung des Ein­zel­nen sein kann. Wir bekräf­ti­gen, dass wir das Indi­vi­du­um, sei­nen Kör­per und sei­ne Psy­che nicht voll­stän­dig aus­beu­ten kön­nen. Es ist ein anti­ka­pi­ta­lis­ti­sches Gesetz. Ein mar­xis­ti­sches Gesetz, zutiefst mar­xis­tisch. Als sie gefragt wur­de, wie die­ses Gesetz „zutiefst mar­xis­tisch“ ist, erklär­te sie, dass „der Höhe­punkt des Kapi­ta­lis­mus die Pro­sti­tu­ti­on ist“, da er die Per­son ganz­heit­lich aus­beu­tet. Sie schrieb dann den Aboli­tio­nis­mus in die Geschich­te der Bewe­gun­gen für den sozia­len Fort­schritt ein: Jedes Arbeits­ge­setz und jede Reform hat­te ein ein­zi­ges Ziel: die Ver­hin­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on. Seit Beginn des Jahr­hun­derts for­der­ten wir den Schutz des Kör­pers, dass Arbeits­un­fäl­le abge­deckt wer­den soll­ten, fle­xi­ble Arbeits­zei­ten, damit Men­schen nicht am Arbeits­platz ster­ben, damit der Kör­per nicht beschä­digt wer­den kann, ver­braucht durch die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se der kapi­ta­lis­ti­scher Aus­beu­ter. So ver­wen­den neo-aboli­tio­nis­ti­sche Akteu­re anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Rhe­to­rik, um ihre ideo­lo­gi­sche Posi­ti­on zu ver­tei­di­gen. Die Ein­tra­gung des neo-aboli­tio­nis­ti­schen Geset­zes in den his­to­ri­schen Rah­men sozia­ler Refor­men wird durch die Betei­li­gung von Akteu­ren der fran­zö­si­schen radi­ka­len Lin­ken an der Debat­te über Pro­sti­tu­ti­on ver­stärkt, aber auch durch Akteu­re, die eine Mul­ti­po­si­tio­na­li­tät genie­ßen und gleich­zei­tig an femi­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen betei­ligt sind. öffent­li­che Insti­tu­tio­nen und radi­ka­le lin­ke Par­tei­en. Die Dele­gi­ti­mie­rung von Sex­ar­bei­te­rin­nen: sym­bo­li­sche Gewalt und Kol­la­te­ral­schä­den Poli­tik und Gesetz­ge­ber ver­ewi­gen die his­to­ri­sche Unhör­bar­keit von Sex­ar­bei­te­rin­nen, und Sex­ar­bei­te­rin­nen spre­chen wei­ter­hin über Orga­ni­sa­tio­nen, Gewerk­schaf­ten, ein­zel­ne Ver­tre­ter, aber nie­mand hört zu. [34] Ins­be­son­de­re Migran­ten, die im Bereich der Sex­ar­beit tätig sind, unter­lie­gen in beson­de­rer Wei­se insti­tu­tio­nel­len Stumm­schal­tungs­stra­te­gien. Ers­tens wird dies durch das Opfer des Men­schen­han­dels erreicht, wie es sys­te­ma­tisch auf sie ange­wen­det wird. Der Fall der chi­ne­si­schen Sex­ar­bei­te­rin­nen in Paris ist inso­fern von Bedeu­tung, als er die­se Kate­go­ri­sie­rung in Fra­ge stellt. Flo­rence Lévy und Marylè­ne Lie­ber zei­gen, dass chi­ne­si­sche Frau­en, die Sex in Paris ver­kau­fen, größ­ten­teils unab­hän­gig arbei­ten und dass sie mit der Sex­ar­beit begin­nen, nach­dem sie die Mög­lich­kei­ten zur Bekämp­fung der Armut und zum Zugang zu Res­sour­cen bewer­tet haben, dh ihre Fähig­keit, Plä­ne zu schmie­den, Stra­te­gien zu haben, und inner­halb einer begren­zen­den Struk­tur zu han­deln. [35] Wäh­rend unse­res Inter­views erklär­te die neo-aboli­tio­nis­ti­sche Poli­ti­ke­rin Maud Oli­vi­er jedoch kate­go­risch, dass chi­ne­si­sche Sex­ar­bei­te­rin­nen von „sehr gewalt­tä­ti­gen chi­ne­si­schen Mafi­as, sie wer­den ver­letzt und bru­ta­li­siert“ abhän­gig sind, wodurch jede Form von Ent­schei­dungs­frei­heit die­ser Grup­pe von Migran­tin­nen voll­stän­dig zunich­te gemacht wird. Zwei­tens sind Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, wenn sie mobi­li­sie­ren, um ihre Rech­te gel­tend zu machen und durch öffent­li­che Demons­tra­tio­nen für Ver­bes­se­run­gen ihrer Arbeits­be­din­gun­gen zu kämp­fen, einer stär­ke­ren Poli­zei­ar­beit aus­ge­setzt, und ihr Migra­ti­ons­sta­tus kann sie leicht in Haft und Abschie­bung brin­gen. Selbst nach der Mobi­li­sie­rung chi­ne­si­scher Sex­ar­bei­te­rin­nen durch den Lotus Bus — ein Unter­stüt­zungs­pro­gramm, das die NGO Méde­cins du Mon­de im Jahr 2002 ins Leben geru­fen hat­te — war die Repres­si­on der Poli­zei wei­ter­hin hoch. [36] Wäh­rend unse­rer Feld­ar­beit erfuh­ren wir außer­dem, dass sowohl die Sex­ar­bei­te­rin­nen als auch Méde­cins du Mon­de kei­ne öffent­li­chen Sub­ven­tio­nen mehr von Marie de Paris erhiel­ten. Daher sind Sex­ar­bei­te­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund im Namen des Schut­zes häu­fig das Ziel repres­si­ver und stra­fen­der Maß­nah­men. Die­se Mecha­nis­men sind Teil einer „sexu­ell huma­ni­tä­ren“ Logik, ein Kon­zept, mit dem Nico­la Mai das spe­zi­fi­sche Zusam­men­spiel von Schutz und Kon­trol­le beschreibt, das Migran­ten erfah­ren, wenn sie auf­grund ihres sexu­el­len Ver­hal­tens und ihrer Ori­en­tie­rung durch huma­ni­tä­re Dis­kur­se und Inter­ven­tio­nen als ver­wund­bar ange­se­hen wer­den und Arbeit. [37] Ganz all­ge­mein beruht die Dele­gi­ti­mie­rung der Argu­men­te und der Arbeit von Sex­ar­bei­te­rin­nen, ob Migran­ten oder Nicht­mi­gran­ten, auf dem Begriff „sym­bo­li­sche Gewalt“, der sich auf „die Gewalt bezieht, die auf einen Sozi­al­agen­ten mit ihrer Mit­schuld aus­ge­übt wird“. [38] In Frank­reich wur­de die­ses Kon­zept sowohl im Hijab-Ver­bot als auch in den Debat­ten über Sex­ar­beit aus­gie­big ange­wen­det, sodass die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger behaup­ten konn­ten, dass domi­nier­te Men­schen — hier ver­schlei­er­te Frau­en und Sex­ar­bei­te­rin­nen — unbe­wusst akzep­tie­ren, domi­niert zu wer­den, und sogar das Recht dar­auf bean­spru­chen. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel dafür war, als die dama­li­ge Minis­te­rin für Frau­en­rech­te, Lau­rence Ros­si­gnol, im Jahr 2016 mus­li­mi­sche Frau­en, die den Hijab tru­gen, in einem fran­zö­si­schen Radio­pro­gramm mit „afri­ka­ni­schen Skla­ven in den USA, die für Skla­ve­rei waren“ ver­glich. [39] Das repres­si­ve Para­dig­ma der Sex­ar­beit kann sich nicht vor­stel­len, dass Sex­ar­bei­te­rin­nen für sich selbst spre­chen kön­nen. Thier­ry Schaf­fau­ser, Mit­glied von STRASS, der fran­zö­si­schen Gewerk­schaft der Sex­ar­bei­te­rin­nen, sag­te uns: „Weil ich ein Mann bin, weil ich ihre Argu­men­te anfech­ten kann, Die Aboli­tio­nis­ten sehen mich nicht als Sex­ar­bei­te­rin. Sie sagen, dass ich es wäh­le oder dass ich ein Zuhäl­ter bin. “ Seit sei­ner Grün­dung im Jahr 2009 war STRASS das Ziel neo-aboli­tio­nis­ti­scher Argu­men­te in der Pres­se und in den natio­na­len Medi­en, wonach Sex­ar­bei­ter-Akti­vis­ten Zuhäl­ter, Lüg­ner oder „Ermög­li­cher von Aus­beu­tern und Men­schen­händ­lern“ sind. [40] Wich­ti­ge Ähn­lich­kei­ten sind im Ent­wurfs­pro­zess zu beob­ach­ten, der zum Gesetz von 2004 über das Ver­bot des Kopf­tuchs in Schu­len und zum Gesetz von 2016 zur Kri­mi­na­li­sie­rung von Kli­en­ten von Sex­ar­bei­te­rin­nen führt, ins­be­son­de­re durch die Dele­gi­ti­mie­rung sowohl ver­schlei­er­ter Frau­en als auch Sex­ar­bei­te­rin­nen und deren angeb­li­che Unfä­hig­keit, für sich selbst zu spre­chen. [ 41] In bei­den Fäl­len waren Son­der­aus­schüs­se der Natio­nal­ver­samm­lung für die Durch­füh­rung von Anhö­run­gen mit aus­ge­wähl­ten Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen zustän­dig, die als „Exper­ten“ in die­ser Ange­le­gen­heit ver­stan­den wur­den. In Bezug auf das Ver­bot von 2004 waren ver­schlei­er­te Frau­en nicht im Son­der­aus­schuss anwe­send [42], eben­so wenig wie die Spre­cher, Sozi­al­wis­sen­schaft­ler und Leh­rer gegen das Ver­bot. [43] Im Jahr 2013 berief der Son­der­aus­schuss die Geg­ner des End­nach­fra­ge­ge­set­zes gleich­zei­tig und an einem ein­zi­gen Tag (30. April) ein, so dass sie nur weni­ge Stun­den Zeit hat­ten, mit den Abge­ord­ne­ten zu debat­tie­ren. Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen, die das Gesetz unter­stüt­zen, waren jedoch wäh­rend des gesam­ten Ent­wurfs­pro­zes­ses betei­ligt. Maud Oli­vi­er, der dama­li­ge Bericht­erstat­ter des Geset­zes, sag­te, dass die Abge­ord­ne­ten “auch auf sie [die Sex­ar­bei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen] hören müs­sen, um nicht sek­tie­re­risch, par­tei­isch oder nicht objek­tiv zu wir­ken”, und dass “die Abge­ord­ne­ten bereits wuss­ten, dass sie dies nicht tun wür­den über­zeu­gen’. Gleich­zei­tig waren sich die Sex­ar­bei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen bewusst, dass ihre Ein­la­dung zur Dis­kus­si­on ledig­lich eine Form des Toke­nis­mus war. Die dama­li­ge Sekre­tä­rin von STRASS, Mor­ga­ne Mer­teuil, sag­te uns: „Das Ziel der Abge­ord­ne­ten war es, eine Situa­ti­on zu schaf­fen, in der Wor­te gegen uns ver­wen­det wer­den kön­nen. Sie brauch­ten unse­re Argu­men­te, um ihren Bericht fer­tig­zu­stel­len und zu legi­ti­mie­ren, was sie von Anfang an gesagt haben “(Inter­view, April 2018). Dies bedeu­te­te, dass die Ent­schei­dung bereits getrof­fen wor­den war. Die Zusam­men­set­zung der Son­der­aus­schüs­se der Regie­rung zu die­sen bei­den The­men (Kopf­tuch und Pro­sti­tu­ti­on) spie­gel­te die ideo­lo­gi­schen Posi­tio­nen ihrer Mit­glie­der wider. Die­se Aus­schüs­se wur­den effek­tiv zum stra­te­gi­schen Ort für „die Erstel­lung einer im Vor­aus geplan­ten Erzäh­lung, um die Not­wen­dig­keit des Ver­bots zu recht­fer­ti­gen“. [44] Hier wird der Schlei­er leicht als Sym­bol für die Unter­drü­ckung von Frau­en gewor­fen, und Pro­sti­tu­ti­on wird als inhä­rent geschlechts­spe­zi­fi­sche Gewalt ange­se­hen. Dies ist die Logik, die ver­schlei­er­te Frau­en von der poli­ti­schen und par­la­men­ta­ri­schen Debat­te im Jahr 2004 und spä­ter Sex­ar­bei­te­rin­nen von den Debat­ten in den Jah­ren 2013 bis 2016 aus­schloss. Der neo-aboli­tio­nis­ti­sche Rah­men hat unwei­ger­lich Kol­la­te­ral­schä­den ver­ur­sacht, dh die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen die­ser Poli­tik wer­den nicht berück­sich­tigt. In die­sem Zusam­men­hang wird die Figur der Sex­ar­bei­te­rin als ret­tungs­wür­dig aus­ge­legt und gleich­zei­tig als Kol­la­te­ral­scha­den aner­kannt, da sie sich in einem kri­mi­na­li­sier­ten poli­tisch-wirt­schaft­li­chen Raum befin­det. Unter den poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern besteht der sexu­el­le huma­ni­tä­re Dis­kurs über Inter­ven­tio­nen zur Been­di­gung sym­bo­li­scher Gewalt und das Bewusst­sein für den Scha­den, der den Ziel­grup­pen zuge­fügt wur­de, neben­ein­an­der. Das Han­deln auf „sym­bo­li­sche Gewalt“ funk­tio­niert auf dis­kur­si­ver Ebe­ne, und die dar­aus resul­tie­ren­de Fol­ge ist die nach­tei­li­ge Aus­wir­kung auf den Lebens­un­ter­halt von Sex­ar­bei­te­rin­nen, die nach wie vor am stärks­ten von Bestra­fungs­maß­nah­men betrof­fen sind. Dabei wird das Leben von Sex­ar­bei­te­rin­nen „ver­füg­bar“ [45], da sie für das Wohl des Ver­suchs, eine Welt ohne Pro­sti­tu­ti­on zu schaf­fen, geop­fert wer­den kön­nen. Auf Regie­rungs­ebe­ne ist die­ser Scha­den für Sex­ar­bei­te­rin­nen durch Grenz­kon­trol­len, natio­na­le Sicher­heit, öffent­li­che Ord­nung und Frau­en­rech­te gerecht­fer­tigt. Fazit Die mora­li­sche Panik über den Men­schen­han­del führt dazu, dass Mythen über sein Aus­maß und die Umstän­de, unter denen er auf­tritt, fort­be­stehen. [46] In einer 2015 in Frank­reich durch­ge­führ­ten Stu­die führ­ten Mai und Gia­met­ta vor der Umset­zung des Geset­zes vom April 2016 eine Umfra­ge unter 500 Sex­ar­bei­te­rin­nen in den wich­tigs­ten fran­zö­si­schen Städ­ten durch [47], aus der her­vor­geht, dass 98 Pro­zent der Befrag­ten gegen die Ver­ab­schie­dung des Geset­zes und dass rund 7 Pro­zent als poten­zi­el­le Opfer des Men­schen­han­dels iden­ti­fi­ziert wer­den könn­ten. Die Art und Wei­se, wie Frank­reich beschlos­sen hat, das „Pro­blem der Pro­sti­tu­ti­on“ anzu­ge­hen, stimmt mit brei­te­ren ideo­lo­gi­schen Posi­tio­nen zum Krieg gegen Dro­gen und Pro­sti­tu­ti­on in ande­ren Tei­len der Welt über­ein. Ers­tens lehnt es empi­ri­sches Wis­sen ab, das von Sozi­al­wis­sen­schaft­lern erstellt wur­de, die die Phä­no­me­ne unter­su­chen. [48] Zwei­tens wer­den ras­sis­ti­sche Bil­der ver­wen­det, um affek­ti­ve und huma­ni­tä­re For­men der Regie­rungs­füh­rung zu för­dern, die auf Abscheu (gegen Men­schen­händ­ler und ande­re „Aus­beu­ter“) und Mit­leid (gegen­über Sex­ar­bei­te­rin­nen / Opfern) beru­hen. Schließ­lich wer­den Richt­li­ni­en erstellt, die sich sehr nach­tei­lig auf den Lebens­un­ter­halt der Men­schen aus­wir­ken, die geschützt wer­den sol­len, da die Arbeit dadurch viel ver­steck­ter und gefähr­li­cher wird. Wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen zum „schwe­di­schen Modell“ und sei­nen Aus­wir­kun­gen in Schwe­den haben gezeigt, dass die­ser Rah­men den Lebens­un­ter­halt der Sex­ar­bei­te­rin­nen beein­träch­tigt und ihre Iso­la­ti­on und Stig­ma­ti­sie­rung sowie ihre Gewalt­an­wen­dung erhöht. [49] Akti­vis­ten und Wis­sen­schaft­ler haben auch wie­der­holt die Dimen­si­on der Bekämp­fung des Men­schen­han­dels in Fra­ge gestellt, die dem End­nach­fra­ge­an­satz inne­wohnt. Sex­ar­bei­te­rin­nen, sowohl Migran­ten als auch Nicht-Migran­ten, sind infol­ge des „Anti-Men­schen­han­dels“ anfäl­li­ger für Aus­beu­tung, Miss­brauch und Zwang. [50] Wie Ander­son und O’Connell David­son argu­men­tie­ren, wer­den durch die Kri­mi­na­li­sie­rung der Nach­fra­ge nicht die struk­tu­rel­len sozio­öko­no­mi­schen Pro­ble­me ange­gan­gen, die Men­schen­han­del und Aus­beu­tung her­vor­ru­fen und auf­recht­erhal­ten. [51] Der Aus­schluss von Sex­ar­bei­te­rin­nen aus den sie betref­fen­den poli­ti­schen Debat­ten resul­tiert dar­aus, dass sie durch das Pris­ma von Geschlecht und Ras­se als „sozi­al abwei­chend“ aus­ge­legt wer­den [52] und sich im Rah­men grö­ße­rer natio­na­ler Ängs­te hin­sicht­lich der öffent­li­chen Ord­nung, Sicher­heit und Ein­wan­de­rungs­kon­trol­le befin­den . Wie wir gezeigt haben, haben ver­schlei­er­te mus­li­mi­sche Frau­en in Frank­reich eine ähn­li­che Situa­ti­on: Das Ver­bot des Schlei­ers kann nicht von ras­sis­ti­schen und ein­wan­de­rungs­feind­li­chen Maß­nah­men gelöst wer­den, in denen mus­li­mi­sche Män­ner als „Unter­drü­cker“ und mus­li­mi­sche Frau­en als „Opfer“ dar­ge­stellt wer­den, um zu ret­ten. [53] Eben­so kann die repres­si­ve Sex­ar­beits­po­li­tik nicht von natio­na­len Beden­ken hin­sicht­lich Ein­wan­de­rung und Sicher­heit iso­liert wer­den. [54] Die lega­le Taxo­no­mie bedient sich sozia­ler Kate­go­rien von Abwei­chun­gen, die durch gesell­schafts­po­li­ti­sche und kul­tu­rel­le Dis­kur­se in der grö­ße­ren Gesell­schaft zir­ku­lie­ren. [55] Repres­si­ve Geset­ze zur Pro­sti­tu­ti­on kon­so­li­die­ren nicht nur „abwei­chen­de Kate­go­rien“, son­dern stel­len sie auch in den Dienst umfas­sen­de­rer Stra­te­gien der staat­li­chen Kon­trol­le. Char­lè­ne Cal­der­a­ro ist Dok­to­ran­din am Zen­trum für Gen­der Stu­dies der Uni­ver­si­tät Lau­sanne, Schweiz. Ihre aktu­el­le Arbeit kon­zen­triert sich auf femi­nis­ti­sche sozia­le Bewe­gun­gen und Kon­flik­te. In ihrer Mas­ter­ar­beit, die sie an der EHESS (Paris) abschloss, unter­such­te sie die Kon­struk­ti­on des Pro­blems der Pro­sti­tu­ti­on und den Ent­wurfs­pro­zess des neo-aboli­tio­nis­ti­schen Geset­zes. Sie hat auch an dem Gesetz gear­bei­tet, das das Kopf­tuch in Schu­len in Frank­reich ver­bie­tet, und dabei die Alli­an­zen zwi­schen fran­zö­si­schen öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen und eini­gen femi­nis­ti­schen Grup­pen her­vor­ge­ho­ben. E‑Mail: . Calo­ge­ro Gia­met­ta ist Sozio­lo­ge an der Uni­ver­si­tät Aix-Mar­seil­le. Sei­ne aktu­el­le For­schung kon­zen­triert sich auf Geschlecht, Sexua­li­tät und die poli­ti­sche Öko­no­mie der Migra­ti­on und unter­sucht, wie Migra­ti­ons­kon­trol­le durch (sexu­el­le) huma­ni­tä­re Inter­ven­tio­nen in Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en funk­tio­niert. Er unter­sucht Maß­nah­men zur Bekämp­fung des Men­schen­han­dels und das Asyl­recht. Er ist Post­dok­to­rand im Rah­men des vom ERC finan­zier­ten For­schungs­pro­jekts „Sexu­el­ler Huma­ni­ta­ris­mus: Migra­ti­on, Sex­ar­beit und Men­schen­han­del“ (2016−2020) für Frank­reich und Autor des Buches The Sexu­al Poli­tics of Asyl­um (Rout­ledge, 2017). E‑Mail: . Anmer­kun­gen: [1] R Andri­ja­se­vic und N Mai, „Edi­to­ri­al: Dar­stel­lun­gen von Men­schen­han­del (in): Ver­ständ­nis der wie­der­keh­ren­den Anzie­hungs­kraft von Opfer und Skla­ve­rei in neo­li­be­ra­len Zei­ten“, Anti-Traf­fi­cking Review, Aus­ga­be 7, 2016, S. 1–10, https: / /doi.org/10.14197/atr.20121771. [2] F Guil­lemaut, “Femmes Afri­cai­nes, Migra­ti­on et tra­vail du sexe”, Socié­tés, vol. 1, nein. 99, 2008, S. 91–106, https://doi.org/10.3917/soc.099.0091. [3] C Des­champs, “La figu­re de l’étran­gè­re dans la pro­sti­tu­ti­on”, Aut­re­part, vol. 2, nein. 42, 2007, S. 39–52, https://doi.org/10.3917/autr.042.0039. [4] Der Aus­druck „Pro­blem der Pro­sti­tu­ti­on“ weist hier auf den Pro­zess hin, durch den fran­zö­si­sche öffent­li­che Insti­tu­tio­nen die Pro­sti­tu­ti­on als ein sozia­les Pro­blem kon­stru­iert haben, das drin­gend ange­gan­gen wer­den muss. Die Ver­wen­dung die­ser Ter­mi­no­lo­gie ermög­licht es uns, auf die Sozio­lo­gie sozia­ler Pro­ble­me zu ver­wei­sen, die seit den 1970er Jah­ren die Fak­to­ren und Akteu­re ana­ly­siert, die ent­schei­den, dass eine bestimm­te sozia­le Akti­vi­tät oder ein bestimm­tes sozia­les Phä­no­men als Pro­blem zu ver­ste­hen und zu behan­deln ist. Sie­he M Spec­tor und J I Kit­su­se, Kon­stru­ie­ren sozia­ler Pro­ble­me, Cum­mings, Men­lo Park, 1977; J Gus­field, Die Kul­tur der öffent­li­chen Pro­ble­me: Alko­hol am Steu­er und die sym­bo­li­sche Ord­nung, Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press, Chi­ca­go, 1981. [5] L Mathieu, „Genè­se et logi­ques des poli­ti­ques de pro­sti­tu­ti­on en France“, Actes de la recher­ché en Sci­en­ces socia­les, vol. 3, nein. 198, 2013, S. 5–20. [6] Eine Ana­ly­se der Kate­go­rien, die in der Lite­ra­tur zur Defi­ni­ti­on von Regi­men für die Sex­ar­beits­po­li­tik ver­wen­det wer­den, fin­den Sie unter: P Öster­gren, „Von der Null­to­le­ranz zur voll­stän­di­gen Inte­gra­ti­on. Über­den­ken der Pro­sti­tu­ti­ons­po­li­tik “, Demand AT Working Paper, 2017b, p. 13, abge­ru­fen am 5. Novem­ber 2018, http://www.demandat.eu/publications/zero…n‑policies. [7] H. Le Bail und C. Gia­met­ta, Que pen­sent les travailleur.ses.s du sexe de la loi Pro­sti­tu­ti­on?, Méde­cins du Mon­de, Paris, 2018. [8] Die­se Ergeb­nis­se stim­men mit Unter­su­chun­gen in ande­ren Län­dern über­ein. Sie­he zum Bei­spiel: Amnes­ty Inter­na­tio­nal, Poli­tik zu staat­li­chen Ver­pflich­tun­gen zur Ach­tung, zum Schutz und zur Erfül­lung der Men­schen­rech­te von Sex­ar­bei­te­rin­nen, AI, 2016; S K Chu und R Glass, „Reform des Sex­ar­beits­rechts in Kana­da: Berück­sich­ti­gung von Pro­ble­men mit dem nor­di­schen Modell“, Alber­ta Law Review, vol. 51, nein. 1, 2013, S. 101–124, http://dx.doi.org/10.29173/alr59; C Holm­ström und M Skil­b­rei, „Das schwe­di­sche Gesetz über den Kauf von Sex: Wo steht es?“, Oslo Law Review, vol. 4, nein. 2, 2017, S. 82–104, https://doi.org/10.18261/issn.2387–3299-2017–02-02; J Levy und P Jacobs­son, „Schwe­di­scher aboli­tio­nis­ti­scher Dis­kurs und Recht: Aus­wir­kun­gen auf die Dyna­mik der schwe­di­schen Sex­ar­beit und auf das Leben der schwe­di­schen Sex­ar­bei­te­rin­nen“, Cri­mi­no­lo­gy and Cri­mi­nal Jus­ti­ce, vol. 5, nein. 14, 2014, S. 593–607, https://doi.org/10.1177/1748895814528926; P Öster­gren „Schwe­den“ in S. Jahn­sen und H. Wagen­aar (Hrsg.), Bewer­tung der Pro­sti­tu­ti­ons­po­li­tik in Euro­pa, Rout­ledge, Lon­don und New York, 2017; UNAIDS, Leit­fa­den zu HIV und Sex­ar­beit, UNAIDS, 2009. [9] Wie H. Wagen­aar et al. beschrei­ben, “Neo-Aboli­tio­nis­mus” ist der Begriff, der ver­wen­det wird, um die gegen­wär­tig domi­nie­ren­de Bewe­gung zur Aus­rot­tung oder Unter­drü­ckung der Pro­sti­tu­ti­on in der Gesell­schaft durch Anwen­dung des Straf­rechts auf Kli­en­ten und Drit­te zu bezeich­nen … ihren Aus­druck in der Kri­mi­na­li­sie­rung der öffent­li­chen Ord­nung und der Anwen­dung des Rechts als Päd­ago­gik Werk­zeug — wur­de in Schwe­den ent­wi­ckelt “. Sie­he: H. Wagen­aar et al., Gestal­tung der Pro­sti­tu­ti­ons­po­li­tik: Absicht und Rea­li­tät bei der Regu­lie­rung des Sex­han­dels, Poli­cy Press, Bris­tol und Chi­ca­go, 2017, S. 11–12. Gene­rell betrach­ten neo-aboli­tio­nis­ti­sche Akteu­re Sex­ar­bei­ter als Opfer der patri­ar­cha­li­schen Gesell­schafts­ord­nung. [10] Das For­schungs­pro­jekt trägt den Titel “Sexu­el­ler Huma­ni­ta­ris­mus: Migra­ti­on, Sex­ar­beit und Men­schen­han­del” SEXHUM (ERC CoG 682451). Es ist ein vier­jäh­ri­ges Pro­jekt (2016−2020), das vom Euro­päi­schen For­schungs­rat finan­ziert wird. SEXHUM wird von Nico­la Mai gelei­tet und hat sei­nen Sitz an der King­s­ton Uni­ver­si­ty in Lon­don (Abtei­lung für Kri­mi­no­lo­gie und Sozio­lo­gie) und an der Aix-Mar­seil­le Uni­ver­si­ty (LAMES — Medi­ter­ra­ne­an Labo­ra­to­ry of Socio­lo­gy). Sie­he: https://sexualhumanitarianism.wordpress.com. [11] D Kulick, “Sex im neu­en Euro­pa: Die Kri­mi­na­li­sie­rung von Kli­en­ten und die schwe­di­sche Angst vor dem Ein­drin­gen”, Anthro­po­lo­gi­cal Theo­ry, vol. 3, nein. 2, 2003, S. 199–218, https://doi.org/10.1177/1463499603003002005. [12] D Kulick, “Vier­hun­dert­tau­send schwe­di­sche Per­ver­se”, GLQ, vol. 11, nein. 2, 2005, S. 205–235, S. 221. [13] Die 1990 gegrün­de­te Euro­päi­sche Frau­en­lob­by ist eine Dach­or­ga­ni­sa­ti­on von Frau­en-NGOs in der gesam­ten Euro­päi­schen Uni­on mit einem Sekre­ta­ri­at in Brüs­sel. Es umfasst die fran­zö­si­sche Koor­di­nie­rung für die Euro­päi­sche Frau­en­lob­by (CLEF) und die schwe­di­sche Frau­en­lob­by. Die­se NGO ver­folgt einen neo-aboli­tio­nis­ti­schen Ansatz in Bezug auf Pro­sti­tu­ti­on. [14] E Fas­sin, „Auf­stieg und Fall der Sexu­al­po­li­tik in der Öffent­lich­keit: Ein trans­at­lan­ti­scher Kon­trast“, Public Cul­tu­re, vol. 18, nein. 1, 2006, S. 79–92, https://doi.org/10.1215/08992363–18‑1–79; E Macé und N Gué­nif Soui­l­amas, Les Fémi­nis­tes und Gar­çon Ara­be, Aubes, Paris, 2004. [15] C Hamel, “De la ras­siza­ti­on du sexis­me au sexis­me iden­ti­taire”, Migra­ti­ons Socié­té, vol. 17, nein. 99–100, 2005, S. 91–104. [16] L Muc­chiel­li, Le Scan­da­le des Tour­nan­tes: Déri­ves média­ti­ques, cont­re-enquête socio­lo­gi­que, La Décou­ver­te, Paris, 2005. [17] M Tick­tin, „Sexu­el­le Gewalt als Spra­che der Grenz­kon­trol­le: Wo sich fran­zö­si­sche femi­nis­ti­sche Rhe­to­rik und Rhe­to­rik gegen Ein­wan­de­rer tref­fen“, Signs, vol. 33, nein. 4, 2008, S. 863–889, https://doi.org/10.1086/528851. [18] A L Sto­ler, Ras­se und Bil­dung des Begeh­rens: Fou­caults Geschich­te der Sexua­li­tät und der kolo­nia­len Ord­nung der Din­ge, Duke Uni­ver­si­ty Press, Dur­ham, 1995. [19] Tick­tin, S. 873. [20] JW Scott, Die Poli­tik des Schlei­ers, Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, Prince­ton, 2007; N Dot-Pouil­lard, „Les recom­po­si­ti­ons poli­ti­ques du mou­ve­ment fémi­nis­te fran­çais au Regard du Hijab“, Socio­lo­gieS (Online), 2017, ver­füg­bar unter http://journals.openedition.org/sociologies/246. [21] E Bern­stein, “Die sexu­el­le Poli­tik des neu­en Aboli­tio­nis­mus”, Dif­fe­ren­ces, vol. 18, nein. 3, 2007, S. 128–143, https://doi.org/10.1215/10407391–2007-013. [22] S Far­ris, “Femo­na­tio­na­lis­mus und die” regu­lä­re “Armee der Arbeit, genannt Migran­tin­nen”, Histo­ry of the Pre­sent, vol. 2, nein. 2, 2012, S. 184–199, https://doi.org/10.5406/historypresent.2.2.0184. [23] Mathieu, 2013. [24] D Fas­sin, “Short Cuts”, Lon­don Review of Books, vol. 38, nein. 5, 2016, p. 23. [25] Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Plat­zie­rung sozia­ler Pro­ble­me auf der Tages­ord­nung und zur Unter­schei­dung zwi­schen insti­tu­tio­nel­len und poli­ti­schen Agen­den fin­den Sie unter: R Cobb und C Elder, Teil­nah­me an der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik: Die Dyna­mik der Agen­da-Erstel­lung, Johns Hop­kins Uni­ver­si­ty Press, Bal­ti­more 1972. [26] D Bous­quet, “Pro­sti­tu­ti­on: Des Vio­len­ces du Corps à l’e­sprit”, Après-demain, vol. 2, nein. 26, 2013. [27] Mathieu. [28] H Becker, Außen­sei­ter: Stu­di­en zur Sozio­lo­gie der Abwei­chung, Free Press, New York, 1973. [29] Das Mou­ve­ment du Nid wur­de 1946 von einem Pre­di­ger, Jean-Marie Tal­vas, gegrün­det und gehört zur lin­ken katho­li­schen Bewe­gung Action Catho­li­que Ouvriè­re. Die Fon­da­ti­on Scel­les wur­de 1994 als gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on regis­triert und ist weni­ger eta­bliert als die Mou­ve­ment du Nid. Sei­ne Mit­glie­der kom­men aus bür­ger­li­chen sozia­len Ver­hält­nis­sen, wobei hoch­ran­gi­ge Beam­te und Rich­ter Teil der Stif­tung sind. Sie ver­öf­fent­li­chen Mate­ria­li­en und orga­ni­sie­ren Semi­na­re, um die Öffent­lich­keit für die Gefah­ren der Pro­sti­tu­ti­on zu sen­si­bi­li­sie­ren. [30] J King­don, Agen­den, Alter­na­ti­ven und öffent­li­che Poli­tik, Litt­le, Brown, 1984. [31] Mathieu. [32] Attac, Mon­dia­li­sa­ti­on de la Pro­sti­tu­ti­on, Att­ein­te Glo­ba­le à la Digni­té Humaine, Mil­le et une nuits, Paris, 2008. [33] Mathieu. [34] G Phe­ter­son, “End­lich auf die Frau­en hören!”, Open Demo­cra­cy, 2. März 2016, https://www.opendemocracy.net/beyondslav…ast-listen ‑zu-Frau­en. [35] F Lévy und L Marylè­ne, „Sex- und emo­ti­ons­ba­sier­te Bezie­hun­gen als Res­sour­ce für Migra­ti­on: nord­chi­ne­si­sche Frau­en in Paris“, Revue fran­çai­se de socio­lo­gie, vol. 52, nein. 5, 2011, S. 3–29, https://doi.org/10.3917/rfs.525.0003. [36] H. Le Bail, „Mobi­liza­ti­on de Femmes Chi­noi­ses Migran­tes se Pro­sti­tu­ant à Paris. De l’invisibilité à l’action kol­lek­tiv ’, Gen­re, sexua­li­té & socié­té, nr. 14, 2015, https://doi.org/10.4000/gss.3679. [37] N Mai, “Zusam­men­stel­lung von Sami­ra: Ver­ständ­nis des sexu­el­len Huma­ni­ta­ris­mus durch expe­ri­men­tel­les Fil­me­ma­chen”, anti­At­las Jour­nal, vol. 1, 2016. [38] P Bour­dieu und L Wac­quant, Eine Ein­la­dung zur refle­xi­ven Sozio­lo­gie, Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press, Chi­ca­go, 1992, p. 167. [39] RMC-Radio­pro­gramm am 30. März 2016 (sie­he Pres­se­ar­ti­kel: K Lewis, „Der fran­zö­si­sche Minis­ter Lau­rence Ros­si­gnol ver­gleicht mus­li­mi­sche Frau­en, die Schlei­er tra­gen, mit„ Negern zuguns­ten der Skla­ve­rei “), The Inde­pen­dent, 31. März 2016, https: / /www.independent.co.uk/news/world/europe/french-minister-laurence-rossignol-compares-muslim-women-who-wear-veils-to-negroes-in-favour-of-a6961121.html). [40] Sie­he zum Bei­spiel ein Fern­seh­in­ter­view mit Lor­raine Ques­tiaux: „Vous men­tez!“: LCI, 13. April 2016, abge­ru­fen am 14. Novem­ber 2016 2018, https://www.lci.fr/france/vous-mentez-vi…55046.html. Aus­gangs­spra­che: Fran­zö­sisch [41] C Cal­der­a­ro, La ‘Pro­blé­ma­tique du Voi­le’ und Sohn Entrée dans le Cad­re Juri­di­que Fran­çais: Genè­se et évo­lu­ti­on, Mas­ter­ar­beit, Pres­ses Uni­ver­si­taires de Stras­bourg, Straß­burg, 2017. [42] A Gresh, L’Is­lam, La Répu­bli­que et le Mon­de, Fayard, Paris, 2004; I Chou­der, M. Latrè­che, P. Teva­ni­an, Par­la­ment Les Fil­les Voilées, La Fabri­que, Paris, 2004. [43] P. Teva­ni­an, Le Voi­le Média­tique. Un faux débat: “L’affaire du fou­lard isla­mi­que”, Rai­sons d’agir, Paris, 2005, S. 44–46. [44] P Por­tier, „Die Poli­tik der Voi­le in Frank­reich: Droits et valeurs dans la fabri­que de laï­ci­té“, Revue du droit des reli­gi­ons, Pres­ses Uni­ver­si­taires de Stras­bourg, No. 2, 2016. [45] J But­ler, Frames of War: Wann ist das Leben schmerz­haft?, Ver­so, New York, 2009. [46] N Mai, “Zwi­schen ver­kör­per­tem Kos­mo­po­li­tis­mus und sexu­el­lem Huma­ni­ta­ris­mus: Die frak­ta­len Mobi­li­tä­ten und Sub­jek­ti­vi­tä­ten von Migran­ten, die in der Sex­in­dus­trie arbei­ten”, in V Baby-Coll­ins und L Ante­by (Hrsg.), Gren­zen, Mobi­li­tä­ten und Migra­tio­nen: Per­spek­ti­ven aus dem Mit­tel­meer­raum im 21. Jahr­hun­dert Peter Lang, Brüs­sel, 2014, S. 175–192. [47] N Mai, Son­da­ge sur la Péna­li­sa­ti­on de Cli­ents en France, Mar­seil­le, 2015, http://www.lames.cnrs.fr/IMG/pdf/RESUME_…TION‑2.pdf. [48] N Mai, C Gia­met­ta und H Le Bail, „Die Aus­wir­kun­gen des schwe­di­schen Modells in Frank­reich: Chro­nik einer vor­aus­ge­sag­ten Kata­stro­phe“, Open Demo­cra­cy, 25. April 2018, https://www.opendemocracy.net/beyondslavery/nicola ‑mai-calo­ge­ro-gia­met­ta-hl-né-le-Kau­ti­on / Aus­wir­kun­gen-des-schwe­di­schen-Modells-in-Frank­reich-Chro­nik. [49] Levy und Jacobs­son; Öster­gren. [50] PG Macio­ti und G Garo­fa­lo Gey­mo­nat, „Sex­ar­bei­ter spre­chen: Wer hört zu?“, Open Demo­cra­cy, 29. Febru­ar 2016, https://www.opendemocracy.net/beyondslav…pg-macioti / Sex­ar­bei­te­rin­nen spre­chen, die zuhö­ren. [51] B Ander­son und J O’Connell David­son, wird die Nach­fra­ge nach Men­schen­han­del getrie­ben? Eine Pilot­stu­die aus meh­re­ren Län­dern, IOM, Genf, 2003. [52] N Heit­zeg, „Unter­schie­de in der Abwei­chung: Ras­se, Klas­se, Geschlecht und Alter“ in BD Clif­ton (Hrsg.), Rout­ledge Hand­book of Devi­ant Beha­vi­or, Rout­ledge, Lon­don und New York, 2011, S. 53–60. [53] S Far­ris, Im Namen der Frau­en­rech­te: Der Auf­stieg des Femo­na­tio­na­lis­mus, Duke Uni­ver­si­ty Press, Dur­ham, 2017. [54] G Phe­ter­son, Das Pro­sti­tu­ti­ons­pris­ma, Ams­ter­dam Uni­ver­si­ty Press, Ams­ter­dam, 1996; L Oso Casas, „Pro­sti­tu­ti­on et Immi­gra­ti­on des Femmes Lati­no-Amé­ri­cai­nes en Espa­gne“, Cahiers du Gen­re, Nr. 40, S. 91–113, https://doi.org/10.3917/cdge.040.0091. [55] C Rinal­di, Diven­ta­re nor­ma­li. Teo­rie, ana­li­si e app­la­za­zio­ni inte­r­azio­nis­te del­la devi­anza e del cri­mi­ne, McGraw-Hill Edu­ca­ti­on, New York, 2016.