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Datum: 16.04.2026
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Geschichte

Wie alles begann..

Der Berufs­ver­band für ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen (BesD e.V.) wur­de am 13. Okto­ber 2013 in Köln von einem Zusam­men­schluss Sex­ar­bei­ten­der aus ver­schie­de­nen Berei­chen der Bran­che gegrün­det.

Sex­ar­beit war zu die­sem Zeit­punkt dank der Ali­ce-Schwar­zer-Kam­pa­gne „Appell gegen Pro­sti­tu­ti­on“ mal wie­der in aller Mun­de und es wur­de über eine Ver­schär­fung des dama­li­gen Pro­sti­tu­ti­ons­ge­set­zes dis­ku­tiert. Bei aller angeb­li­chen Sor­ge um Miss­stän­de in der Bran­che, wur­de jedoch immer nur über Sex­ar­bei­ten­de anstatt mit ihnen gere­det. Der neu gegrün­de­te Berufs­ver­band woll­te genau die­sen Umstand ändern.

Von Anfang an gehör­te es des­halb zu den wich­tigs­ten Tätig­keits­fel­dern des Ver­bands, Gesell­schaft, Poli­tik und Medi­en über Sex­ar­beit zu infor­mie­ren und auf­zu­klä­ren. Anstel­le von Des­in­for­ma­ti­on, Vor­ur­tei­len und Gru­sel­ge­schich­ten soll­te ab sofort ein rea­lis­ti­sches Bild von Sex­ar­beit und den Bedürf­nis­sen von Sex­ar­bei­ten­den tre­ten.

Das Ziel: Der Dis­kri­mi­nie­rung und Kri­mi­na­li­sie­rung von Men­schen in der Sex­ar­beit ent­ge­gen­zu­wir­ken und so ihre Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen zu ver­bes­sern.

Gründungsmitglied Undine de Rivière über die Anfänge des BesD e.V.:

Die Geschich­te des BesD beginnt etwa 2012. Zu dem Zeit­punkt hat­te ich schon über 15 Jah­re lang unbe­hel­ligt und rela­tiv unpo­li­tisch mein Geld in der Sex­ar­beit ver­dient. Eigent­lich woll­te ich auch ein­fach nur wei­ter in Ruhe anschaf­fen gehen. Doch die Stim­men in Pres­se und Poli­tik wur­den immer lau­ter: “Das Pro­sti­tu­ti­ons­ge­setz ist geschei­tert!” — “Der Staat för­dert Aus­beu­tung und Men­schen­han­del!” — “Für ein Euro­pa ohne Pro­sti­tu­ti­on!” — “Da muss man doch was tun!”

In der Tat. Da muss man was tun. Aber nicht das, was man­che selbst­er­nann­te Retter*innen sich in ihren gewalt­pro­no­gra­phi­schen Fan­ta­sien offen­bar so alles aus­ma­len. Ich war erschüt­tert. Wo kam das denn jetzt plötz­lich her? Man woll­te uns … was? Hel­fen? Indem man uns bevor­mun­det, uns die Lebens­grund­la­ge ent­zieht? Weil angeb­lich nie­mand sich frei­wil­lig pro­sti­tu­iert und wir des­we­gen alle befreit wer­den müs­sen?

Schließ­lich kam Johan­na Weber, damals eine mei­ner direk­ten Kol­le­gin­nen, von einer Fach­ta­gung zurück, vol­ler Feu­er und mit der irren Idee, einen bun­des­wei­ten Sex­wor­ker-Zusam­men­schluss zu grün­den, um unser Enga­ge­ment zu bün­deln und Auf­klä­rungs­ar­beit zu leis­ten. 

Ich war ver­hal­ten begeis­tert — das klang nach Arbeit, aber schien lei­der auch bit­ter nötig. Im Lau­fe der fol­gen­den Mona­te wuchs die Idee. Wir nutz­ten unse­re vor­han­de­nen Netz­wer­ke, um Mitstreiter*innen zu fin­den, und waren ganz erstaunt, wie vie­le genau­so besorgt waren wie wir und sich nicht lan­ge bit­ten lie­ßen. Ich traf auf erfah­re­ne Vorreiter*nnen, Men­schen der ers­ten und zwei­ten Wel­le der Huren­be­we­gung in den Acht­zi­gern und Neun­zi­gern, deren Bücher ich gele­sen hat­te. Wir fan­den Unter­stüt­zung in Bera­tungs­stel­len, Gewerk­schaf­ten, Par­tei­en — manch­mal von über­ra­schen­der Sei­te. 

Es gab ein ers­tes Vor­be­rei­tungs­tref­fen in Frank­furt im Früh­jahr 2013 mit über fünf­zig Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, mehr als ein gan­zes Groß­bor­dell zusam­men. Und so grün­de­ten Sex­ar­bei­te­rin­nen und Sex­ar­bei­ter aus dem gan­zen Bun­des­ge­biet — Escorts, Tantramasseur*innen, Stra­ßen­strich-Sex­wor­ker, Woh­nungs- und Bordell-Dienstleister*innen, Domi­nas, Stri­cher und Call­boys — nach gut einem hal­ben Jahr inten­si­ver Vor­be­rei­tung im Okto­ber 2013 den “Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen” e. V.(BesD).

“Der bun­des­wei­te Ver­band ver­folgt das Ziel, die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen von Sex­ar­bei­te­rin­nen und Sex­ar­bei­tern zu ver­bes­sern. Er möch­te über die unter­schied­li­chen Aspek­te von Pro­sti­tu­ti­on infor­mie­ren und gegen­über Poli­tik, Medi­en und Öffent­lich­keit ein rea­lis­ti­sches Bild der Sex­ar­beit ver­mit­teln. Damit will er der Dis­kri­mi­nie­rung und Kri­mi­na­li­sie­rung von Men­schen in der Sex­ar­beit ent­ge­gen­wir­ken.” So unse­re Inten­ti­on aus der Sat­zung.

Das Timing war per­fekt: Seit unse­rem ers­ten Tref­fen hat­te der SPIEGEL in einer sex­ar­beits­feind­li­chen Titel­sto­ry mal wie­der Ver­bo­te gefor­dert. Zwei Wochen nach unse­rer Grün­dung ver­öf­fent­lich­te die Zeit­schrift EMMA ihren “Appell gegen Pro­sti­tu­ti­on” als neu­en Höhe­punkt der Hass­re­den gegen uns. So hat­ten wir nach unse­rer ers­ten Pres­se­mit­tei­lung direkt jede Men­ge Anfra­gen und konn­ten dage­gen hal­ten.

“Hass­re­den” im Sex­work-Ver­bots­dis­kurs? Ja, rich­tig. Denn es geht bei sol­chen Kam­pa­gnen ganz im Gegen­satz zu dem Ein­druck, den sie erwe­cken wol­len, aus­drück­lich nicht um das Ver­hin­dern von Aus­beu­tung und Gewalt. Bei­des ist ja bereits ver­bo­ten! Das Recht auf sexu­el­le Selbst­be­stim­mung und alle ande­ren Men­schen­rech­te gel­ten selbst­ver­ständ­lich auch für uns. Jedes über Straf­ta­ten hin­aus­ge­hen­de Ver­bot der Sex­ar­beit betrifft aus­schließ­lich den ein­ver­nehm­li­chen Aus­tausch von Sex gegen Geld.

Wir hat­ten es satt, dass in Talk­shows, Par­la­men­ten und in der Pres­se immer nur über uns gespro­chen wur­de — als Opfer, als Kri­mi­nel­le, als Pro­blem, das es weg­zu­re­gu­lie­ren galt. Uns war klar: Wenn wir nicht selbst für uns ein­ste­hen, tun es ande­re, die uns unse­re Lebens­grund­la­ge und unse­re Rech­te neh­men wol­len — in der Regel Leu­te, die noch nie in ihrem Leben einen Fuß in ein Bor­dell gesetzt haben.

Des­halb war der Grund­ge­dan­ke bei der Grün­dung des BesD so ein­fach: “Nichts über uns ohne uns!” Nur wer selbst als Sexdienstleister*in arbei­tet oder gear­bei­tet hat, kann bei uns Mit­glied wer­den, und fast alle im Ver­band Akti­ven sind auch aktu­ell in der Sex­ar­beit tätig.

Grün­dungs­tref­fen 2013

Eine beispiellose Erfolgsgeschichte: Europas stärkste Stimme

Wir star­te­ten mit etwas über fünf­zig Leu­ten in Frank­furt — heu­te sind wir ein rie­si­ges Netz­werk mit media­lem und poli­ti­schem Ein­fluss. Der BesD ist mit über 1000 Mit­glie­dern die größ­te Sex­wor­ker-Selbst­ver­tre­tung Euro­pas. Wir sit­zen mit an den Run­den Tischen der Län­der und in den Exper­ten-Anhö­run­gen im Bun­des­tag. Und weil unse­re Pro­ble­me nicht an der Lan­des­gren­ze auf­hö­ren, sind wir inter­na­tio­nal ver­netzt, unter ande­rem im euro­päi­schen Netz­werk ICRSE.

Wenn Medi­en unfai­ren Quatsch oder fal­sche Opfer-Kli­schees ver­brei­ten, schla­gen wir zurück. Wir haben gelernt, mit der Pres­se umzu­ge­hen, und vie­le posi­ti­ve Berich­te und Doku­men­ta­tio­nen zei­gen heu­te dank uns ein fai­re­res, rea­lis­ti­sche­res Bild unse­rer Arbeit.

Unse­re Kern­bot­schaft bleibt unmiss­ver­ständ­lich: Sex­ar­beit ist Arbeit. Punkt. Des­halb for­dern wir die voll­stän­di­ge Ent­kri­mi­na­li­sie­rung. Das bedeu­tet, dass alle Geset­ze und Son­der­re­geln abge­schafft wer­den müs­sen, die uns im Ver­gleich zu ande­ren Beru­fen schlech­ter stel­len. Wir wol­len eine ech­te arbeits­recht­li­che Gleich­stel­lung, das Ende der behörd­li­chen Zwangs­re­gis­trie­run­gen und ein gesell­schaft­li­ches Kli­ma, das uns mit Respekt begeg­net.

Unse­re Bran­che ist unglaub­lich bunt. Bei uns gibt es Men­schen vom klas­si­schen Stra­ßen­strich, aus dem Domi­na-Stu­dio, Leu­te vor der Web­cam, aus dem Escort-Ser­vice, aus Bor­del­len, Sau­na­clubs oder der Tan­tra­mas­sa­ge. Und unser Ver­band ist für alle da. 

Jeder erwach­se­ne Mensch hat das Recht, sei­ne Sexua­li­tät selbst­be­stimmt zu gestal­ten. Dazu gehört auch das Recht, sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen gegen Bezah­lung anzu­bie­ten — sicher und ohne stän­di­ge Angst vor der Poli­zei oder gesell­schaft­li­cher Äch­tung.