Der BesD e. V. versteht Vielfalt als einen wesentlichen Bestandteil einer solidarischen, realitätsnahen und verantwortungsvollen Arbeit im Themenfeld Sexarbeit. Sexarbeitende sind keine homogene Gruppe. Sie unterscheiden sich unter anderem in Geschlecht, Herkunft, Sprache, Aufenthaltsstatus, Arbeitsform, sozialer Lage, körperlichen Voraussetzungen, sexueller Orientierung, Alter, familiärer Situation und in ihren Erfahrungen mit Ausgrenzung, Gewalt oder gesellschaftlicher Sichtbarkeit.
Diese Diversitätsrichtlinie beschreibt die Grundsätze, an denen wir unsere Inhalte, unsere Kommunikation und unsere redaktionellen Entscheidungen ausrichten.
1. Grundverständnis von Vielfalt
Wir erkennen an, dass Sexarbeit von Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten ausgeübt wird. Diese Unterschiede dürfen nicht unsichtbar gemacht, vereinheitlicht oder auf stereotype Bilder reduziert werden.
Unser Anspruch ist es, Vielfalt nicht nur als abstrakten Wert zu benennen, sondern sie in Sprache, Themenwahl, Perspektiven und Darstellung mitzudenken.
2. Unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar machen
Wir bemühen uns, in unseren Veröffentlichungen die Unterschiedlichkeit von Lebens- und Arbeitsbedingungen im Bereich Sexarbeit abzubilden. Dazu gehört auch die Einsicht, dass Menschen sehr unterschiedliche Ressourcen, Risiken, Handlungsspielräume und Belastungen haben.
Wir vermeiden pauschale Aussagen, die so tun, als gäbe es nur eine typische Form von Sexarbeit oder nur eine gültige Perspektive auf das Berufsfeld.
3. Diskriminierungssensible Sprache und Darstellung
Wir achten auf eine Sprache und Darstellung, die Menschen nicht aufgrund persönlicher Merkmale abwertet, ausschließt oder auf Klischees reduziert. Das betrifft insbesondere Darstellungen in Bezug auf Geschlecht, Herkunft, Behinderung, Sprache, Klasse, Beruf, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität, Religion, Alter oder Aufenthaltsstatus.
Wir bemühen uns um Formulierungen, die respektvoll, präzise und für unterschiedliche Personengruppen anschlussfähig sind.
4. Mehrfachbetroffenheiten mitdenken
Uns ist bewusst, dass viele Sexarbeitende nicht nur mit Stigmatisierung wegen ihrer Arbeit konfrontiert sind, sondern zugleich auch mit anderen Formen gesellschaftlicher Benachteiligung. Dazu können zum Beispiel Rassismus, Klassismus, Ableismus, Transfeindlichkeit, Sexismus, Homo- und Queerfeindlichkeit, Sprachbarrieren oder ausgrenzende Migrations- und Aufenthaltsregelungen gehören.
Wir bemühen uns, solche Mehrfachbetroffenheiten in unseren Inhalten mitzudenken, statt sie voneinander zu trennen oder unsichtbar zu machen.
5. Keine Reduktion auf Opfer- oder Idealbilder
Vielfalt bedeutet für uns auch, Menschen nicht auf ein einziges Narrativ festzulegen. Wir lehnen sowohl eindimensionale Opferbilder als auch vereinfachende Idealbilder ab, wenn sie die komplexen Realitäten von Sexarbeitenden verzerren.
Unser Ziel ist eine Darstellung, die Menschen als handelnde Subjekte mit unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen, Belastungen und Perspektiven ernst nimmt.
6. Zugänglichkeit und Teilhabe
Wir bemühen uns, Inhalte möglichst verständlich und zugänglich aufzubereiten. Dazu gehören klare Sprache, nachvollziehbare Struktur, barrierearme Gestaltung und eine Kommunikationsweise, die nicht unnötig ausschließt.
Nicht alle Barrieren lassen sich jederzeit vollständig abbauen. Unser Anspruch ist jedoch, Hürden zu erkennen und nach Möglichkeit zu verringern.
7. Vielfalt in Themen und Perspektiven
Wir achten darauf, dass unsere Inhalte nicht nur einen engen Ausschnitt des Themenfelds abbilden. Vielfalt betrifft für uns auch die Auswahl von Themen, Erfahrungen und politischen Fragestellungen.
Dazu gehört, unterschiedliche Arbeitsrealitäten, regionale Unterschiede, unterschiedliche Organisationsformen, prekäre Lebenslagen ebenso wie selbstbestimmte Berufspraxis und verschiedene Formen der politischen oder sozialen Betroffenheit sichtbar zu machen.
8. Verantwortung bei redaktionellen Entscheidungen
Nicht jede Perspektive ist automatisch gleich gut repräsentiert. Redaktionelle Entscheidungen darüber, welche Themen aufgegriffen, welche Stimmen sichtbar gemacht und welche Begriffe verwendet werden, haben Auswirkungen auf Wahrnehmung und Ausschluss.
Deshalb verstehen wir Diversität nicht als dekorativen Zusatz, sondern als Teil verantwortungsvoller redaktioneller Arbeit.
9. Lern- und Veränderungsbereitschaft
Eine Diversitätsrichtlinie ist für uns kein abgeschlossener Zustand. Sprache, gesellschaftliche Debatten und Anforderungen an diskriminierungssensible Kommunikation entwickeln sich weiter. Auch wir lernen dazu.
Wir sind bereit, Hinweise auf blinde Flecken, Ausschlüsse oder problematische Darstellungen zu prüfen und unsere Praxis weiterzuentwickeln.
10. Grenzen
Vielfalt bedeutet für uns nicht, jede Position oder jede Ausdrucksweise akzeptieren zu müssen. Aussagen oder Inhalte, die menschenfeindlich, entwürdigend, diskriminierend oder bewusst ausgrenzend sind, stehen nicht im Einklang mit dieser Richtlinie.
11. Unser Anspruch
Unser Anspruch ist eine Veröffentlichungspraxis, die die Vielfalt von Sexarbeitenden und ihren Lebensrealitäten ernst nimmt, Diskriminierung nicht reproduziert und Unterschiede sichtbar macht, ohne Menschen darauf zu reduzieren.








