Der BesD e. V. veröffentlicht Inhalte im Bewusstsein, dass das Themenfeld Sexarbeit gesellschaftlich, politisch und medial stark umkämpft ist und dass Veröffentlichungen reale Auswirkungen auf die Sicherheit, Würde, Sichtbarkeit und Lebensbedingungen von Sexarbeitenden haben können. Diese Ethikrichtlinie beschreibt die Grundsätze, an denen wir unsere Veröffentlichungen, Darstellungen und redaktionellen Entscheidungen ausrichten.
1. Grundhaltung
Unsere Arbeit orientiert sich an der Würde, den Rechten, der Selbstbestimmung und den Lebensrealitäten von Sexarbeitenden. Wir gehen davon aus, dass über Sexarbeit nicht verantwortungsvoll gesprochen, berichtet oder entschieden werden kann, wenn die Perspektiven von Sexarbeitenden ausgeblendet, verzerrt oder entwertet werden.
2. Respektvolle Darstellung
Wir achten auf eine respektvolle, sachliche und nicht entmenschlichende Sprache. Inhalte auf dieser Website sollen nicht zur Stigmatisierung, Herabwürdigung, Sensationalisierung oder moralischen Abwertung von Sexarbeitenden beitragen.
Wir bemühen uns um eine Darstellung, die Menschen nicht auf stereotype Rollen, Opferbilder oder voyeuristische Erzählweisen reduziert.
3. Schutz von Personen und Gemeinschaften
Wir berücksichtigen, dass Sichtbarkeit im Kontext von Sexarbeit mit besonderen Risiken verbunden sein kann. Deshalb achten wir auf den Schutz von Privatsphäre, Sicherheit und Persönlichkeitsrechten.
Wir veröffentlichen keine sensiblen personenbezogenen Informationen ohne klare Grundlage und wägen sorgfältig ab, ob Darstellungen, Beispiele, Zitate oder Bildmaterial für betroffene Personen Nachteile, Gefährdungen oder unerwünschte Identifizierbarkeit mit sich bringen könnten.
4. Betroffenenperspektive und Beteiligung
Als Berufsverband misst der BesD den Erfahrungen, Einschätzungen und Interessen von Sexarbeitenden besonderes Gewicht bei. Wir halten es für ethisch geboten, dass Menschen, die von politischen, rechtlichen, sozialen oder medialen Maßnahmen unmittelbar betroffen sind, in Veröffentlichungen über diese Themen nicht nur Objekt, sondern Subjekt der Darstellung sind.
5. Sorgfalt statt Sensationalisierung
Wir lehnen vereinfachende, dramatisierende oder skandalisierende Darstellungen ab, wenn sie die Realität verzerren oder vor allem der Aufmerksamkeitserzeugung dienen. Komplexe Themen sollen nicht auf Kosten der Genauigkeit vereinfacht werden.
Gerade bei Themen wie Gewalt, Ausbeutung, Menschenhandel, Kriminalisierung, Armut, Diskriminierung oder Gesundheitsfragen achten wir darauf, zwischen unterschiedlichen Phänomenen zu unterscheiden und keine pauschalisierenden Schlüsse zu ziehen.
6. Verantwortung im Umgang mit Quellen
Wir bemühen uns, Informationen sorgfältig einzuordnen und Quellen kritisch zu prüfen. Im Themenfeld Sexarbeit existieren viele politisch aufgeladene, ideologisch geprägte oder methodisch problematische Darstellungen. Deshalb ist es für uns ein ethischer Grundsatz, Quellen nicht nur zu übernehmen, sondern ihren Kontext, ihre Aussagekraft und mögliche Interessenlagen mitzudenken.
7. Transparenz über Perspektive und Position
Der BesD ist ein Interessenverband und vertritt eigene Positionen. Wir machen deshalb kenntlich, dass unsere Inhalte nicht aus einer behaupteten Neutralität heraus entstehen, sondern von einem menschenrechtsorientierten, diskriminierungskritischen und an den Interessen von Sexarbeitenden ausgerichteten Standpunkt geprägt sind.
Transparenz bedeutet für uns, Positionen nachvollziehbar zu begründen, statt sie als vermeintlich wertfreie Tatsachen auszugeben.
8. Diskriminierungssensibler Umgang
Wir achten darauf, dass unsere Inhalte keine Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Sprache, Hautfarbe, Behinderung, Religion, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Aufenthaltsstatus, sozialer Lage, Berufsausübung oder anderer Merkmale reproduzieren.
Uns ist bewusst, dass Sexarbeitende häufig mehrfach von Ausgrenzung betroffen sind. Dies soll in unseren Veröffentlichungen mitgedacht werden.
9. Umgang mit strittigen Themen
Bei politisch oder gesellschaftlich umstrittenen Themen bemühen wir uns um Genauigkeit, faire Darstellung und nachvollziehbare Einordnung. Das bedeutet nicht, dass jede Position gleichwertig behandelt werden muss. Wo Aussagen entwürdigend, menschenfeindlich, irreführend oder nachweislich falsch sind, besteht keine ethische Pflicht, ihnen denselben Raum einzuräumen wie sachlich begründeten Positionen.
10. Keine Ausbeutung von Erfahrungsberichten
Persönliche Berichte, Beispiele und Erfahrungen sollen nicht instrumentalisiert werden. Wo Erfahrungen von Sexarbeitenden in Veröffentlichungen einfließen, achten wir auf Kontext, Freiwilligkeit, Schutzinteressen und eine Darstellung, die nicht entblößend, verkürzend oder funktionalisierend ist.
11. Verantwortung gegenüber Öffentlichkeit und Fachdebatte
Wir veröffentlichen Inhalte nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern mit dem Anspruch, zu einer informierten öffentlichen und fachlichen Auseinandersetzung beizutragen. Dazu gehört für uns, Fehler zu korrigieren, Begriffe sorgfältig zu verwenden, Missverständnisse nicht bewusst zu verstärken und komplexe Zusammenhänge nicht populistisch zu verkürzen.
12. Redaktionelle Abwägung
Nicht alles, was veröffentlicht werden könnte, sollte auch veröffentlicht werden. Wir behalten uns vor, Inhalte, Zuschriften oder Vorschläge nicht zu übernehmen, wenn sie mit diesen ethischen Grundsätzen nicht vereinbar sind oder wenn ihre Veröffentlichung absehbar zu Stigmatisierung, Gefährdung oder verantwortungsloser Verzerrung beitragen würde.
13. Weiterentwicklung
Ethische Standards sind keine starre Liste, sondern müssen im praktischen Kontext immer wieder geprüft werden. Deshalb verstehen wir diese Richtlinie als Grundlage für fortlaufende redaktionelle Abwägung, interne Reflexion und Verbesserung.
14. Unser Anspruch
Unser Anspruch ist eine Veröffentlichungspraxis, die sachlich, verantwortungsvoll, diskriminierungssensibel und den Rechten und Lebensrealitäten von Sexarbeitenden verpflichtet ist.








