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Wieso sich keiner vorstellen kann, dass wir DAS freiwillig machen …?

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Die­ser Bei­trag stammt von Johan­na Weber. Ich bin Sex­ar­bei­te­rin, habe aber mit dem Titel Pro­sti­tu­ier­te oder sogar Nut­te kein Pro­blem. Mein Pro­blem ist nicht mei­ne Arbeit, son­dern wie die Gesell­schaft damit umgeht. Die Behaup­tun­gen, die immer wie­der laut wer­den, es gäbe nur eine ganz klei­ne Grup­pe von Sexarbeiter*innen, die das frei­wil­lig und selbst­be­stimmt macht, sind nicht mit Zah­len zu bele­gen und ent­spre­chen auch nicht mei­nem Wahr­neh­men im Kol­le­gin­nen­kreis. Und doch haben vie­le Men­schen exakt die­ses Bild vor Augen, wenn sie an unse­re Arbeit den­ken. Wie kommt so etwas? 1. Frei­wil­lig­keit wird für unse­re Berufs­spar­te anders bewer­tet als für sons­ti­ge beruf­li­che Tätig­kei­ten. Wäh­rend es für einen Paket­pa­cker in einem gro­ßen Ver­sand­han­del aus­reicht, dass die­ser lei­der kei­nen ande­ren Job mit guten Arbeits­be­din­gun­gen und ver­tret­ba­rem Lohn gefun­den hat und ja von irgend­was leben muss, gilt für die Sex­ar­beits­bran­che ein ande­rer Maß­stab. Als frei­wil­lig zählt hier nur eine Per­son, die ein­deu­tig jeden Mor­gen freu­de­strah­lend in ihr Bor­dell geht und auch dort den gan­zen Tag sin­gend und jauch­zend ihrer Tätig­keit nach­geht. Ich per­sön­lich wür­de mich freu­en, wenn alle Men­schen auf der Welt Spaß an ihrer Arbeit hät­ten, aber dem ist ja nun Mal nicht so. In ers­ter Linie geht man zur Arbeit, weil man Geld ver­die­nen muss. Und mit dem Job muss man sich irgend­wie arran­gie­ren. Scha­de eigent­lich, denn mir wür­de das ja nicht rei­chen. Es reicht aber sehr vie­len Men­schen. Und so reicht es auch für mich aus, wenn mir eine Kol­le­gin aus einem Bor­dell erzählt, dass sie dort halt arbei­tet, weil alle ande­ren ihr zu Ver­fü­gung ste­hen­den Alter­na­ti­ven weni­ger lukra­tiv oder zeit­lich nicht pas­sen oder, oder, oder… Wo fängt denn Frei­wil­lig­keit an und wo hört sie auf? 2. Ist es für die meis­ten Men­schen nicht mög­lich unse­re Arbeit los­ge­löst von eige­nen Emo­tio­nen zu sehen. Über die eige­ne Sexua­li­tät wird ja lei­der in unse­rer Gesell­schaft sel­ten offen gere­det. Somit ist nicht vor­stell­bar, dass ande­re Men­schen kom­plett ande­re Emp­fin­dun­gen bei der Ero­tik haben, ja sogar ohne Pro­ble­me in der Lage sind, Lie­be und Sex von­ein­an­der zu tren­nen. Noch weni­ger vor­stell­bar ist dann, Sex als Dienst­leis­tung anzu­bie­ten, ohne dabei irgend­ei­nen see­li­schen Scha­den zu erlei­den. 3. Auch sehr welt­of­fe­ne Men­schen haben inter­es­san­ter­wei­se oft sehr wert­kon­ser­va­ti­ve mora­li­sche Ansich­ten. Dass das klas­si­sche Modell der Ehe eigent­lich nicht mehr zeit­ge­mäß ist, wagt kaum jemand zu den­ken. Wenn man sich die hohen Schei­dungs­ra­ten anschaut, wun­dert es mich wie­so immer noch das Leben mit dem EINEM Part­ner als Ide­al ange­strebt wird und mit so vie­len roman­ti­sier­ten Sehn­süch­ten ver­bun­den ist. Ich will nicht gegen die­se Bezie­hungs­form wet­tern, denn die bewährt sich für vie­le Men­schen, aber eben für vie­le auch nicht. Salon­fä­hi­ge Alter­na­ti­ven gibt es nicht in unse­rer Gesell­schaft oder zumin­dest nicht öffent­lich. Und an die­ser Schief­la­ge rüt­teln wir Sex­ar­bei­te­rin­nen, denn allei­ne dadurch, dass wir unse­re Dienst­leis­tung anbie­ten, stel­len wir das klas­si­sche Bezie­hungs­mo­dell in Fra­ge. Wir las­sen unge­niert Phan­ta­sien leben­dig wer­den, die eigent­lich gar nicht sein dür­fen oder aus­schließ­lich in inti­mer Zwei­sam­keit mit dem Part­ner aus­ge­lebt wer­den soll­ten. Wir sind ein­fach nut­tig. Und das ist eine Pro­vo­ka­ti­on. Komi­scher­wei­se wer­den wir nicht als Hexen auf dem Schei­ter­hau­fen ver­brannt, son­dern man will uns armen Frau­en ja nichts Böses. Nein, wir sind ja schließ­lich Opfer. Nein, wir kön­nen ja nichts dafür, dass wir DAS machen müs­sen. Wir wer­den ja dazu gezwun­gen. Von wem? Von bösen Zuhäl­tern oder neu ist das Argu­ment von der wirt­schaft­li­chen Not. Nein, wir kön­nen ja nichts dafür und sind auch nur Opfer der Umstän­de. Und Opfer muss man ret­ten. 4. Es besteht ja die Vor­stel­lung, dass alle unse­re Kun­den stin­ken, fett, eke­lig und bru­tal sind. Es ist natür­lich schwer vor­stell­bar, dass wir mit exakt die­sen Men­schen frei­wil­lig Intim­kon­takt haben. Dass unse­re Kun­den aber die lie­ben Ehe­män­ner sind, die sich bei uns anders ver­hal­ten als Zuhau­se, näm­lich sich ord­nungs­ge­mäß waschen, ihre Sachen fein ordent­lich zusam­men­le­gen und höf­lich sagen, was sie denn wün­schen, kommt in den Denk­mus­tern nicht vor. Ja, es gibt auch anstren­gen­de Kun­den, aber mit denen kön­nen wir pro­fes­sio­nell umge­hen, denn das ist die Min­der­zahl.   Gruß, Johan­na Weber