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2. Juni: Hurentag

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Warum eine Welt ohne Prostitution keine bessere Welt ist … Gedanken einer Berliner Sexarbeiterin

Warum eine Welt ohne Prostitution keine bessere Welt ist … Gedanken einer Berliner Sexarbeiterin

Warum eine Welt ohne Prostitution keine bessere Welt ist … Gedanken einer Berliner Sexarbeiterin
Die­ser sehr per­sön­li­che Blog­bei­trag wur­de uns von einer Ber­li­ner Kol­le­gin zur Ver­fü­gung gestellt.  Als ich im vier­zigs­ten Lebens­jahr wie­der ange­fan­gen habe mit der Sex­ar­beit, las ich über­all die Berich­te in den Zei­tun­gen von den gan­zen Men­schen­han­dels­op­fern in Deutsch­land. Das ver­un­si­cher­te mich sehr. Ich saß zwar sel­ber im Bor­dell und habe dort gear­bei­tet, aber ich dach­te, dass die­se schlim­men Sachen ja wo anders gang und gäbe sein müss­ten. Ich frag­te mich sogar, ob ein Ver­bot der Sex­ar­beit nicht viel­leicht gut wäre und ich nicht mei­nen Job auf­ge­ben soll­te um den ande­ren zu hel­fen. Es dau­er­te eine Zeit, bis mir klar wur­de, dass ich damit nie­man­dem hel­fen wür­de. Ich kam immer mehr rum in Deutsch­land und arbei­te­te in ver­schie­de­nen Bor­del­len und Stu­di­os. Ich traf über­all ganz ver­schie­de­ne Frau­en, ganz ver­schie­de­ne Schick­sa­le, ganz ver­schie­de­ne Her­an­ge­hens­wei­sen an den Job. Ja, ich traf auch etli­che Kol­le­gin­nen, denen ich wirk­lich einen ande­ren Job anra­ten wür­de. Ja, ich traf in den letz­ten 10 Jah­ren sogar zwei, die einen Lover­boy hat­ten. Das wirk­li­che Pro­blem dabei ist, dass es gera­de für Migran­tin­nen in der Sex­ar­beit kei­ne ernst­zu­neh­men­de Alter­na­ti­ve gibt. Es wird immer ger­ne vom Abschaf­fen der Pro­sti­tu­ti­on gespro­chen und von groß­an­ge­leg­ten „Aus­stiegs­pro­jek­ten“. Wie die­se aus­se­hen sol­len und wer die enor­men Kos­ten tra­gen soll, dar­über fin­det sich nichts. Ich hör­te sogar schon ver­hal­te­ne Stim­men, dass es doch am bes­ten wäre, wenn die betrof­fe­nen Migrant*innen wie­der in ihre Hei­mat zurück­gin­gen. Da wür­den sie sich doch zu Hau­se füh­len und könn­ten ihre Trau­men viel bes­ser ver­ar­bei­ten. So viel zur hei­li­gen Visi­on von einer Welt ohne Pro­sti­tu­ti­on. Was ist denn eigent­lich so schlimm an der Pro­sti­tu­ti­on? Ger­ne liest man ja, dass Pro­sti­tu­ti­on nur unter Zwang erfol­gen kann, und dass Pro­sti­tu­ti­on gleich­zu­set­zen sei mit Gewalt. Oft wird sogar von Ver­ge­wal­ti­gung gespro­chen. Das sind mäch­ti­ge Bil­der, die sich in die Köp­fe ein­bren­nen. So leicht ist es, sich vor­zu­stel­len, wie die arme jun­ge Frau aus Ost­eu­ro­pa als hilf­lo­ses Opfer täg­lich von bru­ta­len Puff­gän­gern miss­braucht wird. So schwer ist es, sich vor­zu­stel­len, dass Sex­ar­beit wirk­lich ein Job sein kann, und dass sich das Anbie­ten von sexu­el­len Dienst­leis­tun­gen pro­fes­sio­na­li­sie­ren lässt. Natür­lich weiß ich, dass nicht alle Kol­le­gin­nen den Job ger­ne machen, aber in mei­nem Bekann­ten­kreis habe ich durch­aus auch Men­schen in „nor­ma­len“ Tätig­kei­ten, die auch nicht jeden Mor­gen jauch­zend zur Arbeit gehen. Ich habe ganz all­ge­mein den Ein­druck, dass vie­le Men­schen sich gar nicht vor­stel­len kön­nen, ihre Berufs­tä­tig­keit kön­ne ihnen Erfül­lung brin­gen. Gera­de in der Sex­ar­beit scheint mir die­ser Ansatz lei­der sehr weit ver­brei­tet, denn die Bran­che ist der­ma­ßen stig­ma­ti­siert, dass es schwer ist, einen posi­ti­ven Bezug zur eige­nen Arbeit zu ent­wi­ckeln. Zurück zu der Fra­ge, was denn so schlimm an der Pro­sti­tu­ti­on ist. Wenn man in der Lage ist, Pro­sti­tu­ti­on als ero­ti­sche Dienst­leis­tung zu sehen, die pro­fes­sio­nell von Men­schen ange­bo­ten wird, die sich bewusst für die­sen Job ent­schie­den haben, dann ist dar­an eigent­lich nichts schlimm. Ich will das jetzt nicht the­ma­ti­sie­ren, denn die gesell­schaft­li­chen Kon­ven­tio­nen spre­chen eine ande­re Spra­che. Wir wer­den immer noch erzo­gen und geprägt vom Modell der Zwei­er­be­zie­hung, die bis der Tod uns schei­det hal­ten soll. Die­ses Zwei­er­kon­strukt teilt sich nicht nur ein Ehe­bett mit Nach­ti­schen, son­dern ver­bringt jeden Tag gemein­sam. Und von die­ser wun­der­ba­ren Sym­bio­se, die im All­tag durch­aus her­vor­ra­gend funk­tio­niert, wird dann auch noch tol­ler Sex erwar­tet. Wäh­rend Frau­en oft ihren sexu­el­len Bedürf­nis­sen nicht so viel Wich­tig­keit bei­mes­sen, oder sie igno­rie­ren oder nicht wahr­neh­men, den­ken vie­le Män­ner eher prag­ma­tisch. Mit ihrer Frau sind sie zufrie­den und wol­len das auch gar nicht ändern. Eine Sex­ar­bei­te­rin auf­zu­su­chen sehen sie nicht als Infra­ge­stel­lung ihrer Ehe oder Ableh­nung ihrer Frau gegen­über. Frau­en hin­ge­gen wür­den sich — wenn über­haupt — eher einen Lieb­ha­ber neh­men, denn ohne Lie­be geht es doch nicht. Dies ist dann oft das Ende der Ehe. Man ver­zei­he mir die Schub­la­den­theo­rie. Wäre es nicht schön, wenn sowohl Män­ner als auch Frau­en sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen als selbst­ver­ständ­lich betrach­ten wür­den und je nach Nei­gung nut­zen oder eben auch nicht. Nach wie vor gibt es nur weni­ge Frau­en, die ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen in Anspruch neh­men, aber es wer­den mehr. Ein sehr lesens­wer­ter Bei­trag zu die­sem The­ma stammt aus der Feder des Tan­tra-Mas­seurs Micha­el König -> https://berufsverband-sexarbeit.de/index…ls-kundin/. In den Köp­fen der Pro­sti­tu­ti­ons­geg­ner ist die Welt viel ein­fa­cher: Frau=Opfer/Mann =Täter, und sie wün­schen sich eine ande­re Welt. Eine Welt ohne Pro­sti­tu­ti­on. Ja, ich wün­sche mir auch eine ande­re Welt, aber nicht eine Welt ohne Pro­sti­tu­ti­on. Ich wün­sche mir eine offe­ne­re und freud­vol­le­re Gesell­schaft. Eine Gesell­schaft, in der Ero­tik kein Tabu­the­ma ist, son­dern eine lust­vol­le Berei­che­rung. Eine Gesell­schaft, die über Ero­tik spricht und eige­ne Bedürf­nis­se erlaubt. Eine Gesell­schaft, in der Paa­re in Bezie­hun­gen die eige­ne und auch die gemein­sa­me Lust the­ma­ti­sie­ren, statt tot­zu­schwei­gen — und wo gleich­zei­tig auch ande­re Lebens­mo­del­le mög­lich sind.