Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Offener Brief einer Sexarbeiterin an NRW-Politiker Armin Laschet

Offener Brief einer Sexarbeiterin an NRW-Politiker Armin Laschet

Offener Brief einer Sexarbeiterin an NRW-Politiker Armin Laschet
Sehr geehr­ter Herr Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet! Ich habe eini­ge Fra­gen an Sie, auf die ich bis­her eine schlüs­si­ge Ant­wort ver­mis­se. Ich erwar­te von einem Spit­zen­po­li­ti­ker, dass er wil­lens und in der Lage ist, sei­ne Ent­schei­dun­gen ratio­nal zu begrün­den. Das ist aber lei­der nicht der Fall, wenn es um mei­nen Berufs­stand geht. Seit März die­sen Jah­res ste­he ich dank Ihrer Anord­nung unter Berufs­ver­bot, vie­le mei­ner Kol­le­gin­nen haben Sie ohne Not zu Almo­sen­emp­fän­ge­rin­nen degra­diert und unser gesam­tes Métier unter dem Deck­män­tel­chen des Gesund­heits­schut­zes unter Gene­ral­ver­dacht gestellt. Gleich­zei­tig haben Sie Tau­sen­den von Ern­te­hel­fern aus Ost­eu­ro­pa die Ein­rei­se gestat­tet, ohne nach einem Coro­na-Test auch nur zu fra­gen. Gleich­zei­tig haben Sie und Ihre Vor­gän­ge­rin Han­ne­lo­re Kraft über Jah­re die Augen ver­schlos­sen, vor den unsäg­li­chen und wür­de­lo­sen Arbeits-und Lebens­be­din­gun­gen in der Fleisch ver­ar­bei­ten­den Indus­trie. Die Infek­ti­ons­zah­len in einem der größ­ten Schlacht­hö­fe Euro­pas, die dem Kreis, in dem ich woh­ne, einen zwei­ten Lock­down beschert haben, spre­chen für sich und bedür­fen hier kei­ner wei­te­ren Erör­te­rung. Sie begrün­den die Äch­tung und Kri­mi­na­li­sie­rung mei­nes Gewer­bes damit: a) dass wir  nicht in der Lage sei­en, die nöti­gen Abstands­re­ge­lun­gen ein­zu­hal­ten. Spä­tes­tens die Demons­tra­ti­on in der ver­gan­ge­nen Woche vor Ihrem Amts­sitz hät­te Sie vom Gegen­teil über­zeu­gen kön­nen – wenn Sie sich die Mühe gemacht hät­ten, uns zur Kennt­nis zu neh­men. Über­dies gibt es in unse­rem Métier einen Berufs­zweig, näm­lich die Domi­nanz, in dem sich die Fra­ge nach dem gebo­te­nen Abstand von allein erle­digt. b)  dass es angeb­lich unmög­lich sei, mei­ne Besu­cher für den Bedarf an einer Nach­ver­folg­bar­keit zu regis­trie­ren Auch DA gibt es Mit­tel und Wege, bei denen weder die Sicher­heits­vor­schrif­ten noch die in unse­rem Berufs­stand erfor­der­li­che Dis­kre­ti­on gefähr­det ist. Im übri­gen: wie steht es mit der Nach­ver­folg­bar­keit von Besu­cher­da­ten in Restau­rants? Da soll es ja durch­aus schon pas­siert sein, dass sich Gäs­te unter fal­schem Namen oder mit gefak­ten Tele­fon­num­mern ein­ge­tra­gen haben … c) dass „beim Geschlechts­ver­kehr not­wen­di­ger­wei­se mit einer erhöh­ten Atem­fre­quenz zu rech­nen sei.“ Zunächst ein­mal ist es in mei­nen Augen frag­lich, ob ein ein­zel­ner Herr, der sich bei einer ein­zel­nen Dame dis­kret sei­ne Strei­chel­ein­hei­ten holt, einer grö­ße­ren Anstren­gung unter­wor­fen ist als der Besu­cher eines Fit­nesstu­di­os, der dort keu­chend sei­ne Han­teln stemmt . Und außer­dem: Sie erlau­ben den Betrieb von Mas­sa­ge­pra­xen, kön­nen aber nicht begrün­den, inwie­weit sich eine Well­ness­mas­sa­ge von einer Tan­tra­mas­sa­ge wesent­lich unter­schei­det. Sie gestat­ten den Betrieb von Dating-Platt­for­men, kön­nen aber nicht begrün­den , war­um ein One-Night-Stand der via Tin­der oder auf ande­rem Wege zustan­de gekom­men ist, nicht infek­ti­ös ist – aber in DEM Augen­blick , in dem die dar­an betei­lig­te Frau­ens­per­son Hono­rar kas­siert, AUF EINMAL infek­ti­ös sein soll und somit ille­gal wird. Auf all die­se Fra­gen, die nicht nur ich , son­dern auch vie­le mei­ner Kol­le­gin­nen an Sie stel­len, sind Sie bis­lang eine schlüs­si­ge und nach­voll­zieh­ba­re Ant­wort schul­dig geblie­ben. Statt des­sen ver­su­chen Sie , uns zu igno­rie­ren. Wenn Sie wenigs­tens zuge­ben wür­den, dass Ihnen mein Gewer­be ein Dorn im Auge ist und dass Sie mich und mei­nes­glei­chen am liebs­ten wie­der dort­hin ver­ban­nen möch­ten, wo wir bis zum Jah­re 2002 unser Dasein gefris­tet haben: zurück in die muf­fi­gen Hin­ter­zim­mer, die öden Indus­trie­ge­bie­te und die ver­wahr­los­ten Rand­zo­nen der Städ­te und zurück unter die Fuch­tel der Zuhäl­ter … Nach dem Mot­to: „Aus den Augen aus dem Sinn – Haupt­sa­che , der bra­ve Bür­ger merkt so wenig wie mög­lich vom Vor­han­den­sein die­ser ver­wor­fe­nen Geschöp­fe.“ Dann wäre das doch immer­hin eine kla­re Ansa­ge. Statt­des­sen ducken Sie sich weg, ver­su­chen uns zu igno­rie­ren und ver­schan­zen sich hin­ter Aus­re­den, die faden­schei­nig und ein­fach nur pein­lich sind. Ich hof­fe, dass Sie sich anhand mei­nes Schrei­bens zu schlüs­si­gen und nach­voll­zieh­ba­ren Ant­wor­ten auf mei­ne Fra­gen durch­rin­gen kön­nen. „Hoch­ach­tungs­voll“, Sibil­le Schä­fer – Sexu­al­as­sis­ten­tin
Der oben­ste­hen­de Text wur­de von einer Sex­ar­bei­te­rin im Nach­gang der Sex­wor­ker-Demo vor dem Düs­sel­dor­fer Land­tag am 27. August ver­fasst. Kopien gin­gen via Email an RP ONLINE, Bild, TAZ, WDR und Der Frei­tag — außer­dem an sämt­li­che Frak­tio­nen im Düs­sel­dor­fer Land­tag.