Berufsverband-Sexarbeit.de

Berufsverband-Sexarbeit.de

Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

2. Juni: Hurentag

Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

Mehr erfahren

Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

Mehr erfahren

Aktionswoche 2026

Aktionswoche 2026

2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

Mehr erfahren

Sarkasmus, Lügen, Manipulation: Wenn sich die Gegnerfraktion einschleicht …

Sarkasmus, Lügen, Manipulation: Wenn sich die Gegnerfraktion einschleicht …

Sarkasmus, Lügen, Manipulation: Wenn sich die Gegnerfraktion einschleicht …
Replik von Miss Daria, Sex­ar­bei­te­rin und Mit-Orga­ni­sa­to­rin der Demo in Stutt­gart auf die Äuße­run­gen einer bei der Pres­se­kon­fe­renz im Tab­le­dance-Club Messa­li­na anwe­sen­den Jour­na­lis­tin.
Wenn sich die Geg­ner­frak­ti­on ein­schleicht… …und ein Para­de­bei­spiel dafür bie­tet, dass wir Sexarbeiter*innen von eben die­sen über­haupt nicht ernst genom­men wer­den! Und lei­der auch deut­lich macht, wie unmög­lich es ist, mit sol­chen Men­schen eine kon­struk­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung zum The­ma Sex­ar­beit zu füh­ren.

Sarkasmus, Lügen, Manipulation und absurde Analogien

Nach jeder Men­ge guter Pres­se — als Echo auf unse­re Pres­se­kon­fe­renz, die Lauf­haus­füh­rung und die Kund­ge­bung der letz­ten Woche hier in Stutt­gart, war er da: “Der Arti­kel den man ganz sicher nicht lesen möch­te, wenn man sich gera­de sehr inten­siv poli­tisch für sei­ne Grund­rech­te und sei­ne Berufs­grup­pe ein­ge­setzt hat!” in der Wochen­zei­tung KONTEXT vom 12.08.: “Pro­sti­tu­ti­ons­ver­bot? Gute Idee!” Ein Arti­kel der dafür sorg­te, dass ich unglaub­lich sau­er auf mich sel­ber war — zum einem weil ich nicht über ALLE ange­mel­de­ten Pres­se­leu­te ALLE ent­spre­chen­den Infos ein­ge­holt hat­te, zum ande­ren über den Text an sich und über die Art und Wei­se wie Men­schen den Jour­na­lis­mus so miss­brau­chen kön­nen. Bei der Ein­hal­tung ihres Berufs­ko­dex ein­fach mal ganz tief ins Klo gegrif­fen: Fern ab von neu­tra­ler Bericht­erstat­tung.

Politisches Engagement kostet Zeit, Energie, bringt kein Geld und ist unabdingbar

Ich woll­te nie­mals poli­ti­sche Arbeit machen. Ich woll­te vor allem nicht als Sex­ar­bei­te­rin im Fern­se­hen lan­den, geschwei­ge denn Demos orga­ni­sie­ren oder mich mit Jour­na­lis­mus aus­ein­an­der set­zen. Da Sex­ar­beit KEINE Lob­by hat außer die Sex­ar­bei­ten­den sel­ber und das The­ma weder in der Poli­tik noch in den Medi­en fair behan­delt wird, blieb mir bei mei­nem hohen Sinn für Gerech­tig­keit irgend­wann aber gar nichts ande­res mehr übrig, als mich poli­tisch zu enga­gie­ren. Ja, es mag unglaub­lich naiv klin­gen, aber was mich jetzt dabei am meis­ten umtreibt, ist der Fakt, dass ich nicht ernst genom­men wer­de! Einen sol­chen Tag, wie den 6. August 2020 zu orga­ni­sie­ren ist ein unglaub­lich anstren­gen­des Unter­fan­gen, kos­tet sehr viel Zeit und Ener­gie, bringt kein Geld und war trotz­dem unab­ding­bar — vor allem in Stutt­gart. Das Stig­ma und die Dis­kri­mi­nie­rung ist rie­sig und wie sol­len wir ohne poli­ti­sches Enga­ge­ment zu einer Aner­ken­nung der Sex­ar­beit kom­men. Über­all wird stän­dig über uns anstatt mit uns gere­det. So bin ich dann doch in die­sem poli­ti­schen Feld gelan­det und Frau Stie­fel nutzt ihre Stel­lung bei der KON­TEXT-Wochen­zei­tung um ihre “per­sön­li­che Mei­nung” zu einem mög­li­chen Pro­sti­tu­ti­ons­ver­bot zu ver­brei­ten und scheut dabei weder vor Lügen noch vor Mani­pu­la­ti­on zurück. Das neh­me ich irgend­wie per­sön­lich, als wür­de jemand mein Enga­ge­ment und mei­nen Berufs­tand mit Füßen tre­ten. (Ja, ich weiß, ich soll­te das nicht per­sön­lich neh­men…) Und Frau Stie­fel hat es eben­falls getan: Sie hat nicht mit uns gere­det, son­dern jetzt redet sie über uns!

Frau Stiefel hat uns auf der Pressekonferenz nicht eine Frage gestellt

Sie hät­te die Chan­ce gehabt, mit uns einen offe­nen Aus­tausch zu füh­ren. Aber nein, sie miss­braucht ihre Macht-Posi­ti­on um ihre per­sön­li­che Mei­nung kund zu tun und unse­re Akti­on ins Lächer­li­che zu zie­hen. In ihrem Arti­kel nutzt sie jede Form der rhe­to­ri­schen Mani­pu­la­ti­on um den Leser emo­tio­nal zu beein­flus­sen, hier zum Bei­spiel: “.…die Tat­too-Dich­te auch. Mas­ken tra­gen alle, beliebt bei Män­nern aus dem Milieu: Toten­kopf­mas­ke, die ein grim­mi­ges Lächeln ins Gesicht friert.” Was genau trägt das zur Sache bei? “Die Show für die Pres­se ist ein biss­chen wie ein Tag der offe­nen Tür bei der Bun­des­wehr. Kei­ner redet über Krieg, alle bestau­nen die Geweh­re, und wer Glück hat, darf am Ende Pan­zer fah­ren!” schreibt Frau Stie­fel. Merk­wür­di­ge Ana­lo­gie wür­de ich sagen, was sie damit bezweckt, kann ich nur mut­ma­ßen. Pro­sti­tu­ti­on mit Krieg gleich zu set­zen? Braucht man das, wenn einem die Argu­men­te feh­len? Oh — jetzt wer­de ich auch sar­kas­tisch — ein Übel das ich der Frau Stie­fel vor­wer­fe — und nun tap­pe ich sel­ber in die Fal­le. Ver­zei­hung, aber die­se Bericht­erstat­tung ist auf kei­ner Ebe­ne fair, da fällt es mir wirk­lich schwer mich selbst anstän­dig zu ver­hal­ten. „Man könn­te mei­nen, der Sex-Job sei ein Rie­sen-Spaß…“, „…Barses­sel­chen…“, …und schwupps, so ganz neben­bei…“, ‚„…Knöpf­chen drü­cken…“, „…hier im Tabel­dance-Schup­pen…“, „…sexy Effekt“…, „…außer­dem hät­ten sie ein super Hygie­ne­kon­zept…“. Auch bei mehr­fa­chem Lesen fin­de ich kaum einen Satz der wirk­lich ernst gemeint ist. Das meis­te wird ins Lächer­li­che gezo­gen, über­trie­ben dar­ge­stellt und merk­wür­dig betont, so dass der Leser gar nicht die Mög­lich­keit bekommt, sich ein neu­tra­les Bild des Gesche­hens zu machen.

An Lügen und Manipulation wird nicht gespart

“Men­schen­han­del, Zwangs­pro­sti­tu­ti­on oder Gewalt sind kein The­ma im Messa­li­na im Stutt­gar­ter Rot­licht­vier­tel.”  Wer dabei war weiß, dass das The­ma Pro­sti­tu­ti­on im Ver­bor­ge­nen wäh­rend der momen­ta­nen Situa­ti­on, eines der wich­ti­gen The­men auf der Pres­se­kon­fe­renz und auch auf der Kund­ge­bung war. Die Not der Frau­en, die kei­ne Sofort­hil­fe bekom­men haben, die kei­nen fes­ten Wohn­sitz haben etc., und jetzt heim­lich arbei­ten müs­sen ist gra­vie­rend und benö­tigt drin­gend Unter­stüt­zung. Das ist einer der Grün­de, war­um wir for­dern, dass wir wie­der arbei­ten dür­fen. Alle Sex­ar­bei­ten­den die jetzt gera­de arbei­ten müs­sen, weil ihnen nichts ande­res übrig bleibt, sind wid­ri­gen Umstän­den aus­ge­setzt. Da sie gera­de ille­gal arbei­ten, sind sie erpress­bar und kön­nen sich in Nöten an nie­man­den wen­den. “In Schwe­den, wo Sexkauf ver­bo­ten ist, gel­ten Män­ner, die eine Frau nur über Geld ins Bett krie­gen, längst als Loser.” So ein Quatsch! Wie­der erzeugt sie, mit einer nicht nach­weis­ba­ren Aus­sa­gen, Emo­tio­nen beim Leser.…weil es ja auch so vie­le Stu­di­en und Sta­tis­ti­ken dazu gibt, dass Män­ner die Sex­ar­beit in Anspruch neh­men Loser sind. „Und jeden Tag gehen in Deutsch­land eine Mil­li­on Män­ner ins Bor­dell!“ ist die nächs­te Unwahr­heit die in den Raum gestellt wird. Wenn nicht ein­mal klar ist, wie vie­le Sexarbeiter*innen es in Deutsch­land gibt, wie kann dann eine sol­che Zahl ent­ste­hen?

Ein bitterer Beigeschmack bleibt

Nun nach­dem ich die­sen Bei­trag geschrie­ben habe, fin­de ich es nur noch halb so wild, was Frau Stie­fel aus ihrem Arti­kel gemacht hat. Wie gesagt, ein Para­de­bei­spiel dafür, wie die Geg­ner­frak­ti­on mit uns Sexarbeiter*innen umge­hen. Näm­lich, dass lie­ber über uns als mit uns gere­det wird. Den­noch, ein bit­te­rer Bei­geschmack bleibt, denn ich mag es nicht, wenn jemand mich nicht ernst nimmt und sich über mich lus­tig macht. Im Übri­gen, ist uns (allen Aktivist*innen in der Sex­ar­beit die ich ken­ne und mir) bewusst, dass es Men­schen­han­del und Gewalt in der Pro­sti­tu­ti­on gibt. Wir sind jeder­zeit dazu bereit, dar­über zu spre­chen und es ist uns ein Anlie­gen, uns für bes­se­re Bedin­gun­gen und ver­nünf­ti­ge Rech­te zu enga­gie­ren.