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2. Juni: Hurentag

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Corona und Sexarbeit: Das Recht, nicht arbeiten zu müssen

Corona und Sexarbeit: Das Recht, nicht arbeiten zu müssen

Corona und Sexarbeit: Das Recht, nicht arbeiten zu müssen
Nach gro­ßen Pro­tes­ten von Sex­ar­bei­ten­den — unter ande­rem in Ham­burg, Ber­lin, Köln und Stutt­gart — kam letz­te Woche die Nach­richt aus Ber­lin: Es gibt end­lich auch betref­fend Sex­ar­beit Locke­run­gen. Und ab 1. Sep­tem­ber soll unter Auf­la­gen zumin­dest in der Haupt­stadt wie­der der Kauf und Ver­kauf von Sex erlaubt sein.

BILD und Co. schreiben platte Sprüche wie “Prostituierte wollen endlich wieder Sex”

Ganz unab­hän­gig von mög­li­cher Freu­de an der Arbeit ging es den demons­trie­ren­den Kolleg*innen vor allem dar­um, dass ihre Arbeits­plät­ze wie­der öff­nen und sie end­lich wie­der Geld ver­die­nen kön­nen. Es sind wirk­lich nicht alle Sex­wor­ker geil dar­auf zu arbei­ten, weil sie ihren Job so lie­ben, wie es das soge­nann­te Hap­py-Hoo­ker-Nar­ra­tiv in den Medi­en und der sicht­ba­re Akti­vis­mus häu­fig sug­ge­rie­ren (Lese­emp­feh­lung: “War­um Sex­ar­bei­ten­de ihren Job nicht lie­ben müs­sen, um dafür Respekt zu ver­die­nen”). Sol­che Vor­stel­lun­gen tra­gen nichts zur Durch­set­zung glei­cher Rech­te von Sex­wor­kern bei, ins­be­son­de­re nicht zur Durch­set­zung der Rech­te von ille­ga­li­sier­ten und mar­gi­na­li­sier­ten Kolleg*Innen. Die lau­ten Rufe nach Locke­run­gen und Öff­nung des Rot­licht-Gewer­bes dür­fen auch nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass vie­le Sex­wor­ker auf­grund von Coro­na gera­de gar nicht arbei­ten wol­len. 

Viele Sexworker müssen trotz Corona arbeiten.

Weil sie eben irgend­wie über­le­ben müs­sen. Weil sie sich nicht leis­ten kön­nen, wei­ter ihre Alters­vor­sor­ge zu plün­dern. Weil sie kei­ne finan­zi­el­le Rück­la­gen mehr haben. Weil sie ein­fach ihre Mie­te zah­len müs­sen. Weil sie ihre Fami­lie nicht anders unter­stüt­zen kön­nen. Weil sie Schul­den haben. Weil sie nicht alles ver­lie­ren möch­ten, was sie sich auf­ge­baut haben. Trotz ihrer per­sön­li­chen Gesund­heits­si­tua­ti­on. Trotz der Angst, sich mög­li­cher­wei­se selbst anzu­ste­cken  — bei­spiels­wei­se, wenn sie zu einer Risi­ko­grup­pe gehö­ren. Trotz der Angst, mög­li­cher­wei­se ande­re anzu­ste­cken — bei­spiels­wei­se Part­ner, Kin­der oder Eltern, die viel­leicht zu einer Risi­ko­grup­pe gehö­ren. Trotz Arbeits­ver­bo­ten — und dar­aus fol­gen­den unsi­che­ren Arbeits­be­din­gun­gen, gedrück­ten Prei­se oder schlech­te­ren Kun­den.

Staat lässt Sexarbeitende im Stich

Auch unter Sex­wor­kern befin­den sich Coro­na-Risi­ko­grup­pen — sie benö­ti­gen finan­zi­el­le Unter­stüt­zung, damit sie jetzt nicht arbei­ten müs­sen. Das Pro­blem ist: Staat­li­che Unter­stüt­zung erhal­ten ver­gleichs­wei­se weni­ge Sex­wor­ker. Denn schon die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen dafür — lega­ler Auf­ent­halt bzw. Staats­an­ge­hö­rig­keit und der Besitz einer Steu­er­num­mer — erfül­len längst nicht alle. Den “Luxus” einer Kran­ken­ver­si­che­rung oder eines fes­ten Wohn­sit­zes haben noch weni­ger. Wer jetzt noch übrig ist, kann — wie vie­le Selbst­stän­di­ge — kaum auf finan­zi­el­le Rück­la­gen zugrei­fen. Seit 15 Jah­ren ehren­amt­li­cher Poli­tik ste­hen für mich die Inter­es­sen der schwächs­ten Mit­glie­der unse­rer Sex­work-Com­mu­ni­ty im Vor­der­grund. 80% aller Sex­wor­ker in Deutsch­land sind Migrant*innen. Wo bleibt die staat­li­che finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für die oft pre­kär arbei­ten­den Sex­wor­ker, die mar­gi­na­li­siert, mehr­fach stig­ma­ti­siert, ille­ga­li­siert sind? Das ist ein Skan­dal, nicht nur für die Arbeits­si­tua­ti­on in Deutsch­land, son­dern welt­weit. Vie­le Sex­wor­ker sind völ­lig ver­zwei­felt. Aus Deutsch­land und ande­ren Län­dern erfuhr ich vom tra­gi­schen Tod eini­ger Sex­wor­ker durch Sui­zid. Der Not­hil­fe Fonds des BesD ist nun leer und wir kön­nen aktu­ell kei­ne Sex­wor­ker in Not­la­gen mehr unter­stüt­zen. Ehr­lich gesagt, ist es aber auch gar nicht die Auf­ga­be eines Berufs­ver­ban­des, staat­li­che Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Der Staat ver­sagt, wenn er sich nicht um die Ärms­ten der Armen küm­mert.

Corona-Pandemie zeigt Auswirkungen repressiver Prostitutionspolitik

Mir fällt auf, dass die Sex­wor­ker am Stra­ßen­strich in Ber­lin wäh­rend des Arbeits­ver­bots auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie das glei­che berich­ten, wie auch die Sex­wor­ker in Schwe­den und Irland es seit dem dor­ti­gen Sexkauf­ver­bot tun: Auf­grund des Ver­bots blei­ben nur noch die schlech­ten Kun­den übrig, wes­halb es auch zu ver­mehr­ter Gewalt kommt. Die acht­sa­men, respekt­vol­len Kun­den sind vor­sich­tig und blei­ben weg. In über 130 wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en wur­den die Aus­wir­kun­gen repres­si­ver staat­li­cher Pro­sti­tu­ti­ons­po­li­tik unter­sucht.* Die Kurz­fas­sung: Ein Ver­bot der Sex­ar­beit führt immer zu einem Anstieg von Gewalt gegen Sex­ar­bei­ten­de.

Politischer Aktivismus — Unterstützung für Sexarbeiter*innen, die sich engagieren wollen

Ich per­sön­lich ste­he der soge­nann­ten Respec­ta­bi­li­ty Poli­tik — also dem “Andie­nen” von aus­ge­wähl­ten Ein­zel­nen aus mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen an den “Main­stream” — kri­tisch gegen­über und glau­be, dass man­che Aus­sa­gen eher scha­den, als dass sie nüt­zen. Des­halb plä­die­re ich für pro­fes­sio­nel­les Coa­ching für Sex­wor­ker, die in den Akti­vis­mus ein­stei­gen wol­len oder noch wenig Erfah­rung mit poli­ti­scher Arbeit haben und Unter­stüt­zung suchen. Dabei geht es dar­um, mög­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Feh­ler in der akti­vis­ti­schen Arbeit zu iden­ti­fi­zie­ren (Stich­wort: Demo-Pla­ka­te), enga­gier­te Men­schen zu ermu­ti­gen und zu empowern und gemein­sam Stra­te­gien zu ent­wi­ckeln. Der Ter­min wird hier recht­zei­tig bekannt gege­ben. Nach­fra­gen ger­ne an .
Die­ser Blog­ar­ti­kel stammt von BesD-Vor­stän­din und ehe­ma­li­ger Sex­ar­bei­te­rin Susan­ne Blei­er-Wilp. Sie ist seit vie­len Jah­ren als Akti­vis­tin für die Rech­te von Sexarbeiter*innen im In- und Aus­land aktiv. * Platt, Lucy, Gren­fell, Pip­po; Meik­sin, Rebec­ca et. al 2018: Asso­cia­ti­ons bet­ween sex­work laws and sex­wor­kers health. A sys­te­ma­tic review and meta-ana­ly­sis of quan­ti­ta­ti­ve and qua­li­ta­ti­ve stu­dies. In: PLoS Med 15(12), e1002680, S. 1–54